Golf spielen rund um Pattaya
Ein Paradies, das kaum einer kennt
“Ich wusste nicht, dass dies hier ein Paradies für Golfer ist”, lobt Raimund Frieser die Region Pattaya. In München hatte der 32jährige seinen zweiwöchigen Aufenthalt an der thailändischen Ostküste gebucht. Farbenfrohe Prospekte des Reiseveranstalters hatten ihn für das breite Wassersportangebot, für Restaurants mit exzellenter Küche und das ausschweifende Nachtleben des Badeortes begeistert. Als der Bayer im Flugzeug Richtung Bangkok düste, glaubte er sein Hobby für die Zeit des Urlaubs vergessen zu müssen. Doch auf Raimund Frieser warteten Golfferien, die er so schnell nicht vergessen wird.
Am ersten Abend lernte der Münchener an der Bar seines Hotels einen Engländer kennen, der sich als Anhänger des kleinen weissen Balles zu erkennen gab. Schon bald drehte sich das Gespräch um Bogies, Birdies, Par, Fairway, Holes und Putten. Der Bayer kam aus dem Staunen nicht heraus, als sein neuer Bekannter ihm von den grosszügig angelegten Golfplätzen an der Ostküste erzählte. Schon am nächsten Mittag schlug der 32jährige seinen ersten Ball. Bis zum Rückflug stand der “Golfverrückte” mehr auf den Greens als am Strand von Pattaya.
In Thailand, besonders an der Ostküste, ist in den letzten Jahren ein neues Eldorado für Golfer entstanden. Weitere 80 Anlagen sind derzeit in der Planung oder im Bau. In wenigen Jahren werden Thais und Ausländer landesweit auf mindestens 150 Plätzen ihrem Hobby nachgehen können. Golfplatzarchitekten aus aller Welt entwickeln die Projekte und schaffen Anlagen, die weltweit keinen Vergleich zu scheuen brauchen und auf denen jede Meisterschaft ausgetragen werden könnte. Allein in der Region Pattaya, höchstens eine Autostunde vom Badeort entfernt, warten 18 Anlagen auf Spieler - nicht mitgerechnet kleine hoteleigene Plätze sowie Driving Ranges im japanischen Stadionstil oder Trainingsplätze wie an der Thepprasit-Road.
Laem Chabang trägt die Handschrift Jack Nicklaus’, Eastern Star hat Robert Trent Jones jr. entworfen, Gary Player wirkte bei Sri Racha International, und die beiden Australier Peter Thompson und Michael Wolveridge schufen in Rayong Green Valley. Panya Resort und Panya Hills, beide von Ronald Fream bei Sri Racha entwickelt, verfügen sogar über Flutlicht, so dass bei Einbruch der Dunkelheit keine Runde abgebrochen werden muss.
Thailands Golfplätze haben andere Dimensionen als die meisten europäischen. Der zu Pattaya am nächsten gelegene Siam Country Club entstand auf einem 700 Rai (112 Hektar) grossen Gelände, die wohl grösste Anlage ist mit 4.500 Rai (720 Hektar) Noble Place an der Highway 331 in Richtung Chacheonsao. Wer die Strasse verlässt und das Eingangstor mit Security passiert hat, erreicht erst nach 4,5 Kilometern das Klubhaus.
Die beiden schönsten Anlagen sind auch sportlich besonders empfehlenswert: Panya Golf Resort und Bang Phra Golf Resort. In der von landschaftlich reizvollen Hügeln umgebenen Bang-Phra-Anlage liegt ein Hotel direkt am ersten Abschlag. Phuata Luang, ein Platz 40 Kilometer ausserhalb Pattayas, ist preiswert, aber insgesamt durchschnittlich. Ganz im Gegenteil dazu Laem Chabang, eine 27-Loch-Anlage mit höchstem Anspruch und einem Fünf-Sterne-Hotel auf dem Gelände. Die Clubnamen verraten meist die Herkunft des Planungsstifts: Aus den USA stammt die Idee “Resort-Golf”, wo neben dem Spielbetrieb mit dem Grundstücksverkauf rund um die Anlage verdient wird.
