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Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Einmal im Monat steht die „Botschaft“ in Samui

Service für Deutsche: Honorarkonsul Dirk Naumann erspart lange Wege nach Bangkok

Der Honorarkonsul beim Sprechtag im Ocean Eleven auf Samui: Jeanette Saran und ihre Mutter Magdalena suchen den Rat von Dirk Naumann in einer Visaangelegenheit. Ein neuer Reisepass ist fällig. Die Lebensbescheinigung für die Rente. Die Anerkennung einer Vaterschaft. Oder es drückt einfach der Schuh wegen einer leidigen Angelegenheit, bei der ausschließlich die Deutsche Botschaft helfen kann. - Bleibt nur der lange und teure Weg nach Bangkok? Nein, auf Samui gibt es einen Service, der Zeit und Kosten spart: Honorarkonsul Dirk Naumann (67) fliegt einmal im Monat mit seinen beiden deutschsprachigen Thai-Mitarbeiterinnen auf die Insel und löst als verlängerter Arm der Deutschen Botschaft die meisten Probleme vor Ort.

Jeweils am ersten Dienstag des Monats ist „Naumann-Tag“ auf Koh Samui. Von seinem Wohnort Phuket jettet der Honorarkonsul frühmorgens los und öffnet von 11 Uhr bis 15.30 Uhr im „Ocean Eleven’ in Baan Rak sein Konsulat unter Palmen. Direkt am Strand liegt das Restaurant, mitten im Ort Baan Rak. Wer von Bophut aus in Richtung Flughafen fährt, kann es im Ortszentrum auf der linken Seite kaum verfehlen.

Dirk Naumann ist ein höflicher Mensch, ruhig, kompetent, ein Kavalier alter Schule. Geduldig hört er den etwa 20 deutschen Besuchern zu, die heute ins Ocean Eleven gekommen sind und ihre Anliegen auf seinem Tisch ausbreiten. Der eine braucht nur einen neuen Reisepass, weil der alte voll gestempelt ist und ohnehin bald abläuft. Ein Rentner, der sonst einmal im Jahr die mühsame Reise nach Bangkok unternehmen musste, will schlicht den Nachweis erbringen, dass er bei guter Gesundheit und am Leben ist. Ohne die offizielle Lebensbescheinigung gibt’s keine Rente. Dirk Naumanns Mitarbeiter nehmen alle Daten auf und die Sache wird erledigt.

Was ist ein Honorarkonsul? Ist das so was wie ein Botschafter? – Nein, nein, winkt Naumann ab, er hat diese Frage oft gehört und kann schnell klären, was Sache ist. Die Deutsche Botschaft hat ihn als Honorarkonsul dazu legitimiert, als Außenstelle botschaftsspezifische Dienstleistungen zu erbringen. Dirk Naumann finanziert sich als eigener Unternehmer durch Bearbeitungsgebühren seiner Kunden. Von der Botschaft fließt nicht ein Euro in seine Tasche.

Die meisten Antragsteller sind froh, dass es den hilfreichen Arm der Bangkoker Botschaft gibt. Die Gebühren nehmen sie gerne in Kauf, auch angesichts der Tatsache, wie viel mehr sie für Flüge und das Hotel in Bangkok ausgeben müssten. Und wenn manchmal, sehr selten, einer murrt und mosert, dass der Reisepass in Bangkok billiger sei als beim Honorarkonsul, dann kann Dirk Naumann damit leben. Seine Dienstleistung ist freiwillig und es stehe jedem frei, diese in Anspruch zu nehmen oder nicht.

Vier Jahrzehnte hat Naumann in leitender Position in der Pharmaindustrie wichtige Entscheidungen getroffen. Seit 35 Jahren lebt er in seinem Lieblingsland Thailand. Demnächst wird Dirk Naumann 68 Jahre alt und ist wie viele seiner Kunden längst Rentner. Ganz aufs Altenteil zurückziehen wollte er sich nicht. Heute hat er anderen Stress als früher. Keine richtungweisenden Entscheidungen für den Konzern. „Nur Hilfe“ nennt er seinen Aufgabenbereich humorvoll und verschweigt dabei, dass sein Telefon häufiger klingelt und seine Arbeitsstunden länger sind als bei anderen Ruheständlern.

Kaum einer seiner Klienten weiß, dass Dirk Naumann auch Gefangenenbetreuung macht. Einer seiner größten Erfolge war ein sehr heikler Fall eines 17-Jährigen aus Deutschland. Der Jugendliche saß als angeblicher Pädophiler in Thailand in Haft. Naumann und seine Mitarbeiter konnten Richter und Polizei nach akribischer Überzeugungsarbeit dazu bringen, den jungen Mann zurück in die Heimat zu schicken. Der Tatvorwurf las sich nach eingehender Prüfung des Falles anders. Der Heranwachsende war selbst vergewaltigt und danach gezwungen worden, für pornographische Fotos mit anderen Minderjährigen zu posieren. Ein Opfer, kein Täter. Dank Dirk Naumann lebt dieser Jugendliche in Deutschland ein neues Leben.

Am 2. Oktober hat der Honorarkonsul für sein Wirken das Bundesverdienstkreuz erhalten. Botschafter Dr. Hanns Heinrich Schumacher überreichte ihm die hohe Auszeichnung in Bangkok. Dort weiß man die Arbeit von Dirk Naumann zu schätzen. Viele in Phuket und Koh Samui lebende Deutsche stehen nicht mehr in Bangkok auf der Matte, wenn es um klassische Behördenanliegen geht. Eine Entlastung, die allen etwas bringt.

Nur eines kritisierte ein Besucher des Konsularsprechtages in Koh Samui: dass dieser lediglich einmal im Monat stattfindet. Weshalb ihn das so stört, fügte er gleich hinzu. „Naumann müsste öfter sein…“

(Ein ausführliches Portrait von Dirk Naumann können Sie bei Samui-WebTV sehen: www.samui-webtv.com. Das Kamerateam hat den Honorarkonsul bei seinem Sprechtag auf Koh Samui einen Tag lang auf Schritt und Tritt begleitet.)

Sam Gruber

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