Eine Fahrt in die Wildnis
Es ist anstrengend, aber es macht Spaß, in modifizierten Fahrzeugen mit Allradantrieb durch Schlammlöcher und dichtes Gestrüpp tief in die Wälder vorzudringen
Um wirklich einmal die Wildnis zu erforschen, braucht man modifizierte Geländefahrzeuge und eine Gruppe waghalsiger und gut ausgerüsteter Abenteurer.
Eine unter Geländefahrern sehr beliebte Strecke findet man etwa 50 Kilometer von Rayong entfernt an der Straße nach Chanthaburi. Man biegt nach links in Richtung des Khao Nam Tok Nam Pen Nationalparks ab.
Vor kurzem machte sich eine aus 21 Fahrzeugen bestehende Kolonne auf den Weg, um diese schwierige Fahrt zu unternehmen, deren Teilnehmer mitten in dem Park auf dem Camping-Platz Twin Madeau übernachteten.
Wanchai Sriwaenkeaw, der Präsident des Offroad-Klubs ‘Great Hornbill’ (Großer Nashornvolgel), sagte, Teamarbeit sei der Schlüssel zum Erfolg bei solchen Fahrten, bei denen es durch Dick und Dünn geht. Die beste Zeit des Jahres um Geländefahrten zu unternehmen, ist die Regenzeit, denn dann gibt es kaum Staub, das Wasser und der Schlamm bereiten einem zusätzlichen Spaß, und die Wälder sind herrlich grün und voller Leben, sagte er. Je schwieriger die Fahrt ist, desto größer ist die Genugtuung, wenn man sie überstanden hat.
Der Pfad, der zu unserem Ziel im Dschungel führte, wird gewöhnlich nur von Fußgängern oder zweirädrigen Karren benutzt, die von Büffeln oder Pferden gezogen werden. Normale Allradfahrzeuge ohne spezielle Modifizierungen können die Strecke nicht bewältigen. Zum Beispiel brauchen die Fahrzeuge Spezialreifen, und an der hinteren Achse müssen Veränderungen vorgenommen werden, um ein besseres Drehmoment zu erhalten. Die Radaufhängung muß verstärkt werden, der Motor muß verändert werden und das Fahrzeug braucht eine Winde sowie Schutzbügel an den Seiten, um Schäden durch Äste oder andere Hindernisse zu vermeiden.
Dies war das erste Mal, daß ich an einer solchen Geländetour teilnahm, und Wanchai warnte mich, keine angenehme Kaffeefahrt zu erwarten. Und das war sie gewiß nicht. Es war eher eine Geduldsprobe, denn oftmals standen wir für längere Zeit still, wenn versackte Fahrzeuge aus Schlammlöchern befreit werden mußten.
„Wir alle haben Spaß an dem Schieben und Ziehen, dem Fahren durch Schlamm und Wasser, dem sich gegenseitigen Helfen und Warnungen über unsere Sprechfunkgeräte auszusenden“, sagte Wanchai, und erklärte, daß die Tourteilnehmer Funkgeräte benutzen, weil Mobiltelefone in den Wäldern nicht gut funktionieren.
Auf dem Wege zu dem Nationalpark hielten wir beim Khaeng Hang Maew Markt an, um uns mit Lebensmitteln, Eis, Getränken und anderen Notwendigkeiten einzudecken.
Wanchai’s Begleitfahrzeuge waren mit solch Dingen wie Seilen, Schaufeln und Äxten sowie Zeltausrüstungen, Küchengeräten, Wolldecken, Kissen und tragbaren Ventilatoren beladen.
„Wenn wir unser Ziel erreichen, stellen wir unsere Zelte auf und bereiten frisch gekochte Mahlzeiten zu, und dann unterhalten wir uns über die Fahrt“, sagte Wanchai, während wir in den Nam Tok Nam Pen Nationalpark hineinfuhren und die Parkranger informierten, wieviele Fahrzeuge und wieviele Menschen zu unserer Gesellschaft gehörten, und wieviele Tage wir in den Wäldern verbringen wollten.
Die Ranger überprüften unsere Fahrzeuge, bevor wir weiterfahren durften. Untauglichen Fahrzeugen wird die Fahrt zu dem Twin Madeau Camping-Platz untersagt. Ihnen erlaubt man nur, die Wasserfälle Samba, Nam Pen und E-Kaed zu besuchen, deren Anfahrtswege kürzer und nicht so schwer zu meistern sind, sagte Wanchai.
Pratuan Bongsri, der seit neun Jahren in dem Nationalpark Dienst tut, und zwei andere Funktionäre übernahmen die Spitze unserer Kolonne in einem modifizierten Pick-up. Die vier Kilometer bis zum E-Kaed Wasserfall waren bald zurückgelegt, aber bis zu unserem Ziel waren es noch weitere acht Kilometer.
