Myanmar aktuell: Was wird aus dem Tourismus in Myanmar ?
Volker Klinkmüller / go asia-Initiave
Das ursprünglichste Reiseziel Südostasiens bangt um die letzten Besucher
Im vergangenen Herbst hatte sich die Frage schon einmal gestellt: Sollte man als Urlauber das Reiseziel Myanmar meiden - oder sogar ganz bewusst Flagge zeigen?
Der große Einbruch der Besucherzahlen in den vergangenen Monaten hatte da eine eindeutige Sprache gesprochen. Doch was als Abstrafen des Regimes für die Niederschlagung des Volksaufstands der Mönche gedacht gewesen sein mag, hat in Wirklichkeit die in vielfältiger Weise vom Tourismus lebenden Einheimischen getroffen. Nun hat die Militär-Junta einmal mehr ihr menschenverachtendes Antlitz gezeigt, indem sie etlichen Helfern und Hilfsgütern den Zugang zum Land verweigert und kaltschnäuzig an ihrem (Schein)Referendum festgehalten hat. Dazu kommen die schrecklichen Bilder von den schlimmen Folgen der Naturkatastrophe oder Schlagzeilen über die Gefahr von Seuchen. Wer bitte sollte denn angesichts solcher Impressionen nun überhaupt noch dorthin reisen wollen?
Betroffene Gebiete keine wichtigen Touristenziele
Gewiss fällt es schwer, angesichts von wahrscheinlich bis zu 100.000 Toten, mehreren hunderttausend Obdachlosen und unglaublichen Verwüstungen über die touristische Zukunft des Landes zu spekulieren…. Doch für die Menschen im ehemaligen Birma (oder Burma) könnte das längerfristige, endgültige Ausbleiben von Besuchern letzten Endes gleichbedeutend sein mit dem Ausbleiben von Hilfsleistungen. Das erscheint umso tragischer, als es die mit Abstand wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten des Landes überhaupt nicht getroffen hat, was zudem auch für die beliebten Urlauberstrände Ngapali und Ngwe Saung gilt.
Der vom Zyklon „Nargis“ zerstörte Teil des Ayeyarwady-Deltas ist bisher so gut wie nicht von Urlaubern bereist worden, sondern allenfalls der Hauptort Pathein, von wo keine Verwüstungen gemeldet wurden. Auch der Süden des Landes - ein schmaler Küstenstreifen mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Goldenen Felsens von Kyaikhtiyo, den Höhlen-Heiligtümern von Hpa-an oder das von kolonialem Charme geprägte Mawlamyaing - lag bisher abseits der gängigen Touristenroute, könnte aber in absehbarer Zeit dennoch wieder bereisbar sein.
„Die Kunden haben zwar nicht begeistert, aber erfreulich besonnen auf unsere informativen Rundmails zur Naturkatastrophe reagiert“, bilanziert Christian Mosebach von Myanmar-Reisen. Seine vier Reisegruppen, die sich gerade im Land befänden, würden ihr Programm sogar wie geplant fortsetzen. Mit großartigen Neubuchungen in den nächsten Wochen und Monaten rechnet der Hamburger Asienspezialist allerdings nicht, doch zur Hochsaison im November erhofft er sich eine „weitgehende Normalisierung“ des Buchungsverhaltens. „Leider wird in vielen Berichten der Eindruck erweckt, dass das ganze Land in Schutt und Asche liegt“, beklagt Mosebach. Doch das Ayeyarwady-Delta als Hauptgebiet der Katastrophe sei ja zum Beispiel nur etwa zweimal so groß wie das Saarland – und ganz Myanmar im übrigen doppelt so groß wie Deutschland. Zudem sei teilweise verbreitet worden, dass dort rund 24 der insgesamt um die 55 Millionen Burmesen leben würden. In Wirklichkeit ist es mit sechs Millionen jedoch nur ein Bruchteil davon.
