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Letzte Aktualisierung: 18.07.2011
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Gefangene verlieren ihre Identität

Haftanstalten sind überbelegt / Mehr Bildung und Ausbildung gefordert

Der Eingang zum Bangkoker Gefängnis Bang Kwang. Die Zellen sind überbelegt, jeder Häftling hat gerade mal 0,8 qm „Bewegungsfreiheit“. Mit mehr als dem Doppelten ihrer Aufnahmekapazität platzen Thailands Gefängnisse aus allen Nähten. Ausgerichtet auf 105.748 Häftlinge, sitzen in 143 Gefängnissen landesweit 224.292 Frauen und Männer ein. Damit nimmt Thailand weltweit den achten Platz bei der Überbelegung von Haftanstalten ein.

Auf einer Konferenz zum Forschungsprojekt „Prisons in Thailand 2011“ wurde die menschenunwürdige Enge in den Zellen kritisiert. Im berüchtigten Gefängnis Bang Kwang, auch als „Bangkok Hilton“ bekannt, sitzen bis zu 43 Insassen in 6 mal 8 Meter großen Zellen. Das entspricht 0,7 bis 0,8 Quadratmeter „Bewegungsfreiheit“ je Häftling.

Gründe für die Überbelegung sind die hohe Zahl von Untersuchungshäftlingen (24,8%), die sich keine Kautionszahlung leisten können, sowie die zum Teil drakonischen Strafen und eine Bevorzugung von Freiheitsstrafen gegenüber Bewährungsstrafen oder anderen milderen Sanktionen wie Geldbußen und Sozialdienst. Dringend erforderlich ist die Trennung von Kleinkriminellen und Schwerverbrechern.

Moniert wurde zudem, dass Todeskandidaten permanent angekettet sind, obwohl sie in Hochsicherheitstrakten untergebracht sind. Der Einsatz von physischer und psychischer Folter an Todeskandidaten müsse gestoppt und die Todesstrafe ohne jegliche Bedingung abgeschafft werden. Verwiesen wurde auf den zweiten „Human Rights Plan“ (2009 bis 2013), der das Ende der Todesstrafe vorsieht. Sie soll in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt werden. Das wird allerdings zu signifikanten Steigerungen der Gefangenenzahlen führen, sagen Forscher voraus.

Bei der Tagung auf Einladung des Research Centre on Criminology and Justice der Thammasat University und der Union for Civil Liberty (UCL) betonte der UCL-Vorsitzende und Menschenrechts-Verteidiger Dr. Danthong Breen, Gefangene seien immer noch Staatsbürger und müssten dieselben Rechte genießen wie „freie Bürger“. Doch in Thailand würden die Menschenrechte sehr lax gehandhabt. Dr. Breen verwies auf den Internationalen Pakt vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte. Dort heißt es: Jeder, dem seine Freiheit entzogen ist, muss menschlich und mit Achtung vor der dem Menschen innewohnenden Würde behandelt werden.

Dieses gestellte Foto zeigt die Fesselproblematik in Thailands Gefängnissen. Todeskandidaten sind permanent angekettet.

Der Referent forderte eine Stärkung der Rechte von Gefangenen: Familienrecht (Besuchsrecht), Persönlichkeitsrechte (Schutz der Privatsphäre), Bildungs- und Arbeitsrechte, Meinungs-, Informations- und Religionsfreiheit sowie Wahlrecht. Zudem sollte die medizinische Versorgung den besonderen Bedürfnissen der Gefangenen angepasst werden.

Forschungsergebnisse zeigen, dass in den Frauengefängnissen die Situation der Überbelegung besonders schlimm ist und die Rechte noch mehr eingeschränkt werden. Frauen nehmen jedoch im Gegensatz zu den Männern die unsäglichen Zustände eher hin und beschweren sich weniger über ihre missliche Lage.

Thanadech Khantanachot, ehemaliger Häftling des Bang Kwang-Gefängnisses, beschrieb die Problematik der Handschellen und Fußfesseln. Er monierte auch die zu langen Haftstrafen: „Ein Tag in einem überfüllten Gefängnis kommt einem wie zehn Jahre vor.“ Die Gefangenen würden letztlich ihre Identität verlieren. Thanadech Khantanachot forderte mehr Bildung in den Haftanstalten. Es gelte, die Würde der Gefangenen zu stärken und ihnen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft durch Bildungsangebote, Ausbildung und Lehre zu erleichtern.

Überhaupt war die soziale Rehabilitation der Gefangenen das Hauptanliegen aller Diskussionsteilnehmer. Rehabilitation stelle die Rechtfertigung für Gefängnisse dar. Nach der Freilassung bräuchten Frauen und Männer besondere Unterstützung im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Reintegration. Für Gefangene sei es extrem schwer, wieder Fuß zu fassen und Arbeit zu finden. Oft würden sie von ihren Familien nicht mehr akzeptiert oder könnten sich nicht mehr an das Familienleben anpassen.




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