Kein Eintritt für Thais und Farang
Padaung-Frauen als Touristenattraktion / „Menschenzoo” am Jomtien
Das von Sattahips Distriktvorsteher als Touristenattraktion gelobte Golden Triangel Hill Tribe Village ist schwer zu finden. Am Kassenhäuschen endet dann der Versuch von Farang und Thais, das im Stil alter thailändischer Dörfer errichtete Village zu besuchen. „Nur Touristen mit Reiseführer und nach Voranmeldung haben Zugang”, beteuert eine junge Frau. Nach massiver internationaler Kritik sollen Frauen mit Giraffenhälsen anscheinend chinesischen Urlaubern vorbehalten bleiben.
Bereits bei der Planung wurden Bedenken laut, Padaung-Frauen mit ihren Messingringen um den Hals „auszustellen”. Nach Medienberichten sollen im Village 19 Padaung-Frauen und weitere elf Frauen und Männer von im Norden Thailands angesiedelten Bergvölkern leben.
Ziel des Investors war es, auf einem weitläufigen Areal in Na Jomtien Kultur, Kunst und Handwerk der Bergvölker und den Dorfalltag der Thais zu zeigen. Pattayas Touristen sollte im „Golden Triangel” all das geboten werden, was sie bei einer Reise in das Goldenen Dreieck sehen können.
Das Village entstand in der Nähe des Alangkarn-Theaters. Von der Sukhumvit Road führt ausschliesslich ein Hinweisschild auf Chinesisch zu einem grossen Parkplatz. Es gibt zwei Komplexe: Neben dem Golden Triangel Hill Tribe Village den Golden Triangel Village Park, in dem, so scheint es, die mit Bussen ankommenden Urlauber ihr Mittagessen einnehmen können. Chinesische Schriftzeichen schmücken die Torbogen beider Eingänge.
Da dem FARANG der Zugang zum Dorf und den Shows verwehrt blieb, kann die Redaktion sich nur auf Agenturberichte und in deutschen Zeitungen veröffentlichte Artikel berufen. Danach verurteilt das UN-Flüchtlingswerk UNHCR diese Dörfer als „Human Zoos”, als „Menschenzoo”. Nach Angaben der Organisation soll es in Thailand bereits sieben dieser zweifelhaften Touristenattraktionen geben.
Zu bestaunen sind dort Frauen aus dem Volk der Kayan, einem Zweig der ethnischen Minderheit der Karen. Die Kayan bzw. Padaung tragen Zeit ihres Lebens eine oft zehn Kilogramm schwere Messingspirale um den Hals. Die Zahl der Ringe wird über Jahre hinweg beständig erhöht. Sie strecken den Hals auf 30 Zentimeter oder mehr und drücken die Schulterblätter und Rippen nach unten. Das gibt den Frauen den Anschein, Giraffenhälse zu haben. Der Ursprung der Tradition ist unklar.
Die meisten Frauen flüchteten vor der Militärjunta in Burma nach Thailand. Dort boten Geschäftsleute ihnen und ihren Familien an, in die Touristendörfer zu ziehen, um den Flüchtlingslagern zu entkommen. In zwei Dörfern bei Mae Hon Son im Nordwesten Thailands wollten Frauen sich im Vorjahr nicht zur Schau stellen. Sie hatten von Neuseeland ein Angebot zur Auswanderung bekommen. Doch die thailändischen Behörden sollen sie umgesiedelt und ihnen die Ausreise verweigert haben. Durch den Umzug in ein anderes Dorf hätten sie ihren Flüchtlingsstatus verloren, hiess es.
Sattahips Distriktvorsteher Narong Thirachantarangkorn weist Kritik an Pattayas Ausflugsziel zurück: „Die Frauen leben gerne hier. Das ist für sie besser, als zu Hause zu bleiben und zu verhungern”, sagte er der Zeitung „Daily XPress”.
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Langhals-Frauen
Frauen des Padaung-Stammes wurden aus Burma in Dörfern im Gebiet von Mae Hong Son angesiedelt. Sie sind bekannt für ihren mit Hilfe von Messingringen künstlich verlängerten Hals und werden total touristisch vermarktet. In den Dörfern wird 300 Baht Eintritt verlangt. Die Hälfte des Geldes geht an die Karenni-Armee, die die Frauen hierher gebracht hat, die andere Hälfte an thailändische Geschäftsleute, auf deren Land die Dörfer errichtet wurden. Die Langhals-Frauen werden wie Gefangene gehalten und nur mit dem Lebensnotwendigsten versorgt. Eine menschenunwürdige Touristenattraktion, bei der die deformierten Frauen wie Tiere im Zoo begafft werden. Doch Tausende von Touristen kommen her, um diesen Zirkus mitzumachen.
(Aus dem Stefan Loose Travel Handbuch „Thailand”)
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