Doi Inthanon, der höchste Berg Thailands
Auf dem Dach des Königreichs
Alle wollen den Doi Inthanon erklimmen; nur um sagen zu können, sie seien dort gewesen. Doch auf dem Weg zum Gipfel gibt es viele sehenswerte Überraschungen.
Für Naturliebhaber ist es ein Hochgenuss, den Doi Inthanon zu besteigen, der mit seinen 2.565 Metern die höchste Erhebung des Landes ist. Während die flachen Ebenen in der tropischen Sonne brüten, ist der Gipfel des Inthanon oft im Nebel verschwunden. Für manche Vögel und Pflanzenarten eine perfekte Umwelt.
Einige der schönsten Wasserfälle des Landes sowie ein Chedi-Paar, das dem König und der Königin gewidmet ist, stellen weitere Attraktionen dar. Das Beste ist vielleicht, dass das Gebiet bequem zu erreichen ist, seitdem eine gute, befestigte Strasse bis zum Gipfel führt.
Der Nationalpark Doi Inthanon wurde im Jahr 1972 als sechster Nationalpark des Landes eröffnet und bedeckt eine Fläche von fast 500 Quadratkilometern. Er befindet sich rund 65 Kilometer südlich von Chiang Mai. Die Reise bis zum Gipfel des Berges kann in ein paar Stunden bewältigt werden.
Man fährt zuerst auf der Landstrasse 108 von Chiang Mai südwärts bis nach Chom Thong. Nach Kilometer 57 biegt man rechts in die Landstrassse 1009. Von hier aus windet sich die Strasse weitere 55 Kilometer bis zum Gipfel.
Doch es gibt auf dem Weg so viele interessante Dinge zu sehen, dass es ratsam ist, sich für den Trip einen Tag Zeit zu nehmen oder sogar eine Nacht in einem Bungalow oder Zelt zu verbringen, um die Frische des Klimas in der Abend- und Morgendämmerung zu geniessen.
Die erste interessante Überraschung kommt bereits wenige Kilometer nach Verlassen der Hauptstrasse (Nr. 108), wenn nach einer Linkskurve fruchtbare Reisfelder und für die Gegend typische Dörfer auftauchen, bevor die Strasse zum Wasserfall Mae Ya aufsteigt, von dem man annimmt, dass er der höchste in Thailand ist. Obwohl es Zeit benötigt, die gewundenen 14 Kilometer zu bewältigen, ist es die Sache wert.
Die Wasserfälle kann man von allen Seiten besichtigen. Das Wasser ergiesst sich über eine Serie von Stufen rund 250 Meter tief in schattige Becken. Gut positionierte Picknicktische laden die Besucher zum Verweilen ein, doch da es noch viel mehr zu sehen gibt, ist es besser, sich auf den weiteren Weg nach oben zu begeben.
An einem Tempel teilt sich die Strasse. Zur Linken liegt der Wasserfall Mae Klang, einer der populärsten Erholungspunkte Nordthailands, weil er so leicht zu erreichen ist. Zahlreiche Buden bieten gebratene Hühnchen, Klebereis und Som Tam an. Obwohl die Fälle nicht hoch sind, bieten sie einen attraktiven Anblick, weil sie über riesige Granitblöcke stürzen.
Benutzt man die rechte Seite der Strassengabel, kommt man zum Haupteingang des Nationalparks und zum Besucherzentrum, wo Broschüren in Englisch erhältlich sind. Von hier aus führt die Strasse geradewegs zum Gipfel.
Nach Kilometer 20 gelangt man nach zwei Rechtskurven zum Wasserfall Vachirathan, der beeindruckendste aller Wasserfälle des Berges, mit einer langen Fahne aus Sprühregen. Die erste Kurve wurde erst kürzlich fertiggestellt und bietet den besten Blick von unten.
Vorher mussten die Besucher einen schlüpfrigen Pfad vom Kopfende des Falles herunter rutschen, wenn sie diesen Anblick geniessen wollten. Für ganz Mutige, die sich dem Fall noch mehr nähern und sich der Gischt aussetzen wollen, gibt es auch noch einen Fussweg. Wegen der konstanten Nässe ist der Wasserfall von glitzerndem Farn und bemoosten Steinen umgeben.