Wanchai mußte sich auf das Steuern seines Toyota’s konzentrieren. Eigentlich konnte er nur mit einer Hand lenken, denn seine Linke war ständig mit dem Hebel der Gangschaltung beschäftigt. Mit dem Fuß mußte er dauernd die Kupplung bedienen, während das Chassis des Wagens schwere Stöße von dem Gerumpele über Felsbrocken und tiefe Löcher abfangen mußte.
Wanchai mußte das Fahrzeug oftmals beschleunigen, um nicht im Schlamm zu versinken, der nebenbei auch noch von den Rädern auf unsere Windschutzscheibe geschleudert wurde. Mehrere Male streiften große Äste unsere Fenster, und ich schloß meine Augen, weil ich befürchtete, daß der Schmutz und die Äste ins Wageninnere eindringen könnten. Und während wir uns unseren Weg durch das unfreundliche Gelände bahnten, wurden unsere Körper durcheinander geschüttelt wie in einer Achterbahn.
Auf halbem Wege gab es ein wenig Aufregung, als das Fahrzeug vor uns in einem Wasserloch landete, das etwa ein Meter tief war. Der Fahrer kletterte aus seinem Auto, befestigte das Kabel seiner Winde an einem Baum und zog sich dann langsam aus der Patsche.
Bei der Gelegenheit zeigte sich dann, wie wertvoll die Funksprechgeräte sind, denn damit konnten alle folgenden Fahrzeuge vor diesem tückischen Wasserloch gewarnt werden.
Als wir die Wagentüren öffneten, konnten wir den aufgewühlten Schlamm riechen, während gleichzeitig Bienen und Mücken hereinströmten.
Eines der Autos, ein rotes Jeep-ähnliches Fahrzeug, das von einem 68-jährigen ehemaligen Marineoffizier gefahren wurde, hatte keine Winde. Bei einer Kolonnenfahrt werden solche Fahrzeuge in die Mitte der Kolonne eingeordnet, sodaß ihnen notfalls andere Fahrer zu Hilfe kommen können, falls sie irgendwo stecken bleiben sollten.
In manchen Fahrzeugen fuhren ganze Familien einschließlich der Kinder, und eine Familie hatte sogar ihren Hund mitgebracht.
Für die 12 Kilometer lange Fahrt brauchten wir beinahe vier Stunden, denn wir konnten nie schneller als acht bis zehn Kilometer pro Stunde fahren, und mußten immer wieder anhalten, um festgefahrene Fahrzeuge wieder in Bewegung zu setzen.
In der Gegend soll es etwa 70 Elefanten geben, die in fünf Herden aufgeteilt sind, erzählte Pratuan. Gesehen haben wir keinen, aber ihre Exkremente waren ein deutliches Zeichen für ihre Anwesenheit.
Pratuan ist einer von neun Funktionären, die den 75.000 Rai großen Park überwachen. Er sagt, er komme regelmäßig mit Elefanten in Kontakt, wenn er nächtlichen Patrouillendienst hat.
„Ich prüfe den Zustand der Fahrzeugrouten, die zu den Wasserfällen und nach Twin Madeau führen. Ich nehme nur das Wichtigste mit auf den Weg - ein großes Tuch, das ich als Hängematte benutzen kann, etwas Reis und eine Büchse Sardinen“.
Wenn er seine Patrouillengänge macht, überprüft Pratuan auch den Zustand der Bäume. Inzwischen kennt er auch alle Vögel und Insekten, die in diesen Wäldern leben, und auch kleinere Kreaturen, wie den berühmten Bong Frosch, der wirklich eine Miniaturausgabe von Frosch ist, dessen Quaken aber so laut wie das Bellen eines Hundes ist.
Jegliche Art des Jagens sowie die Holzfällerei sind hier strengstens verboten (was natürlich nicht heißt, daß so etwas nicht vorkommt).
Obwohl Pratuan von den Elefanten noch niemals belästigt worden ist, war ich ganz froh, daß wir keinen dieser Dickhäuter begegnet sind. Es ist übrigens ratsam, in den Wälern keine Autohupe zu benutzen, denn deren Geräusch scheint wilde Elefanten in Angriffsstimmung zu versetzen.
Schließlich überquerten wir einen kleinen Bach und kamen dann an dem Camping-Platz mit den zwei riesigen Madeau Bäumen an. Wanchai suchte sich einen hoch gelegenen Platz aus, und wir halfen ihm, sein Zelt aufzubauen.
Eins nach dem anderen trudelten die anderen Autos ein, und jedes Team wählte einen geeigneten Platz, um ein Zelt aufzuschlagen.
Abgesehen von unserer Tour, kam noch eine andere, etwas kleinere Gruppe von Geländefahrern auf den Camping-Platz, die ein enorm großes Zelt aufschlug, sodaß alle zehn Teilnehmer darin untergebracht werden konnten.
