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Nachrichten · Die neusten Nachrichten aus Thailand
Letzte Aktualisierung: 15.08.2011
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„Man mußte gut sein, damit der Laden auch voll wurde!“

Die Schweizer Musiktruppe DORADOS feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Walter („Walti“) Grüter, Gründer, und Andy Lütolf, Sänger der DORADOS, am 24. Februar 2011 in Pattaya.„Heutzutage sieht man unheimlich viele Kapellen, die so Beatmusik machen und so weiter, und man sieht selten eigentlich ein Showorchester, das Tanzmusik macht, aber auch ganz ein bißchen Show, und ich fand es mal wieder nötig, so ein Orchester vorzustellen, denn die gibt’s noch, und ich glaube, ich hab‘ eine ganz tolle Truppe gefunden, die richtig schöne Parodien macht, Imitationen von bekannten Leuten, richtig mal ein bißchen Quatsch, gemischt mit Tanzmusik.“

Mit diesen Worten kündigte 1974 ein noch etwas jugendlich aussehender holländischer Entertainer namens Rudi Carell, in seinem typisch holprigen Deutsch, während einer seiner Quizsendungen „Am laufenden Band“ ein Musikquintett an, das nach der Fernsehsendung, die 22 Millionen Menschen an den Bildschirmen verfolgten, einen geradezu kometenhaften Aufstieg erlebte, die Schweizer Band DORADOS. Die sich an die Sendung anschließende Karnevalszeit brachte den fünf jungen Musikern aus Luzern, die sich gemäß Gründungsvertrag vom 18. August 1961 unter diesem Namen zusammengeschlossen hatten, 28 Auftritte von Norwegen über Österreich bis ins spanische Madrid. Dem vorangegangen war eine eher dahinplätschernde Musikerkarriere, der der eigentliche Durchbruch noch fehlte.

Die DORADOS mit Ivan Rebroff (2. Reihe, rechts) - die Aufnahme entstand im Sommer 1970 in Rottach-Egern am Tegernsee. Durchbruch bei Rudi Carell

Walti Grüter, der Gründer der Truppe, erzählt, dass ihn seine musikbegeisterte Mutter immer mitgenommen habe zu den Konzerten von Hazy Osterwalt, der damals schon mit seinem Sextett große Erfolge – unter anderem auch in Deutschland – feierte. Kein Wunder, dass dieser zu seinem Vorbild wurde. Später, so Grüter, hätten sie regelmäßig in dessen „Hazyland“ aufgespielt.

„Meine Mutter führte in Luzern ein Arbeiterrestaurant – in Deutschland würde man, glaube ich, wohl eher sagen „ein gut bürgerliches Restaurant“ – und hat uns anfangs nach den Proben immer bekocht. Wer zu spät kam zu den Proben mußte übrigens 20 Franken Strafe bezahlen.“

Geprobt wurden weltweite Evergreens oder aus der Hitparade nachgespielte Imitationen.

„Diskotheken oder DJ’s gab es damals noch nicht. Da wurde die Musik noch von Hand gemacht, und da mußte man gut sein, damit der Laden auch voll wurde.“

Ihr erstes Engagement erhielt die Band in einem amerikanischen Club in Nürnberg. Nach acht Stunden Livemusik seien anschließend die Finger wund gewesen. Als dann auch noch die Besucher begonnen hätten, das Clubinventar zu zerlegen, sei der Besitzer, ein kleiner Giftzwerg, gekommen und habe sie immer wieder aufgefordert „weiterspielen...weiterspielen...!“ Da habe er sich das erste Mal gesagt, so Walti Grüter, „...das mache ich nicht lange!“

Engagement in St. Moritz

1965 erfolgte ein Engagement während der Skisaison ins „Palace“- Hotel nach St. Moritz. Dort hätten sie für den Schah von Persien aufgespielt. „Wenn der mit seiner Frau Soraya tanzen wollte, musste aus Sicherheitsgründen die Tanzfläche freigemacht werden“, erinnert sich Grüter.

Auch der griechische Reeder Stavros Niarchos habe sich dort aufgehalten. Der habe so gerne Saxophon gehört:

„Da mußte Luc immer an dessen Tisch spielen, und Niarchos hat solange Geldscheine in die Saxophonöffnung gesteckt, bis kein Ton mehr herausgekommen ist. Dann ist der Luc schnell in die Toilette gerannt, hat das Geld ausgeschüttet und anschließend weitergespielt, und der Niarchos hat wieder von vorne mit den Geldscheinen angefangen. Hinterher haben wir das Geld unter uns aufgeteilt.“

Ihr Hit „Mary ven conmigo“ hielt sich 1977 für 16 Wochen in den Charts und wird auch heute noch gern gespielt. Auch die Bekanntschaft mit John Lennon ging auf die Zeit in St. Moritz zurück. Im Casino „...tanzte [er] zu den heißen Rhythmen der DORADOS“, heißt es in einem Zeitungsbeitrag aus jenen Tagen. Selbst der Manager der Beatles bescheinigte den jungen Musikern eine „ganz große Zukunft“. Erst 1974 ist Andy L. Lütolf zur Band gestoßen, zunächst als „Roady“. Seine Aufgabe war es, als Chauffeur den Tourbus zu fahren und vor jedem Auftritt Kisten zu schleppen, die Beleuchtung zu installieren und den technischen Bühnenaufbau zu besorgen.

