Khao Yai - Nationalpark
Zwischen Prachinburi und Nakhon Rachasima
Nur wenige Plätze bieten die Möglichkeit, so viele Naturerfahrungen zu sammeln wie Thailands erster Nationalpark. Doch seine Popularität birgt auch zahlreiche Probleme in sich. Mit seiner Nähe zur Hauptstadt ist der Khao Yai Nationalpark schon lange ein beliebtes Wochenendziel für Bangkoker Familien. Und für viele junge Leute war und ist der Trip zum Khao Yai ihre erste echte Begegnung mit der Natur.
Der Khao Yai wurde im Jahr 1961 zum ersten Nationalpark des Landes erklärt, nachdem unter der Regierung von Feldmarschall Sarit Thanarat das Nationalpark-Gesetz verabschiedet worden war. Der Mann, der dabei eine mitentscheidende Rolle spielte, war Dr. Boonsong Lekakul, einer der bedeutendsten thailändischen Umweltschützer dieses Jahrhunderts.
Nach den Besucherzahlen rangierte Khao Yai im vergangenen Jahr mit 1,15 Millionen an zweiter Stelle hinter dem Nationalpark Doi Suthep-Doi Pui in der Provinz Chiang Mal mit 2,1 Millionen Besuchern. Von diesen Zahlen sollte man sich aber nicht irritieren lassen. Die meisten Besucher von Chlang Mai suchen lediglich die berühmten Tempelanlagen auf dem Doi Suthep sowie das Dorf eines Bergstammes auf dem Doi Pui auf.
Die Khao Yai-Gäste hingegen werden nur von einer einzigen Attraktion angezogen: der puren Natur. Der Park bietet eine Palette unterschiedlicher Naturerfahrungen. Ein langjähriger Enthusiast aus Bangkok schwärmt gleichermassen von den Wasserfällen, dem Trekking mit dem Beobachten von Schmetterlingen, den Fahrradtouren und Fotosafaris sowie dem Camping und dem Picknick an einem Wasserfall, einer beliebten Erholungsart in Thailand. Ein anderer Fan betont, der Nationalpark sei so bequem zu erreichen: "Immer wenn ich nicht weiss, wo ich am Wochenende eigentlich hinfahren soll, entscheide ich mich für den Khao Yai."
Für die Freunde der Beobachtung wilder Tiere ist der Khao Yai einer der wenigen Parks in Thailand, wo sie noch eine grosse Anzahl von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung antreffen. So grasen zum Beispiel im Umkreis von Nong Pak Chi verschiedene Hirscharten. Es kommt auch immer wieder vor, dass Besucher auf wilde Elefanten oder zumindest auf frische Spuren von ihnen stossen. Während einer Zählung in den Jahren 1984/85 kam man immerhin noch auf 250 Dickhäuter. Die Experten glauben heute, dass sich diese Zahl in der Zwischenzeit etwas verringert haben könnte.
Gelegentlich wird auch berichtet, dass man einen Tiger gesichtet habe. Auf Vogelliebhaber warten im Khao Yai rund 200 verschiedene Arten. Viele von ihnen können ganz in der Nähe der Parkverwaltung beobachtet werden. Stars unter den gefiederten Freunden sind die grossen Nashornvögel.
Der Khao Yai-Nationalpark bedeckt eine Gesamtfläche von 2.169 Quadratkilometern und berührt vier Provinzen: Nakhon Ratchasima, Nakhon Nayok, Prachin Buri und Saraburi.
Der heutige Waldbestand ist der Rest eines Gebietes, das früher Dong Phaya Yen hiess und das Nordostplateau Thailands, den Isan, von der Zentralebene trennt. In den alten Zeiten fürchteten Wanderer und Händler beim Durchqueren dieses Waldgebietes um ihr Leben. Sie wurden nicht nur von wilden Tieren bedroht, sondern auch von zahlreichen Räuberbanden.
Das Gebiet besteht aus einem Sandsteinplateau, das sanft nach Süden und Osten abfällt. Die Erhebungen erreichen Höhen zwischen 600 und über 1.000 Metern. Der höchste Gipfel ist der Khao Rom mit 1.315 Metern, gefolgt vom Khao Läm (1.326), Khao Khieo (1.292), Khao Sam Yot (1.142) und Khao Fa Pha mit 1.078 Metern.
Die Besucher des Parks finden eine Vielzahl verschiedener Wälder vor. Immergrün wechselt sich ab mit gemischtem Laubwald und Flachlandgestrüpp. Das Gebiet beliefert Prachin Buri, Nakhon Nayok, Lam Takhong, Lam Phra Phlöng und Huai Muak Lek mit Trinkwasser.
Wildes Siedeln und illegaler Holzschlag haben in der Vergangenheit - und in abgeschwächter Form auch noch heute - den Wald und die Tierwelt bedroht. Eine übertriebene Entwicklung beim Tourismus führte im März 1992 zu einem Verbot von Uebernachtungen und der Schliessung von 50 Bungalows, dem dazu gehörigen Restaurant sowie der Golfanlage, die von der staatlichen Tourismusbehörde (TAT) betrieben wurden. Uebernachtungen wurden allerdings ab Februar 1993 wieder erlaubt. Waldbrände gehören ebenso zu den regelmässigen Bedrohungen. Im vergangenen Jahr waren 25.000 Rai von den Feuern betroffen.