Touristen loben neben dem hohen Standard der Plätze und dem vorzüglichen Service vor allem das niedrige Preisniveau. Werktags beträgt die Gebühr pro Spiel zwischen 350 (Green Valley) und 1.150 Baht (Siam Country Club). Darin enthalten sind Green Fee und Caddy Fee. Im Gegensatz zu Europa, wo das Personal zu teuer käme und deshalb fehlt, muss der Golfspieler einen Caddy mit auf die Runde nehmen. Bei den hohen Temperaturen in diesem tropischen Land wahrlich eine Erleichterung. Eine thailändische Spezialität: Die Caddys sind allesamt Frauen und ziehen wegen der Sonne zumeist völlig vermummt über den Platz.
Wer in einem Club Mitglied werden möchte, muss sich einkaufen. Die dann lebenslange Mitgliedschaft bei gebührenfreiem Spiel kostet im Siam Country Club 150.000 Baht, im privaten Club Burapha müssen 1,3 Millionen Baht hingeblättert werden. Die Mitgliedschaft gilt als Anteil, der jederzeit mit Gewinn oder Verlust - wie bei einer Aktie - veräussert werden kann. Und wie die Golf-Aktien stehen, können die Anleger in der “Bangkok Post” nachlesen. Diese englischsprachige Tageszeitung bietet zudem einen praktischen Sonderservice: Abschlagzeiten bei einem guten Dutzend Golfplätzen mit Telefonnummern. So kann jeder am Sonnabend morgen via Zeitung seine Tee-off-time reservieren.
Den Golfern, die das erstemal in Pattaya sind und nach einer Anlage suchen, helfen die grossen Hotels oder die Tourismusbehörde (Telefon 429.113). Mit Ausnahme der beiden privaten Anlagen “Treasure Hill” und “Burapha” können Touristen (ohne Handicapausweis) und Residenten auf allen Golfplätzen an der Ostküste abschlagen. Wer den Alleingang scheut und nach Transport, Begleitung und vor allem Mitspielern sucht, kann sich in Pattaya zum Beispiel an die “Siam Golf Academy” an der 192 Moo Soi Foodland (Tel.: 603.004, 428.210, 238.291) oder an das “Diana Group Golf Centre” an der Second-Road (Tel.: 429.675, 411.667) wenden.
Die Diana-Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, eines der “bestgehütesten Golf-Geheimnisse” (Eigenwerbung) weltweit auszuplaudern. Das Unternehmen bietet Touristen und Residenten Golf-Touren und Golf-Ferienpakete ab Flugplatz Bangkok an. Es vermittelt Hotels, sorgt für den Transport und bringt seine Kunden zu den verschiedenen Plätzen.
Organisiert werden die Golffahrten von John Cole, dem ehemaligen Sekretär des “Pattaya Sports Club”. In den Rund-um-Paketen enthalten ist die gesamte Golferausrüstung, von den Schuhen über Schläger bis hin zum Sonnenschirm. Dafür müssen, einschliesslich Green Fee und Caddy Fee, im Schnitt 1.000 Baht pro Spiel gezahlt werden. Mitglieder im “Pattaya Sports Club” zahlen erheblich weniger. Die meisten Kunden favorisieren den nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Siam Country Club, einen der ältesten an der Ostküste. Bei Golfern immer beliebter wird die Anlage in Laem Chabang, auch deshalb, weil dort für Anfänger ein Trainer zur Verfügung steht und das dortige Management einen kostenlosen Transport anbietet. Täglich um 8 und 10 hält ein Bus vor dem Diana Inn-Hotel, gegen 14 und 16 Uhr kehren die Spieler nach Pattaya zurück.
Es sind vor allem Engländer und Australier, die die Dienste des Golf-Zentrums in Anspruch nehmen. Begleitet werden sie von Prasarn Boonsiri, der für die reibungslose Abwicklung vor Ort sorgt und, wenn Mitspieler fehlen, mit auf die etwa sieben Kilometer lange Runde geht. John Cole steht derzeit in Verhandlung mit einer Reiseagentur in Deutschland, die Golfern auf verschiedenen Kontinenten Touren anbietet. Auf der Golfer-Weltkarte soll Pattaya künftig einen festen Platz einnehmen. Der Manager plädiert auch deshalb an die Tourismusbranche und an die “Tourism Authority of Thailand” (TAT), im Ausland Pattaya als Golferparadies bekannt zu machen. “Die Eastern Seeboard hat die besten Golfplätze der Welt, doch kaum einer weiss es”, bedauert John Cole.
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