Wer will einen neuen Flughafen auf Samui?
Unter dieser Überschrift erschien ein Leserbrief in der „Bangkok Post“ am 7. April, geschrieben von einer Gruppe (?) Chao Baan Samui. Er ist es wert, gekürzt ins Deutsche übersetzt zu werden:
„In der ‚Bangkok Post‘ vom 3. April wurde über eine öffentliche Anhörung zum Thema zweiter Flugplatz am 12. März berichtet“ in dem jeder sein dafür oder dagegen darlegen konnte. Zu lesen war, dass die Mehrheit von 342 Personen, die anwesend waren, geschickt von Parteien, die grosses Interesse an einem neuen Flughafen haben, den Bau für gut befand. Diese Mehrheit aber kann fundamentale Gegebenheiten nicht ändern. Viele Aspekte wurden nie richtig diskutiert, und es ist davon auszugehen, dass hier entweder eine Vendetta gegen ‚Bangkok Airways’ im Gange ist oder ein grossartiger Plan, finanzielle Vorteile zu erzielen. Ein Projekt dieser Grösse bringt die alte Praxis des ‚Geldes unter dem Tisch’ wieder auf, mit guten Gewinnen bei der Grösse des Vorhabens.
Landkauf/Enteignung: Es existiert ein kompletter Bauplan, ohne vorher mit der betroffenen Gemeinde gesprochen zu haben. Die Gegend ist die grösste Reisanbaufläche auf Samui, genannt „thung naa“, und ist noch heute unterteilt in unzählige kleine Landstücke, die Hunderten von Familien gehören. Im Naa Mueang Distrikt sind auch die meisten Anwohner gegen den Bau eines Flughafens vor der Haustüre. Hunderte verschiedene Parteien müssen befriedigt werden, und es kann zu endlosen, separaten Prozessen kommen. Ausserdem ist es naiv zu denken, dass 500 Millionen Baht ausreichen für den Ankauf und die Enteignung. Landpreise auf Samui zählen zu den höchsten in Thailand, und eine Fläche von 2.100 Rai im „thung naa“ Gebiet hat einen Wert von mehr als einer Milliarde Baht. Genauso naiv ist auch der Kostenvoranschlag zum Bau des Flughafens mit allen dazu gehörenden Gebäuden. Gesprochen wird von einer Milliarde, realistisch sind aber eher über zwei Milliarden.
Geologie: Die in Frage kommende Gegend ist ein Flutwasserbassin. Wie ein Schwamm saugt es das von den nördlich gelegenen Bergen kommende Wasser auf. Das ist auch der Grund, warum das Land so fruchtbar ist für den Reisanbau, und es wäre in Betracht zu ziehen, hier besser ein Wasserreservoir anzulegen. Es handelt sich um Lehmerde, nicht nur an der Oberfläche, sondern bis zu 80 Metern Tiefe. Völlig ungeeignet für grosse Gebäude und um auf der Landebahn schwere Maschinen aufsetzen zu lassen. Folglich müsste viel Lehmboden für ein stabiles Fundament abgetragen und mit anderem, stabileren Erdreich aufgefüllt werden. Wegen der Monsunregen, die Überflutungen mit sich bringen, muss der Grund für Gebäude, Start- und Landebahnen sowie Parkplätze der Flugzeuge um 2 Meter über den derzeitigen Reisfeldern angehoben werden. Natürlich auch die Zufahrtsstrassen etc. Das wird sehr teuer, da auf der Insel Erdreich zum Auffüllen in solcher Riesenmenge nicht vorhanden ist. Dient die „thung naa“ nicht mehr als Auffanggebiet für Flutwasser, werden andere Strassen und Gemeinden unter Überflutung leiden - ausser ein Flutwasser- Umleitungssystem von immenser Grösse würde gebaut.
Bangkok Airways: Man kann Dr. Praserts Vision, Millionen in einen privaten Flughafen auf Samui zu investieren, nur bewundern. Diese Investition brach den Bauboom los für viele Hotels der oberen Klasse sowie Eigentumswohnungen/Häuser. Samui kann mit Stolz sagen, einen der schönsten Flughäfen Asiens zu haben. Besonders nach dem Bau des neuen Terminals, bei dem Ästhetik in der Architektur und fein angelegte Gärten die Besucher erwarten. Die unschöne Seite sind die monopolistischen Praktiken von Bangkok Airways, welche die Einwohner der Insel aufregen. Die Flughafengebühr von 300 Baht (die es auf keinem anderen nationalen Flughafen Thailands gibt) ist ein Beispiel, wie aus dem Fluggast Geld gequetscht wird. Flugverspätungen sind nun mehr die Regel als die Ausnahme. Ein Flughafenneubau aber ist keine Lösung. Das wäre wie mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Sollte das Problem wirklich bei Bangkok Airways liegen, dann sollte mit der Gesellschaft direkt verhandelt werden, auf dass sie den Service verbessert, andere Fluglinien Landerechte gibt und keine überteuerten Preise verlangt. Würden Reiseveranstalter und Hotels sowie lokale Reisebüros Hand in Hand arbeiten und Druck ausüben, liesse sich das vielleicht durchsetzen.
Infrastruktur und Umwelt: Der derzeitige Zustand von Infrastruktur, öffentlichen Anlagen und allgemeinen Serviceleistungen auf Samui erlaubt es nicht, mit noch mehr Besuchern und Residenten fertig zu werden. In der Tat kehren mehr und mehr Feriengäste nicht mehr zurück auf die Insel. Die wunderschönen Broschüren über Samui entsprechen nicht immer den Tatsachen der mehr und mehr geschädigten Umwelt. Sicher, die Entwicklung zu verlangsamen, um zunächst existierende Probleme zu lösen, wäre der weiseste Entschluss, bevor alles ausser Kontrolle gerät.
Zusammenfassung: Sicher wird es kein Problem sein, die zwei Milliarden Baht für einen neuen Flughafen aufzubringen. Aber nur mit den wirklich existierenden Problemen Samuis fertig zu werden, würde wesentlich weniger kosten. Anstatt wilder Bauwut und weiteren Landerschliessungen müsste endlich ein Zukunftsplan geschaffen werden, der auf wirklich durchführbaren touristischen Konzepten basiert. Wir sollten nicht erlauben, dass diese schöne Insel ein Opfer von kurzsichtiger und destruktiver Politik des grossen Geldes wird. Es sollten wirksame Lösungen zu den die Insel derzeit plagenden Problemen erarbeitet werden Es müssen Studien durchgeführt werden über den Langzeiteffekt, der sich auf die begrenzten natürlichen Quellen bezieht und wieviel die Insel noch verkraften kann. Und dann sollten die Resultate genau abgewogen werden, bevor weitere Landerschliessungen und der Bau von Hotels und Wohnsiedlungen Bewilligungen erhalten.”
Anmerkung: In einem Leserbrief in der „Bangkok Post“vom 9. April wird kritisiert, dass der oben stehende Artikel keine Lösungsvorschläge bietet. Dabei geht die Lösung eindeutig hervor: Kein weiterer Flughafen, stoppt den Bauboom und werdet erst mit den derzeitigen Problemen fertig.
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