Obstplantagen und Blumenfelder
Der Inthanon ist die Heimat verschiedener Bergstämme, besonders Karen und Hmong. Von der Hauptstrasse führen schmutzige Wege zu ihren Dörfern. Ein königliches Projekt hat dazu geführt, dass sie heute Obstplantagen und Blumenfelder bewirtschaften, auf denen unter anderem Nelken wachsen. Das meiste davon wird auf den Märkten von Chiang Mai verkauft, doch Verkaufsstände in der Nähe des Gipfels bieten dem Besucher die Möglichkeit, in einen frisch gepflückten Apfel oder saftigen Pfirsich zu beissen.
Ab einer gewissen Höhe wechselt die Vegetation von Laubwald zu Immergrün. Pinien beherrschen das Bild, und die Zweige mancher Bäume sind bewachsen mit Farnen und Orchideen.
Die Liebhaber von Wasserfällen sind auf dem Inthanon gut bedient. Bei Kilometer 30 führt eine Rechtskurve zu den Siriphum-Fällen, Zwillingskaskaden, deren Name vom thailändischen Königspaar abgeleitet wurde. Von der Hauptstrasse sind sie zwar zu sehen, doch es benötigt einen kleinen Umweg von ein paar Kilometern, wenn man sie aus der Nähe betrachten möchte.
Bei der Hauptverwaltung des Parks, bei Kilometer 31, besteht die Möglichkeit, sich eine Holzkabine zu mieten. Beim morgendlichen Erwachen hört man nichts ausser dem Gesang unzähliger Vögel.
Links unterhalb der Hauptverwaltung befindet sich ein kleines Restaurant, das von Khun Daeng betrieben wird, einem fanatischen Vogelliebhaber, von dem man alle Informationen über die gefiederten Freunde erhalten kann, die im Bereich des Berges leben. Und das sind immerhin mehr als 380 verschiedene Arten.
Weiter bergauf, kurz hinter einem Checkpoint bei Kilometer 38, biegt die Landstrasse 1192 links ab. Sie führt an der Westseite des Berges hinunter zu der kleinen Stadt Mae Cham. Diese 24 Kilometer lange Strasse wird weniger benutzt als die Ostseite des Berges, doch sie bietet wunderschöne Ausblicke sowie eine Nebenstation des Nationalparks in der Ortschaft Huay Sai Luang.
Neben den dortigen Wasserfällen befindet sich ein Campingplatz, und ein interessanter Wanderweg durch dichten Wald führt zu den Wasserfällen Mae Pan, die im späten Nachmittagslicht am besten aussehen. Diese Route ist eine Alternative, wenn man auf dem gleichen Weg nach Chiang Mai zurückkehren möchte.
Die Strasse zum Gipfel des Doi Inthanon zweigt 10 Kilometer nach dem Checkpoint nach rechts ab. Doch jetzt wird der Aufstieg plötzlich steiler, und die Motoren müssen harte Arbeit leisten. Nach nur zwei Kilometern passiert man zwei enorme Chedis, die in einem abgeholzten Gebiet errichtet wurden. Hier bietet eine Kantine Erfrischungen an.
Die beiden Chedis mit den Namen Naphamethanidon und Naphabolbhumisiri wurden anlässlich der 60. Geburtstage des Königs (1987) und der Königin (1992) erbaut. Ihre ungewöhnlich spitz zulaufende Form gibt ihnen ein dramatisches Erscheinungbild, besonders dann, wenn sie in Nebel eingehüllt sind. In beiden befinden sich sorgfältig dekorierte Schreine, während aussen in Bretter geschnitzte Porträts klassische Thai-Szenen zeigen. An klaren Tagen hat man hier, in 2.280 Metern Höhe, einen der besten Ausblicke, die der Berg zu bieten hat.
