Samuis Wahrzeichen: Die Kokospalme
Bekannt war und ist Koh Samui bei den Thais als Insel der Palmen und Kokosnüsse. Auch die ersten Rucksacktouristen bestaunten die riesigen Palmplantagen. Zwar gab es auch Fischer auf der Insel, das meiste Geld aber wurde mit Rohstoffen gemacht, die die Palme lieferte.
Von der Palme kann alles bis auf die Wurzeln verwendet werden. Diese bilden in der Erde ein riesiges, fächerförmiges Gebilde, das der Palme den festen Stand sichert. Kein noch so starker Sturm kann eine Palme entwurzeln, sondern höchstens abknicken. So erklären sich auch die geschwungenen Palmen, die oft auf Postkarten zu finden sind.
Der Stamm selbst eignet sich kaum für den Hausbau, da es ein Faserholz ist. Genutzt wird der Stamm in den Häfen an den Landestegen als Prellbock für die Schiffe. Die Fasern im Inneren zersetzen sich mit der Zeit, und der entstandene Hohlraum wird mit Beton aufgefüllt. Die grossen Wedel werden entblättert und die Einzelblätter, die sehr lang sind, in der Mitte gefaltet und an einer Holzleiste befestigt. So entstehen Matten, mit denen die Hütten und Häuser abgedeckt wurden und noch werden. Das ergibt ein regensicheres Dach.
Nun zur Nuss – die eigentlich gar keine ist. Frucht wäre das richtige Wort. Beim Pfirsich isst man das Fleisch und wirft den Kern weg. Bei der Kokosfrucht hingegen wird das Innere des Kerns, der von einer Faserhülle umgeben ist, gegessen oder verarbeitet. Wurde die Hülle vom Kern entfernt, was übrigens recht mühsam ist, werden die zwei Hüllenhälften in Wasser eingelegt. So lösen sich mit der Zeit die Fasern voneinander. Diese werden dann zusammengedreht und es entstehen kleine Bänder, die wieder und wieder zusammengedreht werden. Und so entstehen die Schiffstaue, die der Seemann Reep nennt. Der Name Reeperbahn in Hamburg kommt daher, dass auf dieser schnurgeraden Strasse Schiffstaue zusammengedreht wurden. Ein solches aus Naturmaterial hergestelltes Tau ist kaum zu zerreissen und besser als Taue aus Kunstmaterialien.
Menschen und Affen
Die Früchte der Kokospalme hängen hoch oben unter den Palmwedeln. Früher kletterte der Mensch hoch und drehte die Früchte so lange, bis sie sich vom zähen Stiel lösten. Das war eine mühsame Arbeit. Bis einer der Bauern auf die Idee kam, einen der auf der Insel zahlreich vertretenen Affen (Makaken) zu fangen und zum Pflücken der Früchte zu dressieren. Tatsächlich gelang dies – aber nur mit männlichen Tieren. Mehr und mehr Affen wurden gefangen und abgerichtet, sodass bald kein Mensch mehr auf die Palmen klettern musste. Heute gibt es Trainingslager auf der Insel und in Surat Thani. Ein Makak kann am Tag bis zu 1.000 Früchte ernten. Ausserdem streikt er nicht und will keine Lohnerhöhung. Das Foto zeigt, wie sehr sich Mensch und Affe vereint haben, aufgenommen an der Had Ngam Road in Chaweng. Noch heute sind die Palmprodukte die zweitgrösste Einnahmequelle nach dem Tourismus. Exportiert wird neben mehr als zwei Millionen Kokosfrüchten monatlich - und sie gelten als die besten in Thailand - vor allem das aus den Kokoskernen (das, was wir Nüsse nennen) gewonnene Kopra. Milch und Kopra aus den reifen Früchten sind aus der Thai Küche nicht wegzudenken und wurden auch in andere Länder, z.B. die EU, exportiert. Noch nicht voll ausgereifte Früchte enthalten im Kern viel Fruchtwasser, was sehr lecker schmeckt und ausserdem den Vitaminbedarf des Körpers für einen Tag deckt. Schlussendlich bleibt die harte Schale des Kerns der ausgereiften Frucht. Aus diesen Schalen werden Gebrauchsgegenstände wie z.B. Wasserschöpfer hergestellt, aber auch unzählige Souvenirs. Diese finden sich nicht nur auf den Märkten Samuis, sondern in ganz Thailand.
Wie kam es zu dem Wort Kokosnuss? Als die ersten Kerne der Frucht in Europa eintrafen, war die Faserhülle bereits entfernt. Dort kannte man die Hasel- und Wallnuss, und der Kern sah eben aus wie eine riesige Nuss. Da gibt es noch andere Beispiele, wie wir Unbekanntem einen Namen gaben: Apfelsine = Chinesischer Apfel. Erdapfel = Kartoffel.
Noch heute wird die Landschaft Samuis von den Kokospalmen geprägt. In den Hotelanlagen und in öffentlichen Anlagen sieht der Urlauber keine Früchte, oder bleiben wir beim nun gängigen Wort Kokosnüsse, unter den Wedeln. Diese werden entfernt, bevor sie ausgewachsen sind, um Passanten zu schützen. Denn, kaum glaublich aber wahr, jährlich sterben mehr Menschen, weil ihnen eine Kokosnuss auf den Kopf gefallen ist, als an Schlangenbissen!
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