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Letzte Aktualisierung: 18.10.2011
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Erosion! Wenn das Traumhaus abwandert

Fluten, Sturm, Raubbau durch Menschenhand: Samuis Struktur leidet

Villenbau mit sensationeller Aussicht am Steilhang in Bang Por. Dieser Bauherr plant zumindest mit einer Stützmauer. Rudolfo M. (53) lebt seit 30 Jahren auf Koh Samui. Der Italiener fiel Anfang Oktober 2011 aus allen Wolken, als er im Pickup des FARANG-Redakteurs seine Trauminsel als Zeitzeuge inspizierte. In Choeng Mong, Plai Laem, Bang Por, auch in den Hügeln über Chaweng und Lamai – schwindelerregend haben sich Betonstraßen hinauf gefressen und als Folge riesige Siedlungen nach sich gezogen. Der Bauboom kommt mit einem Preis. Mancherorts befinden sich ganze Hänge auf Wanderschaft. ‚Erosion‘ heißt der Fachbegriff, was frei interpretiert bedeutet, dass die Natur zurückschlägt und sich der unnatürlichen Substanz entledigt.

Keiner nimmt die Naturwarnung ernst

Bei Wikipedia steht es in einem Satz: Bodenerosion ist durch Wasser oder Wind ausgelöste und durch unsachgemäße menschliche Bewirtschaftung (Entfernung der schützenden Vegetation durch Abholzung) verursachte übermäßige Abtragung von Böden, die zu Bodenverarmung bis hin zu Bodenzerstörung führen kann. Im Gegensatz zum geologischen Verständnis der Erosion bezeichnet die Bodenerosion auch flächenhafte Abtragung… Soweit die Fachterminologie.

Es ist kaum anzunehmen, dass die Immobilien-Industriellen Koh Samuis oder die Verantwortlichen der Inselverwaltung Tesaban diesen Satz gelesen oder ernst genommen haben. Wie sonst erklärt sich der ungebremste Run auf den Hang, die fast manische Vision, den spektakulärsten aller Blicke über die Traumkulisse des Meeres zu erzwingen? Rechtfertigt die Aussicht auf die Aussicht und den schnellen Reibach alles? Wo bleiben Sachverstand und statische Seriosität?

Immer höher und immer steiler winden sich manche Betonstrecken die Berge hinauf. Selbst geübten Fahrern stockt der Atem, wenn sich ihr Gefährt im ersten Gang hinauf quält. Die Soi 1 in Bang Por ist nur ein Beispiel für derartige bauliche Höhenflüge. Am Steilhang beträgt die Steigung beinahe 40 Prozent. Am Rande stehen einige fertige Häuser. Andere sind über die Rohbauphase nicht hinausgekommen.

Wer genug Geld besitzt, kann mit stabiler Bauweise, Hangabsicherungen und Expertenrat das eigene Risiko minimieren. Viele der Häuser sehen nicht so aus, als wenn ihre Besitzer diese Kriterien erfüllt hätten. Der weite Blick über die kilometerweit wuchernden Bebauungen lässt hier Unbehagen aufkommen.

Neue Verbindungsstraße zwischen Lamai und Maenam: Erosionen haben ganze Abschnitte mit sich gerissen. Absicherungen kaum vorhanden

Die Monsune der letzten Jahre haben Samuis Bergwelt tiefe Narben zugefügt. Auf Hunderten von Metern haben sich Gebirgshänge nach unten gewälzt. Selbst vom Strand aus kann man die hässlichen Breschen mit bloßem Auge erkennen. Besserung ist nicht in Sicht. Der Monsun 2011 steht vor der Tür, und frühe Herbststürme haben schon im September weiter an der Substanz der Insel gezerrt.

Sicherheitsmaßnahmen wie in der Schweiz, Österreich oder Italien kann sich Koh Samui nicht leisten. Es fehlt außerdem an einer Bestandsaufnahme, wieweit die Schäden gediehen sind. Am 29. März 2011 war nach tagelangen Sintfluten der Hang hinter dem Big Rock Felsen vor Lamai in Bewegung geraten. Tonnenschwere Gesteinsbrocken blockierten danach die wichtige Verbindung nach Chaweng. Von Stahlnetzen oder anderen Sicherungen ist bis heute nichts zu sehen.

Die Betonitis in Samuis Bergwelt hat hingegen weiter Konjunktur. Das Kalkül, damit noch mehr erschlossenes Land für Immobiliendeals herauszupressen, sitzt in den Köpfen fest, auch wenn es keiner zugeben will. Die erst im März vollendete atemberaubende Gebirgsstraße zwischen Lamai und Maenam legt Zeugnis ab für rasantes Unternehmertum ohne Augenmaß. Auch wenn die Hauptstrecke den Fluten des März 2011 getrotzt hat, ist die Erosion an einigen Gefälleabschnitten alarmierend. Hänge sind freigeschwemmt, hässliche Krater klaffen, die darunterliegende Straße hat so nur einen überschaubaren Halbzeitwert.

Rudolfo M., der Auswanderer, der mehr als die Hälfte seines Lebens auf Koh Samui verbracht hat, ist entsetzt. Er hat wie viele jahrelang nur auf den Strand geschaut und nicht auf die Substanz der Insel. Wer in Abschnitten wie diesen ein Haus gebaut hat, sollte sich schnellstens einen Statiker bestellen, denkt er. Der Monsun im Herbst 2011 wird kommen und er wird ein leichtes Spiel haben. Beton beim Bau und Beton in den Köpfen. Die Menschen schaffen sich ihre größten Probleme selbst..

Sam Gruber


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