Kreuzfahrtschiffe fungieren als Hilfskreuzer
Derzeit ist Mosebach vor allem damit beschäftigt, die Reisen von Journalisten zu ermöglichen und Spendengelder zu kanalisieren, die etliche Anrufer in Aussicht stellen. Gefragt seien dabei vor allem private Projekte, da das Geld nicht in die Hände der Militärjunta gelangen soll. So wird zum Beispiel der luxuriöse, nostalgische Flusskreuzer „RV Pandaw IV“, der sonst mit Touristen auf dem Ayeyarwady zwischen dem historischen Pagodenfeld von Bagan und der ehemaligen Königsstadt Mandalay verkehrt, nun mit Helfern und Hilfsgütern aus Großbritannien in das Katastrophengebiet auslaufen (mehr Infos im Internet unter www.pandaw.com oder www.merlin.org.uk). Des Weiteren wohl auch bald die „RV Pandaw II“, sobald die routinemäßigen Wartungsarbeiten an ihrem Antrieb abgeschlossen worden sind. Die beliebten, derzeit in Yangon liegenden Kreuzfahrtschiffe „Pandaw 1947“ und „Road to Mandalay“ hingegen wurden vom Wirbelsturm offenbar so schwer beschädigt, dass sie derzeit noch nicht für derartige Einsätze als Hilfskreuzer verfügbar sind.
Unterdessen scheinen die Aufräumarbeiten in Yangon (hier gab es vorwiegend entwurzelte Baumriesen und abgedeckte Dächer sowie Überschwemmungen) zügig voranzugehen und die Wasserleitungen vielerorts wieder zu funktionieren. Die größten Hotels der Innenstadt - wie das „Summit“, „Traders“ oder „Inya Lake“ - verfügen bereits wieder über eine öffentliche Stromversorgung, einige auch schon über den gewohnten Internet-Anschluss. Manches Hotel vermeldet sogar Vollbelegung, da dort vorübergehend Sturm-Geschädigte eingezogen sind, die es sich finanziell leisten können… Die Fluggesellschaften waren bereits am 5. Mai zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Auch die vom Zyklon beschädigte, legendäre Shwedagon-Pagode - wichtigste Sehenswürdigkeit der ehemaligen Hauptstadt Yangon und Wahrzeichen des ganzen Landes - ist inzwischen wieder für Besucher geöffnet worden.
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Myanmar aktuell: Schwere Verwüstungen durch Wirbelsturm Nargis
Von Volker Klinkmüller
Militärjunta blockiert Helfer - Touristische Infrastruktur weitgehend intakt
Der verheerende Wirbelsturm, der am vergangenen Wochenende weite Regionen von Myanmar (auch Burma oder Birma) verwüstet hat, könnte nach vorläufigen Schätzungen weit mehr als die bisher prognostizierten 22.000 Menschen in den Tod gerissen haben - zumal nach offiziellen Angaben noch um die 41.000 vermisst werden. Er war im Golf von Bengalen (Indischer Ozean) aufgezogen und im Delta des Ayeyarwady auf das Land getroffen. Mit seinen Böen erreichte „Nargis“ Spitzengeschwindigkeiten um die 200 Stundenkilometer, um im benachbarten Thailand wieder abzuklingen.
Eigentlich gilt das Auftreten von Wirbelstürmen während der Regenzeit in Südostasien als „normale“ Naturkatastrophe, doch sind davon bisher vor allem immer Bangladesch, Vietnam oder Taiwan betroffen gewesen. In Myanmar hat der Zyklon fünf Regionen so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass sie zu Katastrophengebieten erklärt werden mussten: Neben der Metropole Yangon und der Irrawaddy-Division (das Delta im Süden von Yangon) handelt es sich um Bago sowie die südlichen Bundesstaaten der Mon und Karen.