Die grösste Herausforderung stellt auf lange Sicht jedoch der Tourismus dar, da immer mehr Menschen dem Grosstadt Dschungel entfliehen wollen. Von den 1,5 Millionen Besuchern, die im vergangenen Jahr den Khao Yai überfluteten, blieben 78.000 auch über Nacht. Obwohl die Unterbringungsmöglichkeiten äusserst begrenzt sind und sich über wiegend auf Zeltplätze beschränken, ist der Park an langen Wochenenden und Feiertagsperioden überlaufen.
Nach Angaben eines Beamten der Parkverwaltung können täglich rund 1.000 Uebernachtungsgäste untergebracht werden. Doch während der Feiertage verdreifache sich diese Zahl. Alle Ueberredungskünste, doch lieber an Wochentagen oder wenigstens an normalen Wochenenden zu kommen, hätten bislang nichts genützt, bedauert die Parkverwaltung.
Der Verwaltung bleibt dann kein anderer Weg mehr, als die Parkeinfahrten zu schliessen. Dies wiederum führt zu grosser Verärgerung unter den Ankommenden, besonders unter denen, die eine lange Anfahrt hinter sich haben und zum Beispiel aus den südlichen Landesteilen kommen.
Wie andere Nationalparks auch, leidet Khao Yai unter Personalmangel, um den Wald und die wilden Tiere effektiv schützen zu können. Seitdem der Uebernachtungsbann aufgehoben wurde, versuchen die Verantwortlichen, mehr Campingplätze einzurichten, um der steigenden Nachfrage zu entsprechen.
In den nächsten zwei Jahren soll eine 70 Kilometer lange Strasse, die 90 Millionen Baht kostet und den Park in zwei Hälften teilen wird, fertig gestellt werden. Ausserdem soll ein kleines Kino eingerichtet werden, in dem die Besucher Dokumentarfilme ansehen und damit ihr Verständnis für den Park vertiefen sollen.
Zur Zeit sind die Strassenverhältnisse im Khao Yai eher als dürftig zu bezeichnen, und tiefe Schlaglöcher sind keine Seltenheit. Doch die geplante neue Strasse bereitet Tierschützern ebenfalls Sorgen.
Durch Raser könnten zahlreiche Tiere in noch grössere Gefahr geraten. Bereits in der Vergangenheit, als die Strasse von Prachin Buri in den Khao Yai Nationalpark fertiggestellt war, sind angeblich zahlreiche Tiere durch Kraftfahrzeuge getötet worden. Deshalb werden für die neue Strasse nicht nur Geschwindigkeitsbegrenzungen gefordert, sondern auch deren Ueberwachung und Durchsetzung.
Die Gäste des Nationalparks werden gebeten, das Besucherzentrum am Eingang zu nutzen, wo sie sich über den Park und seine Bewohner informieren können. Eine Ausstellung zeigt Elefanten und Tiger; ausserdem werden die verschiedenen Waldarten erklärt.
Liebhaber von Wasserfällen kommen im Khao Yai voll auf ihre Kosten, denn es gibt von ihnen rund dreissig. Am leichtesten zu erreichen ist der Heo Suwat, da er sich am Ende der Thanarat Road befindet. Der Wasserfall Kong Käw ist nur 100 Meter vom Besucherzentrum entfernt. Am eindrucksvollsten sind die Fälle natürlich während der Regenzeit zwischen Juli und Oktober, während es in der trockenen Jahreszeit von Dezember bis März schon mal vorkommen kann, dass das Wasser nur spärlich oder gar nicht fliesst.
Obwohl der Khao Yai nur ein paar Stunden von Bangkok entfernt liegt, ist die Witterung das ganze Jahr über kühl. Die Regenzeit ist nicht nur für Wasserfall-Enthusiasten die beste Reisezeit, sondern auch die Wälder präsentieren sich dann in ihrer grünsten Pracht. Die Wanderwege hingegen sind in dieser Zeit für ihren Ueberfluss an Blutegeln bekannt, gegen die als bester Schutz ein leichter Regenumhang mit Aermeln empfohlen wird.
Wer sich auch für das nächtliche Leben im Wald interessiert, kann sich an die Parkbeamten wenden. Sie arrangieren dann einen Ausflug in die Dunkelheit, allerdings nicht allzu weit entfernt von der Parkverwaltung.
Unterkunftsmöglichkeiten ausserhalb des Khao Yai:
- Khao Yai Garden Lodge
Diese von Klaus Derwanz und seiner thailandischen Frau betriebene Hotel- und Bungalow-Anlage liegt direkt am Rand des Nationalparks Khao Yai in Pak Chong (Khorat).
- Palm Garden Lodge
Die Palm Garden Lodge ist ein kleines Resort am Fusse des Khao Yai Nationalparks. Sie befindet sich unmittelbar am Highway 33 in Ban Kon Khuang, einem kleinen Ortsteil der Provinzhauptstadt Prachin Buri.
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