Wilde Tiere sind die Ausnahme
An diesem Punkt der Reise parken Naturenthusiasten ihren Wagen und stürmen in die umliegenden Waldungen, in denen ein drei Kilometer langer schleifenförmiger Wanderweg zu einem Rundgang einlädt. Leider sieht man wilde Tiere nur äusserst selten, doch wenn man sich ruhig verhält, kann man doch ein Eichhörnchen erspähen, dass durch die Baumwipfel huscht, oder ein Schuppentier, das sich an den Untergrund drückt.
Eine andere attraktive Route für Wanderer ist der Aangka Naturpfad, kurz vor dem Gipfel auf der linken Seite gelegen, gegenüber einem weiteren Besucherzentrum. Steile Stufen führen direkt in ein Wunderland, in dem ein erhöhter Wanderweg über Sumpf und Torfmoos in einen Wald mit riesigen Bäumen führt, die mit Afterpflanzen und Moosen bedeckt sind. Der ewige feuchte Dunst um den Berg macht diesen Eindruck des Überangebots von Natur möglich. Dieses Gebiet ist ausserdem eines der besten zum Beobachten von Vögeln.
Ironischerweise ist die Ankunft auf dem höchsten Punkt Thailands für die meisten Besucher eine herbe Enttäuschung. Wegen dichten Nebels beträgt die Sichtweite zeitweise nur ein paar Meter. Das Bemerkenswerteste ist noch eine Radarstation, umgeben von einem hohen Stacheldrahtzaun, auf dem zu lesen ist, dass man hier nicht fotografieren darf.
Und es ist so viel kälter hier oben als unten in der Ebene (im Winter können die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken), dass viele Besucher nur eine Minute zittern, dann zurück in ihren Wagen springen und die ungastliche Stätte eilig verlassen.
Für diejenigen, die es etwas länger aushalten, gibt es eine Tafel, auf der geschrieben steht, dass man sich hier am höchsten Punkt der Nation befindet. Die Tafel bietet auch die willkommene Gelegenheit für ein Erinnerungsfoto.
Schrein des Königs Inthawichayanon
Dahinter befindet sich ein kleiner Schrein für König Inthawichayanon, nach dem (in verkürzter Form) Berg und Nationalpark benannt wurden. Er war der letzte Herrscher von Chiang Mai, bevor es dem damaligen Siam einverleibt wurde. Vor seinem Tode im Jahr 1897 forderte er, dass dieses einmalige Gebiet zum Nutzen der Allgemeinheit bewahrt werden solle. Nach den Hunderttausen- den von Besuchern zu urteilen, die alljährlich auf den Doi Inthanon kommen, war seine Forderung mehr als berechtigt.
Reisezeit: Der Doi Inthanon kann zu jeder Jahreszeit besucht werden, nur sollte man auf keinen Fall warme Kleidung vergessen, um sich vor der manchmal eisigen Kälte auf dem Gipfel zu schützen.
Unterkünfte: Wegen der Beliebtheit des Parks sind die Bungalows bei der Hauptverwaltung oft völlig ausgebucht, besonders an Feiertagen. Für Reservierungen ruft man am besten die Abteilung Nationalpark der Forstverwaltung in Bangkok unter der Nummer (02) 579-0592 oder 579-4842 an.
Eintrittspreise: Pro Wagen werden 30 Baht verlangt, für ein Fahrrad oder Motorrad 10 Baht. Ausserdem zahlen Erwachsene 20 und Kinder 10 Baht, ausländische Touristen mehr.
Rundfahrten: Es ist möglich, mit einem Bus oder Songthaew vom Chiang Mai Gate in Chiang Mai nach Chom Thong zu fahren und von dort mit einem anderen Songthaew auf den Gipfel des Doi Inthanon. Die meisten Reiseunternehmen in Chiang Mai bieten ebenfalls begleitete Tagestouren auf den Berg an. Doch wer den Doi Inthanon richtig geniessen möchte, sollte die Tour auf eigene Faust und unabhängig unternehmen. Motorräder, Autos und Jeeps werden von zahlreichen Agenturen in Chiang Mai angeboten. |