Mit der Sonne im Tank um die Welt
Am 25. Oktober ist das weltgrößte, nur mit Sonnenenergie betriebene Schiff „MS Turanor PlanetSolar“ im Hafen Ao Po Grand Marina auf Phuket eingelaufen. Auf seiner Weltumrundung hat der Katamaran der Superlative mit drei Schweizern und zwei Deutschen als Crew bereits Dreiviertel der Strecke zurückgelegt und einen Weltrekord nach dem anderen gebrochen. Die Energie liefert ein futuristisches 540- Quadratmeter-Deck mit Solarmodulen. Die Sonne im Tank und eine saubere Zukunft im Visier.
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Eine Mission wie einst Charles Lindbergh
Solarschiff Tûranor PlanetSolar in Phuket auf Weltrekordkurs
Der Ao Po Marina-Yachthafen im Nordosten der Ferieninsel Phuket ist das, was man als Stelldichein der Multimillionäre bezeichnen kann. Die etwa 100 schnittigen Schiffe, die hier in den Wellen schaukeln, sind hunderte von Millionen Euro wert. Es scheint fast so, als habe sich der Besucher nach Monaco oder in die italienische Hafenstadt Portofino verirrt. - An diesem 25. Oktober 2011 hasten die meisten Menschen auf dem langen Pier vorbei und würdigen die Superyachten kaum eines Bli-ckes. Ein anderes Boot stiehlt den blankgeputzten Schiffen die Schau. Es ist die MS Tûranor PlanetSolar, ein Katamaran, den es in dieser Form noch nie gegeben hat.
Passagierverkehr mit Sonnenantrieb
Die Ähnlichkeit mit dem Raumschiff Enterprise täuscht. Auch wenn der Hightech-Faktor an Bord der schweizerisch-deutschen Koproduktion verblüffend ist, allein die Größe der Tûranor lässt nicht erahnen, welch große Ziele die Mannschaft verfolgt. Der Schweizer Abenteurer Rafaël Domjan will mit seiner fünfköpfigen Crew beweisen, dass man im Passagierschiffsverkehr auf Solarenergie umsteigen kann. Einmal um die Welt, lautet die ehrgeizige Zielsetzung.
Die Idee und der bisherige Reiseverlauf sind so faszinierend, dass sich die Schweizer Botschafterin Christine Schraner Burgener selbst ein Bild in Phuket machen wollte. Für die charmante Diplomatin ist es nicht nur eidgenössische Solidarität, dass sie sich mit vielen Ehrengästen um die Tûranor PlanetSolar drängt. „Man kann diese Mission durchaus mit dem ersten Flug von Charles Lindbergh vergleichen“, sagt sie bei ihrer Festansprache. „Es ist eines der großen Abenteuer unserer Zeit.“
Thailands stellvertretender Außenminister Navin Bunsate hat Frau und Sohn mitgebracht. Vor allem der 16-Jährige macht große Augen, als Kapitän Erwann Le Rouzic und Rafaël Domjan bei der Schiffsführung geduldig über alle Details Auskunft geben. Keiner kann sich der Faszination entziehen. Auch nicht Phukets Vize-Gouverneur Somikat Sungkaosutirak und Navy-Kommandeur Admiral Narudom Panjaruen.
13 Millionen Euro für Bau und Entwicklung
Am 25. Februar 2010 ist das weltgrößte, nur mit Sonnenenergie betriebene Schiff “PlanetSolar” im norddeutschen Kiel vom Stapel gelaufen. An dem Projekt hat sich auch das Eidgenössische Departement des Äußeren EDA mit 300.000 Franken beteiligt. Bau und Entwicklung kosteten mehr als 13 Millionen Euro.
Nicht verschwiegen werden darf der Mann, ohne den die Umsetzung niemals möglich gewesen wäre: der Darmstädter Unternehmer Immo Ströher. Er ist in namhaften Solarfirmen, wie der Berliner Solon AG, engagiert und fördert seit Jahren innovative Ideen für den Einsatz erneuerbarer Energien. Seine Schweizer Rivendell Holding AG finanzierte den kompletten Bau des Bootes.
Vier hocheffiziente Elektromotoren - je zwei pro Antriebswelle - leisten bis zu 176 Kilowatt (239 PS), verbrauchen aber im Idealfall bei Marschfahrt nur rund 20 Kilowattstunden. So ist auch nachts und bei bedecktem Himmel das Fortkommen garantiert, denn die Batterien neuester Lithium-Ionen-Technik speichern bis zu 1,3 Megawatt Solarenergie. Die Zellen wiegen nur 11,7 Tonnen. Autobatterien mit gleicher Leistung das Siebenfache.
Kapitän Erwann Le Rouzic hat auf dem Katamaran eine weitere wichtige Aufgabe. Auf einem Computermonitor registriert er akribisch jede Wetterbewegung, jede Wolke und Strömung und erstellt die Prognosen für die Fahrziele. Bisher hatte die Tûranor PlanetSolar meistens Glück und genug Sonne, um die Module aufzuladen.
Monsun stoppte das Boot vier Tage lang
In Vietnam geriet die Crew allerdings am 7. September in die Bredouille. Wegen der Monsunstürme musste Le Rouzic einen viertägigen Not-Stopp im Mekong-Delta vor Saigon verordnen. Ohne Solarstrom ginge an Bord nichts mehr. Deshalb behält der Kapitän rund um die Uhr die Kapazität der Batterien im Kopf. Die Sonne und die Solarmodule bestimmen das Tempo und den Kurs.
Der direkte Antrieb des Katamarans ist ebenfalls eine Besonderheit. Er besteht aus zwei Karbon-Propellern, die doppelt so groß sind wie für diese Schiffsgröße üblich. Die Naben sind in Höhe der Wasseroberfläche montiert und drehen sich vergleichsweise langsam - der rechte links herum und der linke rechts herum. Die Karbonflügel haben einen Durchmesser von zwei Metern.
„Ja, es ist teuer, aber teurer, nichts zu tun“
Die Vision für die Tûranor PlanetSolar stammte zwar von Raphaël Domjan, dem Bergführer aus Neuchâtel. Vor allem aber steht das Projekt im Dienst der Umwelt. Durch die Erdumrundung unter Verzicht auf konventionelle Energie soll die Nutzung der Solarkraft in den Blickpunkt gerückt werden. Kritikern, die den hohen Kostenanteil anführen, antwortet Domjan: „Wir tragen eine Botschaft in die Welt hinaus. Ja, es ist teuer, aber es ist teurer, nichts zu tun.“
Auch in Thailand ist das Interesse für Solarenergie erwacht. Die Firma South Pole Carbon (www.southpolecarbon.com) hat sich am Sponsoring beteiligt. Seit vier Jahren ist die Firma am rapide wachsenden Markt erneuerbarer Energien beteiligt. Dass gerade ein so sonnenintensives Land wie Thailand enorme Zukunftschancen besitzt, veranschaulichte der Besuch der Tûranor PlanetSolar. Erholt und mit vollen Sonnentanks machte sich das Team auf zur Überfahrt nach Sri Lanka.
Sam Gruber
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