Einer dieser Leute erzählte mir, sie seien Bedienstete der Staatsbahn, die sich schon seit einer kleinen Ewigkeit kennen, und die in ihren jüngeren Jahren lange Ausflüge mit Motorrädern zu unternehmen pflegten. Nun, da sie älter geworden sind, ginge es per Auto etwas leichter, sagte der Mann, und bot mir ein eiskaltes Bier an.
Derweilen hatten sich die Männer unserer Gruppe an einer Stelle versammelt, um ein paar Bierchen zu genießen, während die Frauen ihre Küchenutensilien auspackten und zu kochen begannen. Ich half Oaeng (Wanchai’s Frau), im Wald ein paar Krapao-Blätter für Ghang Pha (Schweinscurry) zu sammeln .
Unterdessen waren die Kinder zu dem kleinen Bach gegangen und planschten fröhlich darin umher. Und neben dem Gelächter der Kinder hörte man das seltsame ‘Bellen’ des Bong Frosches und das Singen der Vögel. Später sah ich ein lustiges Bild, als all die Frauen, in Sarongs eingewickelt und mit Handtüchern bewaffnet, im Gänsemarsch auf den Bach zusteuerten, um sich den Schmutz des Tages vom Leib zu waschen.
Als ich mich später in dem Bach wusch, konnte ich Elefantendung riechen, und ich fragte mich, ob da wohl eine Elefantenherde in der Nähe zum Trinken gekommen war. Das Wasser war jedenfalls angenehm kühl, und ich empfand es als eine Wohltat nach der langen und anstrengenden Tagesreise.
Wir begossen uns buchstäblich mit Insektenvertilgunsmittel, um zu verhindern, daß wir zu Mahlzeiten für die Mücken würden, und dann plauderten wir bis in den späten Abend hinein über die vielen Erlebnisse des Tages und wie jeder Einzelne die Schwierigkeiten der Fahrt überstanden hatte.
Ich war über den Komfort in meinem Zelt angenehm überrascht. Auf meinem Feldbett lag eine herrlich weiche Schaummatratze, auf der ich wunderbar schlief. Ein leichter Regen kühlte die Luft ab, und das Geräusch der Regentropfen wirkte wie ein Schlafmittel.
Um 7 Uhr morgens waren die meisten Leute schon wieder auf den Beinen, und als ich aus meinem Zelt hervorkroch, wurde mir gleich von drei Seiten Kaffe und Frühstück angeboten. Die Luft war frisch und sauber, und irgendwie schien sich das auf das Gemüt der Menschen auszuwirken. Alle waren entspannt und freundlich.
Als wir dann losfahren wollten, stellten wir fest, daß eines unserer Fahrzeuge ein Leck im Kühler hatte. Zum Glück waren einige unserer Leute erfahrene alte Hasen, die sich in solchen Situationen zu helfen wußten. Mit Klebstoff, Papier und über einem Feuer erhitzte Seife hatten sie im Handumdrehen das Loch im Kühler zugestopft, sodaß wir uns nach einer nur kurzen Verzögerung auf den Weg machen konnten.
Die Rückfahrt war etwas einfacher als die Anfahrt gewesen war, aber unterwegs wurden wir von einer anderen Offroad-Gruppe aufgehalten, weil eines ihrer Fahrzeuge eine schwere Panne erlitten hatte. Das Getriebe hatte den Geist aufgegeben, und das Fahrzeug blockierte den Weg. Unser Experte Sagae, ein ehemaliger Motormechaniker der Armee, versuchte zu helfen, aber das Fahrzeug ließ sich nicht vom Fleck bewegen. Wir setzten uns schließlich mit dem Hauptquartier des Nationalparks in Verbindung, um um Erlaubnis zu bitten, einen kleinen Umweg um das gestrandete Fahrzeug machen zu dürfen, denn wir waren gezwungen, den vorgeschriebenen Pfad zu verlassen, wenn wir vorankommen wollten.
Wir erhielten die Erlaubnis, aber durch den dichten Dschungel zu fahren, konnte man auch nicht gerade als Kinderspiel bezeichnen.
An einer Stelle kamen wir dann an einer großen abgeholzten Fläche an, auf der die Siedler der Umgebung Bananen angebaut hatten - für die Elefanten. Auf diese Weise halten sie die Dickhäuter nämlich von ihren eigenen Plantagen fern. Die Tiere finden das, was sie suchen, mitten im Wald und brauchen nicht mehr den Schutz der Wälder verlassen, um in die Plantagen der Farmer einzufallen, erklärte Pratuan.
Er fährt nun beinahe jede Woche mit einer Gruppe von Offroad-Enthusiasten in die Wildnis hinaus, so populär sind diese Ausflüge inzwischen geworden.
„Dabei habe ich Gelegenheit, zu beobachten, was sich im Dschungel tut, und das ist wichtig, um unsere Wälder in einem gesunden Zustand erhalten zu können“, sagte er.
Weitere Informationen können über die Webseite www.weekendhobby.com/offroad oder von Wanchai beim Great Hornbill Offroad Club eingeholt werden. Tel.: 01-902-9163.
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