Harsche Kritik an der Militärregierung
Nach UN-Angaben könnte der Tropensturm mehrere 100.000 Menschen obdachlos gemacht hat. Er entwurzelte Bäume, brach Verkehrsampeln, Telefonmasten und Werbetafeln, deckte Dächer ab und ließ im größten Hafen des südostasiatischen Landes sieben Schiffe sinken. In weiten Teilen des Landes sind Stromversorgung und Telefonnetz zusammen gebrochen, so dass Einzelheiten aus den abgelegenen Gebieten erst nach und nach bekannt werden. Die Armee, Polizei und Feuerwehr des Landes sind im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen.
Zudem sind umfangreiche, internationale Hilfslieferungen angelaufen, die sich vorerst auf die Verteilung von Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Decken, Kleidung und Plastikfolien zur Abdichtung beschädigter Dächer konzentriert. Zudem sind etliche Spendenzusagen eingegangen. Harsch kritisiert wird jedoch bereits das Krisenmanagement der Militärregierung, die sich in den betroffenen Gebieten offensichtlich die Kontrolle über die Aktivitäten sichern will - und die Einreise von Helfern blockiert. Zudem scheint sich der ungeheuerliche Vorwurf zu bewahrheiten, dass die burmesische Regierung schon 48 Stunden vor dem Wirbelsturm von indischen Behörden vorgewarnt worden sein soll, ohne diese rettenden Informationen an die Bevölkerung weitergegeben zu haben.
Die wichtigsten Touristenziele sind weiterhin bereisbar
Trotz der bedrückenden Bilder ist kaum davon auszugehen, dass die Naturkatastrophe nachhaltige Auswirkungen auf die touristische Infrastruktur gehabt hat. Zwar ist die Region des Goldenen Felsens von Kyaikhtiyo – ein beliebtest Pilger- und Touristenziel im Süden des Landes – stark zerstört worden. Doch die bedeutendsten Reiseziele wie Bagan mit seinem historischen Pagodenfeld, Mandalay als landesweit zweitgrößte Stadt und spirituelles Herz oder der Inle-See als amphibische Märchenlandschaft sind nicht vom Wirbelsturm betroffen gewesen – und können ohne Behinderungen bereist werden. Auch der im Westen liegende, mit seinen zahlreichen neuen Strand-Resorts bei Bade-Urlaubern beliebte Ngapali-Beach soll den Wirbelsturm unbeschadet überstanden haben.
Der Flughafen von Yangon war wegen Ausfall der Radaranlagen zeitweilig geschlossen. Doch nachdem bereits am Sonntag Nachmittag wieder erste Maschinen gestartet und gelandet waren, hat sich der Flugverkehr inzwischen normalisiert. Touristische Programme in der Fünf-Millionen-Metropole sind weiterhin möglich, auch wenn ggf. Einschränkungen bei der Strom- oder Wasserversorgung hingenommen werden müssen und die Stadt durch den Verlust unzähliger, stattlichen Straßenbäume etwas „gerupft“ wirkt.
Deutsche Reiseveranstalter und ihre Agenturen vor Ort hoffen, dass die Medien sich in einer möglichst verantwortungsvollen Berichterstattung üben werden. Denn nach der brutalen Niederschlagung von Demonstrationen durch die Militär-Junta im Herbst letzten Jahres leidet die bitterarme Bevölkerung sowieso schon unter einem empfindlichen Schwund an ausländischen Touristen, der etliche Familien in eine Existenzkrise gestürzt hat. So fragt es sich, ob den Menschen vor Ort mit übertriebenen Schlagzeilen wie „Zyklon zerstört Birma“ geholfen ist, mit denen zum Beispiel die „Süddeutsche Zeitung“ ihre Ausgabe vom 6. Mai aufgemacht hat.
Dass die Regierung für den nächsten Samstag angesetzte Verfassungs-Referendum trotz der Naturkatastrophe durchführen lassen will, scheint einmal mehr für die Menschenverachtung der Generäle zu sprechen. Es ist dafür gedacht, den Weg für Parlamentswahlen im Jahr 2010 frei zu machen, wird aber von Kritikern sowieso als Schein-Referendum bezeichnet, da die Militärjunta im Endeffekt nicht bereit scheint, ihre Macht abzugeben. (VK)
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