„Meine verrückteste Fahrt war damals übrigens mit dem dreieinhalb Tonnen-Bus in 30 Stunden nonstop von Madrid nach Zürich!“, erinnert sich Andy.

Sie hätten damals eigentlich alle für 17 Wochen in die Rekrutenschule zum Militär gemusst, aber das hätte sicherlich das frühe Ende der DORADOS bedeutet, fährt Walti fort. Aber ihr Management habe gottlob einen Arzt aufgetrieben, der bei jedem etwas gefunden habe, so dass sie vom Militärdienst befreit wurden.

„Der einzige, der in die Rekrutenschule musste, war ich, allerdings nur für sechs Wochen, dann bekam ich eine Nierenkolik und war auch draußen“, ergänzt Andy mit einem breiten Grinsen, und Walti übernimmt wieder die Gesprächsführung: „Wir waren dann 1975 zum Presseball ins Hamburger InterConti eingeladen. Erst klassische Tischmusik zum Essen, so mit Flöte und Geige, also richtige „Dinnermusik“, und anschließend Tanzmusik. Das Prunkstück der Veranstaltung sollte eine 45-minütige Showeinlage werden, aber die beiden Sänger waren schon sehr angeschlagen, so dass ich in meiner Not Andy, den Roady, gefragt habe, ob er die Schlagertexte kennt und nicht einen Teil übernehmen kann...“

Unterschrieben am 18. August 1961 einen „Musiker-Vertrag des Orchesters „El Dorado“ - die späteren DORADOS. Zum Presseball in Hamburg

„...na klar konnte ich...“, fährt Andy fort, „...aber die Texte? Fehlanzeige! Ich habe dann Songs wie ‚Kong Fu Fighting und andere einfach phonetisch gesungen, also ohne Text, und trotzdem hat der Saal anschließend getobt, wie wild! Da hat keiner gemerkt, das alles nur improvisiert war...!“

„Also eine richtige Tellerwäscher-Karriere...“, fällt ihm Walti ins Wort. Die beiden spielen sich die Bälle in perfekter Abstimmung gegenseitig zu.

„...aber trotz all dieser Engagements wollte uns kein Hit gelingen. Und dann kam plötzlich 1977 mit „Mary ven conmigo“, aufgenommen im Studio Hamburg in Wandsbek, der Einstieg in die Hitparade. Der Song von Chris Juwens hielt sich 16 Wochen in den Charts.“

1982 löste sich die inzwischen zum Sextett angewachsene Truppe auf, Andy versuchte es mit einer Solokarriere, und die DORADOS machten noch als Trio bis zur Auflösung im Jahr 1984 weiter. Erst die Engelberger Nostalgietage im Sommer 1998 brachten ein erfolgreiches Comeback, das allerdings auch nur ein halbes Jahr dauerte. Andy L. Lütolf hat sich mittlerweile vor zehn Jahren als Komponist und Texter einen Namen gemacht. Sein größter Erfolg war dabei bisher 2009 der zweite Platz im Internationalen Grand Prix der Volksmusik, und dieser nicht etwa für die Schweiz, sondern für Deutschland. Ab und zu tritt er noch als „DORADO‘s-Andy“ im Halbplaybackverfahren auf.

Im noblen Schweizer Wintersportort St. Moritz tanzte „Beatle“ John Lennon zu den Klängen der DORADOS. Andy startete Solokarriere

„Ich kann keine Noten lesen und auch nur auf C-Dur komponieren“, schiebt er schelmisch lächelnd hinterher.

Heute besucht er regelmäßig seinen alten Freund und Weggefährten Walti in Pattaya, mietet sich ein Auto und fährt allein zum Mekong hinauf:

„Ich liebe die ruhige Landschaft des Mekong, Nong Khai, Nakhon Phanom...“, schwärmt er.

Walti betrieb noch bis vor acht Jahren die kleine, gutgehende Treffpunktbar „Playboy Bar“ in Zürich, hat sich aber inzwischen mit 67 Jahren zur Ruhe gesetzt. Einen Teil des Jahres (von Oktober bis April) verbringt er regelmäßig in Pattaya, das inzwischen seine ursprüngliche Liebe zu Brasilien und neuerdings auch Kuba abgelöst hat. An seinem bevorzugten Badestrand, dem Dongtan Beach, da wo die weißen Liegestühle stehen, läßt er es sich mittlerweile gut gehen.

Die „Histörchen dahinter“ sollen nicht enden, ohne noch Bruno’s zu gedenken, der Schlagzeuger der Truppe, der auch von Anfang an dabei war. Im April des vergangenen Jahres ist er mit erst 69 Jahren verstorben.

„Wir haben als Musiker täglich mehr Zeit miteinander verbracht, als mit unseren eigenen Frauen“, bestätigen Walti und Andy übereinstimmend, „...deshalb hat uns sein viel zu früher Tod sehr erschrocken und nachdenklich gestimmt. Unsere Maxime lautet deshalb heute, jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte. CARPE DIEM!“

Lothar W. Brenne-Wegener

 

 

 

 




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