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Letzte Aktualisierung: 24.09.2011
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Vogelgrippe macht Comeback in Asien

Neues Virus ist resistent gegen Impfstoff

Dicht an dicht - Hühner und Enten werden in Kambodscha zum Schlachter gefahren. Es ist ruhig geworden um die Vogelgrippe. Fast so, als hätte es diese aviatische Epidemie, die auch eine Gefahr für Menschen darstellt, nie gegeben. Die Ruhe war trügerisch. Die Vogelgrippe ist wieder da. In den Ländern Asiens und darüber hinaus kommt es auf den riesigen Geflügelfarmen wieder zu Infektionen des Federviehs mit dem H5N1-Virus. In Kambodscha war im August ein vierjähriges Mädchen an einer H5N1-Infektion gestorben. Das war der achte Fall einer menschlichen H5N1-Infektion in diesem Jahr, von denen alle tödlich endeten.

Mit Massentötungen von Geflügel und breiten Impf-aktionen unter Hühnern und Enten wird versucht, der Vogelgrippe Herr zu werden. Seit 2003 sind an dem Virus oder durch Massenschlachtungen 400 Millionen Tiere gestorben. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt den weltweiten wirtschaftlichen Schaden auf mehr als 20 Milliarden Dollar.

Erfolge bei Prävention gefährdet

Die Maßnahmen waren zunächst erfolgreich. Die Zahl der Ausbrüche der Vogelgrippe sank von 4.000 auf dem Höhepunkt der Epidemie in 63 Ländern im Jahr 2006 auf 302 Mitte 2008, obgleich die Vogelgrippe in sechs Ländern – Vietnam, China, Indien, Indonesien, Bangladesch und Ägypten - endemisch blieb.

Seit 2008 aber steigt die Zahl der Fälle wieder an, und auch ihre geographische Verbreitung nimmt wieder zu. In 2010 – 11 wurden bereits wieder 800 Ausbrüche registriert. Betroffen sind sowohl wilde Zugvögel wie auch Geflügel auf Bauernhöfen und Zuchtfarmen.

Verbreiter des H5N1-Virus sind die Zugvögel, die weite Distanzen zu ihren Nist- und Brutplätzen oder zu ihren Winterquartieren fliegen. Sie tragen den Erreger auch wieder in Länder, die für einige Jahre virusfrei waren, sagt Juan Lubroth, Chefveterinär der FAO. Der Wissenschaftler aber warnt davor, den freien Zugvögeln die Hauptschuld zuzuschieben. „Die Zugvögel mögen das Virus einschleppen, aber es ist die Weise, mit der Menschen Geflügel produzieren und vermarkten, die es verbreitet.“

Eine zweite, besorgniserregende Ursache für die Wiederkehr der Vogelgrippe ist das Auftauchen einer Virusvariante, gegen die existierende Impfstoffe wirkungslos zu sein scheinen. H5N1 – 2.3.2.1. lautet der unpoetische wissenschaftliche Name des in Vietnam entstandenen neuen Vogelgrippevirus. Die vietnamesischen Behörden hoffen nun, im Herbst die bereits im Frühjahr abgebrochene Impfaktion von Geflügel mit einem modifizierten Mittel wieder aufnehmen zu können.

Der Herbst wird zeigen, ob die Kombination aus infizierten Zugvögeln und Virusmutation zu einer neuen Vogelgrippepandemie führt. Die neue Virusvariante könne sich schnell von Vietnam aus auf die Nachbarländer Kambodscha, Thailand und Malaysia verbreiten, als auch weiter entfernte Länder wie Korea und Japan gefährden, befürchtet Lubroth. Das Virus könnte durch die Zugvögel auch auf andere Kontinente reisen.

Die besten Präventionsmethoden und Kontrollen sind aber wirkungslos, bei einem weiteren Verbreitungsweg der Vogelgrippe: dem illegalen Tierschmuggel. In einer wissenschaftlichen Studie heißt es: „...Schmuggel stellt weltweit eine Hauptursache für die Einschleppung und Verbreitung des Vogelgrippevirus H5N1 dar.“

Mit Sorge sehen FAO als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass es gerade in den Ländern, in denen die Vogelgrippe endemisch ist, an effektiven Präventionskampagnen fehlt. „Die Angst vor H5N1 führt nicht zwangsläufig zu konkreten Plänen zur Kontrolle und Ausmerzung des Virus“, warnte bereits im April dieses Jahres die WHO.

Neue Vogelgrippefälle überall

Die Meldungen über neue Fälle der Vogelgrippe häufen sich. Bei Hunderten Stück Federvieh wurde Anfang September im indischen Bhopal das Virus nachgewiesen. Am 8. September wurden in Yogykarta in Indonesien eine Mutter und ihre beiden Kinder mit Vogelgrippesymptomen in ein Krankenhaus eingeliefert. Auf den Philippinen warnte Umweltminister Ramon Paje seine Landsleute, wilde Vögel zu berühren. Die Gesundheitsbehörden in Malaysia betonten, das neue Virus sei in dem Land noch nicht nachgewiesen worden. Sie riefen die Bevölkerung aber auf, sich regelmäßig mit Seife oder Desinfektionsmitteln die Hände zu waschen. Durch einfache Hygienemaßnahmen könne das Infektionsrisiko vermindert werden. Auch in Thailand sind die Gesundheitsbehörden in erhöhter Alarmbereitschaft, obgleich bisher das neue Virus noch nicht aufgetaucht ist.

Seit seinem ersten Auftreten 2003 wurden 565 Menschen mit dem Vogelgrippeerreger infiziert. 331 sind nach Angaben der WHO an der Krankheit gestorben. Unklar ist noch, ob die neue Virusvariante auch gefährlich für Menschen ist. Keine der in diesem Jahr gemeldeten Übertragungen der Vogelgrippe auf Menschen ist von dem Virus mit dem sperrigen Namen verursacht worden.

Michael Lenz

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