Thai-Küche ist schier grenzenlos
Eine kulinarische Tour durch Bangkok / Essen als Zeitvertreib
Eines der Attribute Bangkoks, das gleichermassen von Einheimischen und Ausländern benutzt wird, ist der Beiname „Stadt der Engel“. Während die meisten Menschen es dem Charme der Bewohner zuschreiben, sind andere der Meinung, es sei auch der Tatsache zu verdanken, dass Bangkok ein Himmel auf Erden für alle jene ist, die gutes Essen und feines Dinieren lieben.
Für Besucher, der eine kulinarische Tour durch Bangkok unternehmen möchte, gibt es keinen besseren Startpunkt als Chinatown, die Gegend um Yaowarat. Dieser Stadtteil hat eine lange Geschichte. Seit der Regentschaft von König Rama V. siedelten sich zahlreiche Chinesen hier an und begannen irgendein Geschäft. Besucher finden in Chinatown eine Ansammlung von Goldgeschäften, deren Inhaber sich wegen ihrer Ehrenhaftigkeit und der hohen Qualität ihrer Goldwaren einen guten Ruf geniessen.
Doch die meisten Thais und Ausländer kommen nicht wegen des Goldes, sondern wegen des wunderbaren Essens. Sobald es dunkel wird, verwandeln sich die Bürgersteige in ein Lichtermeer, delikate Düfte erfüllen die Luft. Die Yaowarat Road ist gesäumt mit Geschäften, die verschiedenste Delikatessen anbieten, bei deren Anblick einem bereits das Wasser im Mund zusammenläuft. Hier kann man chinesischen Congee geniessen, Reis-Porridge, Nudeln, frisches Seafood aller Art sowie Süssigkeiten und farbenfrohes Obst.
Zu den Spezialitäten dieser Gegend gehören Haifischflossensuppe sowie die hochgelobte Schwalbennestersuppe. Liebhaber guten Essens, zu denen auch die Reichen und Berühmten Thailands gehören, kommen aus allen Gegenden der Stadt hierher, um die elektrisierende Atmosphäre und ihre bevorzugten Speisen zu geniessen.
In diesem Stadtteil finden alljährlich verschiedene Festivals statt, und selbstverständlich spielt das Essen hierbei eine besondere Rolle. Das Chinesische Neujahrsfest, an dem Thais chinesischer Abstammung rote Briefumschläge mit Geld an die Familienmitglieder verteilen, ist wahrscheinlich das wichtigste Fest in Chinatown, und während dieser Zeit sind die Restaurants der überfüllt mit Familien, die zusammen feiern.
Im September findet das Chinesische Mondfest statt, dann wird ein spezieller Mondkuchen gebacken und verzehrt. Wochen später folgt das chinesische Vegetarier-Festival. In einem Zeitraum von zehn Tagen kommen keine tierischen Produkte auf den Tisch. Diese Tradition stammt vom Glauben und der Praxis der buddhistischen Mahayana-Sekte ab, die den Verzehr von Fleisch ablehnt, um so ihren Respekt vor den Tieren zu bezeugen.
Trotz der Popularität der chinesischen Küche kommen die meisten Besucher des Königreiches jedoch wegen der thailändischen Küche, deren Beliebtheit weiter zunimmt. Inzwischen findet man Thai-Restaurants fast überall rund um den Erdball.
Im Mittelpunkt jeder thailändischen Mahlzeit steht der Reis. Der Beweis seiner Bedeutung ist die Tatsache, dass die Thais das Wort Reis (Khao) auch allgemein für Nahrung benutzen. Und tatsächlich haben Besucher manchmal den Eindruck, dass das Reden übers Essen fast schon ein nationaler Zeitvertreib ist.
Die Thaiküche ist in ihrer Vielfalt einfach grenzenlos. Da gibt es cremige Curries, garniert mit Kokosnuss, wundervolle Seafood-Gerichte und viele verschiedene Arten frischen Gemüses. Chilli und Kräuter werden reichlich verwendet, um den Speisen Würze und Feuer zu verleihen. Eines der berühmtesten thailändischen Gerichte, und auch bei Ausländern sehr beliebt, ist Tom Yam Kung, eine würzige Garnelensuppe. Manchen Leuten ist sie ein wenig zu scharf, aber thailändische Köche sind immer bereit, ihre Gerichte etwas zu entschärfen, um ausländischen Zungen entgegenzukommen.
Die Küche einer Nation spiegelt auch die Kultur und die Persönlichkeit ihrer Menschen wider. Die farbenprächtigen Feinheiten der Thai-Gerichte zeigen, dass die Thais Menschen voller Freude und einem Verständnis für natürliche Schönheit sind. Über die Jahre ist die thailändische Küche von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst worden, und die Küchen anderer Kulturen haben oft ihren Weg in die Gerichte gefunden. Das hat denen aber nicht geschadet, sondern sie eher noch einmaliger gemacht. Zum Beispiel sind zahlreiche Speisen und Gewürze aus Indien und dem restlichen Asien übernommen worden, jedoch mit thailändischen Zutaten und Geschmacksrichtungen.
Zu den anderen beliebten Curries gehören auch der berühmte grüne Curry, für den viel Kokosmilch verwendet wird, Kang Som, eine sauere Suppe mit Tamarindenpaste sowie Tom Kha Kai, in Kokosmilch und Galangal gekochtes Huhn. Dies hat einen einmaligen Geschmack durch die Vermischung von süssen und scharfen Gewürzen.
