Hochzeit in Zürich statt Mr. Gay World in Manila
Kirche verhindert Aidsaufklärung auf den Philippinen
Francois Nel ist der neue Mr. Gay World. Die Jury stimmte bei dem diesjährigen Wettbewerb um den schwulen Mr-Titel für den 28-jährigen Südafrikaner. Das Ergebnis verwundert nicht. Natürlich sieht Nel gut aus, eine wunderbare Persönlichkeit hat er auch, in seinem Heimatland ist er zudem ein Aktivist gegen Aids. Aber wie es der Zufall will, findet der 4. Mr-Gay-World-Wettbewerb 2012 in Südafrika statt.
Zudem war die Jury bei dem Wettbewerb, zu dem 23 Kandidaten aus aller Welt nach Manila gekommen waren, mehrheitlich aus schwulen weißen Männern zusammengesetzt. Einige davon waren Redakteure schwuler Magazine aus westlichen Ländern, und die wissen, was sie ihren Lesern als erotische Blickfänge nicht zumuten können: Asiaten. Denn die werden von der Mehrheit der Leser schwuler Magazine in Australien oder Europa nicht als männlich empfunden. Da hatten die Kandidaten aus Macao und Hongkong, Malaysia und Indien keine Chancen auf den Titel. Lediglich Mr Gay Philippines konnte dank des Heimvorteils den Mr. Gay People’s Choice Award sowie den Folklorepreis Mr. Gay National Costume gewinnen.
Warten auf das Visum in Pattaya
Vielleicht ist die Chancenlosigkeit schwuler Asiaten auf den Titel im nachhinein ein Trost für Mr. Gay Thailand, der Kampa Somsrikaew heißt und in Pattaya lebt. In letzter Minute musste der 27-Jährige seine Reise nach Manila absagen, weil zusammen mit anderen Dokumenten sein Pass bei der Botschaft der Schweiz in Bangkok lag. Sobald er das Visum für die Schweiz hat, will Kampa sich mit seinem Lebenspartner in Zürich verpartnern. „Wir sind seit sieben Jahren zusammen. Es ist also an der Zeit, mit der Beziehung ernst zu machen“, sagt Kampa. Von der Abwesenheit des Mr. Thailand und einiger anderer Kandidaten erfuhr man nichts. Auf Nachfrage sagte Pressesprecher Jude Cartalaba: „Ich darf darüber keine Auskunft geben.“
Trotzdem wäre Kampa gerne nach Manila gereist. „Dass ich überhaupt ins Finale gekommen bin, ist schon toll. Ich möchte in Manila die Gelegenheit nutzen, über mein Land zu sprechen“, sagte Kampa drei Wochen vor der Reise. „Natürlich nur über die positiven Seiten, nicht über diese politischen Spannungen in Bangkok. Viele Touristen wollen ja deshalb nicht mehr kommen.“ Viele Zuhörer hätte er allerdings in Manila nicht gefunden. Das Medienecho war bescheiden. Auch in Manilas Gay Community war das Event kaum bekannt. Ein Sponsor aus der Tourismusbranche, der seinen Namen nicht genannt wissen will, zeigte sich zwei Tage vor dem Wettbewerb entsetzt: „Nirgendwo gibt es Plakate oder Flyer. Ich habe mit mehreren Clubbesitzern gesprochen. Die hatten noch nie von der Mr-Gay-World-Veranstaltung gehört.“ Neben ein paar philippinischen Medien waren zum Finale nur jene internationalen Schwulenmedien eingeladen, die als Sponsoren das Event begleiteten und deren Chefredakteure zur Jury gehörten. Der Rest musste draußen bleiben oder aber 75 Dollar Eintritt zahlen. Karten gab´s genug. Den Preis konnten Filipinos kaum bezahlen.
Tabuthema Sexualaufklärung
Gerade aber auf den konservativen Philippinen hätte das Event mehr Aufmerksamkeit verdient. Durch den immensen Einfluss der katholischen Kirche haben Schwule und Lesben einen schweren gesellschaftlichen Stand. Anders als im in sexuellen Fragen offenen Thailand gibt es nur wenige Treffpunkte für Schwule. Die Philippinen gehören zu den sieben Ländern der Welt, in denen die Zahlen der Aidsinfektionen noch immer ansteigen. Sexualaufklärung und Kondome sind ein Tabu. Während Länder wie Thailand über ihren eigenen Schatten gesprungen sind, um eine entschiedene und erfolgreiche Aidsaufklärung zu ermöglichen, stecken die Philippinen auf Geheiß der Bischöfe den Kopf in den Sand. Viele hoffen jetzt darauf, dass die Regierung das „Gesetz über reproduktive Gesundheit“ durch das Parlament bringt. „Das wird auch die Aidsaufklärung erleichtern“, sagt Francis P. Reotutar, ein Sponsor des MGW-Events und Gründer des ersten Verlags auf den Philippinen, der sich auf schwul-lesbische Literatur spezialisiert hat.
Schwules Leben ist auch in anderen asiatischen Ländern noch nicht so selbstverständlich wie in Thailand oder erst recht in westlichen Ländern. „Bei uns in Macao gibt es überhaupt keine schwule Kultur. Homosexualität wird totgeschwiegen“, sagt Jonathan Chong, Mr. Gay Macao. Raoul Patil aus Mumbai sagt, er habe sich für die Teilnahme an MGW beworben, damit auch in Indien Schwule endlich sichtbarer würden. „Das Verbot von Homosexualität ist in Indien vor zwei Jahren durch ein Urteil des höchsten Gerichts abgeschafft worden. Aber die Gesellschaft ist noch sehr konservativ und vor allem die Religionen machen Stimmung gegen Homosexuelle“, sagt der 23-Jährige. Soviel Mut hätte einen Preis verdient. Aber, siehe oben....
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