Traditionelle Thai Massage - Die Kunst, Entspannung zu bieten
Im Wat Po wird seit dem Jahr 1955 unterrichtet
Die zwei kleinen weissen Gebäude der Schule für originale und traditionelle Thai-Massage im berühmten Wat Po, das sich in Bangkok in unmittelbarer Nachbarschaft des Wat Phra Khaeo mit dem alten Königspalast befindet, werden täglich zum Paradies sowohl für Bewohner der Hauptstadt als auch für ausländische Touristen. Sie sind fasziniert von der Thai-Massage, einer uralten Heilmethode, die seit Hunderten von Jahren von Generation zu Generation weiter gegeben wurde.
Manche ausländischen Touristen kommen einfach nur rein, sagen "eine Stunde", lassen sich massieren, bezahlen anschliessend und gehen wieder. "Unsere Gäste sind Menschen aller Altersgruppen", berichtet Watinee Silapasorn vom Empfang. "Wir empfangen mehr Thais als Ausländer."
Die Schule für traditionelle Thai-Massage wurde im Jahr 1955 gegründet. In ihr stehen 44 Betten und einige Sitze für Fussmassagen. Es hat den Anschein, als ob die Schule bei der Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Platzes ihr Limit erreicht hat. Zu diesem Eindruck gelangt man, wenn man die langen Reihen von Massagebetten sieht, von denen keines länger als zehn Minuten frei bleibt.
Das Wat Po ist seit mehr als 100 Jahren für Kunst und Wissenschaft bestens bekannt, besonders für medizinische Wissenschaft und Arzneimittel- lehre. Hier befinden sich 60 Anschauungstafeln über traditionelle Thai-Massage, einschliess-lich der Linien und Druckpunkte des menschlichen Körpers. Ungefähr 80 Joga-Statuen verdeutlichen verschiedene Selbstmassage- und Streckpositionen mit unterschiedlichen Heileffekten. Und nicht zuletzt finden sich hier auch 1.100 Rezepte und Formeln für Kräutermedizinen.
Eine Massage scheint jedoch noch immer der einfachste Weg zu sein, um an die Vorteile dieser uralten Heilmethode zu gelangen. Die Schule für traditionelle Thai-Massage offeriert drei Arten von Massagen: Körpermassage, Körpermassage mit Kräutern sowie Fussmassage.
Bei einer Massage mit Kräutern werden verschiedene Heilkräuter in einem runden Kessel gedämpft und dann auf bestimmte Körperteile gelegt, um dort Muskelschmerzen zu lindern.
Viele Touristen kommen nicht nur immer wieder in die Schule für traditionelle Thai-Massage, um sich massieren zu lassen, sondern sind einen Schritt weiter gegangen, indem sie die Kunst selbst erlernten. "Wir haben hier viele Arten von Schülern", erläutert der stellvertretende Manager Serat Tangtrongchitr, "Einheimische und Ausländer, Touristen und professionelle Masseurinnen." Es liessen sich immer mehr Leute ausbilden, sowohl wegen der boomenden Spa-Dienstleistungen als auch der zunehmenden Beliebtheit der Thai-Massagen als alternatives Heilmittel.
Die Schule erhält zur Zeit ungefähr 300 Bewerbungen pro Monat. Damit sind diese in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent jährlich gestiegen. Jeder Trainingskurs umfasst 30 Stunden. Die Studenten können wählen zwischen Fünf-, Sechs- oder Zehn-Tages-Kursen. Indem man Physiotherapeuten konsultierte, wurde die bisherige Praxis revolutioniert; und durch die Einführung moderner Texte kreuzte man Tradition mit therapeutischer Wissenschaft. Damit wurde die Thai-Massage als eine moderne medizinische Wissenschaft legitimiert.
Das Verhältnis zwischen thailändischen und ausländischen Schülern war in früheren Jahren 40:60. Heute hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. Die meisten thailändischen Studenten sind Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Ihre Zahl hat in den Jahren seit Beginn der Wirtschaftskrise in 1997 ständig zugenommen. Die meisten wollen damit eine eigene berufliche Laufbahn begründen. Auch Universitätsstudenten interessieren sich zunehmend für die Thai-Massage. Sie hoffen, sich damit bei einem Studium im Ausland ein kleines Zubrot verdienen zu können. Und einige Ehefrauen wollen die Kunst einfach nur erlernen, um damit ihren Mann bei der Stange zu halten.
Die Kunst, Entspannung zu bieten
Ein schwerer Duft liegt in der Luft. Er entströmt kleinen, braunen Fläschchen mit verschiedenen Essenzen. Zitronengras, Jasmin, Rosen. Sie stehen auf einem Altar, geschmückt mit buddhistischen und christlichen Motiven und bunten Blumen. Auf dem Boden vor dem Altar liegen verschiedene Massagegeräte.
Thai-Massage ist eine Tradition, die seit vielen hundert Jahren von Generation zu Generation weiter gegeben wurde. Es handelt sich dabei um eine uralte Methode, den Kunden Entspannung zu bieten. Massage und Kräutermedizin wurden vermutlich aus Indien eingeführt. Dort gab es derartige Behandlungen schon vor mehr als 2.500 Jahren.
Mönche aus Sri Lanka importierten diese Bräuche im 14. Jahrhundert nach Thailand. Erstmals schriftlich erwähnt wird die thailändische Massage vor mehr als 300 Jahren in einem Memorandum von Simon de Loubere, dem damaligen französischen Verbindungsmann zum Königlich Siamesischen Gerichtshof.
Die traditionelle Thai-Massage verbindet drei Arten physischer Therapie: Zum ersten die Massage, das heisst, das Reiben und Kneten der Muskeln. Zum zweiten die Chiropraktik, das bedeutet, die Manipulation der Wirbel und Gelenke. Und zum dritten den Akudruck. Hierbei werden bestimmte Sehnen, Nerven und Gewebe durch einen starken, anhaltenden Druck behandelt.
Die Thaimassage basiert zum einen auf der Vorstellung, dass der Körper auf verschiedenen Bahnen von Lebensenergie durchflossen wird. Indem die Lebensenergie durch die Massage zum Fliessen gebracht wird, sollen Schmerzen gelindert und Krankheiten geheilt werden. Zum anderen soll die Massage die vier Grundelemente des Körpers ausbalancieren: Erde (Muskeln und Sehnen), Wasser (Blut und andere Körperflüssigkeiten), Feuer (Verdauung) und Luft (Atmung und Kreislauf).
Die Ölmassage ist eine sanftere Massagemethode als die Thaimassage. Manche Übungen bei der Thaimassage reichten hin und wieder bis an die Schmerzgrenze. Bei der Ölmassage dagegen spielen vor allem die ätherischen Düfte eine wichtige Rolle und wirken sich aufs Wohlbefinden aus. Gegen eine Erkältung und als Mittel für einen guten Schlaf werde mit Zitronengras massiert, Jasmin und Rosenduft dienten der Entspannung.
Eine Fussmassage ist zum einen gut für Menschen, die viel stehen oder laufen müssen. Hierbei handelt es sich um die Reflexzonen an den Füssen, die bei der Massage angesprochen werden, um das gesamte körperliche Wohlbefinden zu steigern. |