Ein anderes beliebtes Gericht ist „Phad Thai“. Es besteht in erster Linie aus Nudeln, vermischt mit einer Vielzahl von Zutaten, die einen schmackhaften heissen Snack ergeben. Thais geben gerne noch getrocknete Shrimps und Zwiebeln dazu und essen es dann zusammen mit speziellen anderen kleinen Gerichten. Leicht und schnell zu kochen, ist es doch schmackhaft und macht satt. Es ist das ideale Gericht für Leute, die es eilig haben.
Die verschiedenen Landstriche Thailands haben natürlich auch ihre eigenen speziellen Gerichte, für die besondere Zutaten und Kochmethoden verwendet werden. Der Isaan, der Nordosten Thailands, ist berühmt für seinen Klebereis, seine gegrillten Hühner und scharfen Salate.
Som Tam, der wohlbekannte Papaya-Salat, ist vielleicht am berühmtesten. Grüne Papayas werden in einem Mörser zerstampft, zusammen mit Chilli, getrockneten Shrimps, Fischsosse, Zitronensaft, Tomaten, grünen Bohnen und Palmzucker. Dieses oft sehr feurige Gericht ist beliebt im ganzen Land und wird in Bangkok an jeder Strassenecke verkauft.
Ein anderes beliebtes Gericht ist Kanom Jeen. Es wird oft fälschlicherweise chinesischer Herkunft bezichtigt, hat seinen Ursprung jedoch in der Mon- oder Raman-Kultur. Hergestellt aus Nudeln, wird Kanom Jeen oft bei religiösen Zeremonien und Ritualen gegessen, weil es als Symbol für ein langes Leben betrachtet wird.
Muslimische und südasiatische Speisen erhält man überwiegend in islamischen Gemeinden. Zum Beispiel in Bangkok Noi gibt es wunderbare Hühner-Biriyanis oder Hühner-Karuma, nach denen man Bodin-Süssigkeiten isst. Dieses schmackhafte und authentische Essen ist äusserst beliebt und repräsentiert eine geschickte Mischung aus Zutaten und Kulturen.
Seafood ist unter den Besuchern Thailands äusserst beliebt, weil es hier im Vergleich mit anderen Ländern besonders preiswert ist. Wunderschöne Restaurants dieser Art gibt es überall in Bangkok, doch besonders empfehlenswert ist die Bang-khuntien-Chaitalay-Road, die von zahllosen Seafood-Restaurants gesäumt ist. Zu den beliebtesten Gerichten gehören Krabben und Krebse. Diese wohlschmeckenden Schalentiere sind schon ohne Zutaten delikat, werden aber auch als Teil von Curry- oder Reisgerichten serviert.
In Bangkok gibt es Tausende Restaurants, und fast jeder Thai hat seine Favoriten. Doch es gibt einige Gegenden in der Stadt, die es wirklich wert sind, ihre Gastronomie zu erkunden.
Das Thaphrachan-Gebiet ist solch ein kulinarisches Zentrum. Dort ist man spezialisiert auf Kudi-Chin-Kuchen, eine berühmte Süssigkeit, die man woanders so leicht nicht findet. Das Originalrezept für diese Nachspeise stammt von den Portugiesen, die mit zu den ersten westlichen Besuchern zählten, die sich im Königreich niederliessen. Allerdings wurde es im Laufe der Zeit angepasst und mehr „thai“. Der Kuchen wird aus geröstetem Mehl hergestellt und mit Rosinen und anderen Zutaten gewürzt, je nach Geschmack des Bäckers.
Phraeng Nara ist eine andere Gegend, in der die Besucher viele schmackhafte Köstlichkeiten probieren können. Zu den beliebtesten gehören Phad Thai, Huhn mit Reis, Yentafo, eisgekühlter Sirup, Thai-Crepes und Nudeln mit würzigen Fleischbällchen. Der Distrikt Samranrat ist ebenfalls ein guter Ort, wo man Roti, delikaten Thai-Kaffee, Phad Thai sowie Schweinefüsschen mit Reis geniessen kann. In der Gegend gibt es ausserdem einige wunderschöne indische Restaurants.
Die Phra Athit Road, ganz in der Nähe der bekannten Kao San, beherbergt eine Vielzahl kleiner Restaurants mit zum Teil einmaligen Gerichten. Thais geniessen hier Reis in Eiswasser, eine perfekte Behandlungsmethode in dieser heissen Jahreszeit. Ausserdem gibt es Roti und Mataba in dem alten und populären indischen Restaurant in der Nähe der Festung Sumeru. Hier bekommt man auch andere Gerichte wie Schweine-Conjee, verschiedene Kuchen und die immer beliebte Ente mit Nudeln.
Diese Gegend mit ihren vielen kleinen Restaurants ist beliebter Stammplatz der Intellektuellen Bangkoks, die hier zusammensitzen und die Ereignisse des Tages diskutieren. Viele Leute nehmen Kuchen mit nach Hause, um sie mit ihren Freunden zu teilen.
Das sind nur einige der Gegenden der „Stadt der Engel“, die auf diejenigen warten, die sich auf ein kulinarisches Abenteuer einlassen wollen. Bangkoks Restaurants bieten Speisen aus aller Welt an. Am besten ist es, wenn sich der Ausländer einen Teller schnappt, sich ins Getümmel stürzt und der Zunge einen Vorgeschmack des Himmels gibt. |