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Letzte Aktualisierung: 29.03.2011
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Ausstieg aus dem Einstieg gefordert

Erdbeben und Atomdrama in Japan befeuern in Thailand die Atomdebatte

Blick vom Damm der Talsperre Si-Nakharin ins Tal. Die Electricity Generating Authority of Thailand (EGAT) gewinnt hier 720 kW Strom und versorgt damit Bangkok.

Das atomare Desaster im japanischen Kernkraftwerk Fukushima hat die Diskussion um den Bau von Atomkraftwerken in Thailand neu befeuert. Atomkraftgegner fordern den sofortigen Ausstieg aus der Planung und eine massive, langfristig ausgelegte Förderung erneuerbarer Energien.

Weil Thailand bei der Stromgewinnung fast ausschließlich von fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Kohle abhängig ist, hat die Regierung im „Power Development Plan“ (PDP) bis 2030 die Errichtung von fünf Atomkraftwerken (AKW) festgeschrieben. Geplant ist anfangs der Bau von zwei AKWs mit einer Kapazität von 2.000 Megawatt. Der erste Atommeiler soll im Jahr 2021 ans Netz gehen. Als Standort ist auch Sattahip unweit von Pattaya im Gespräch.

Das Staatsunternehmen Electricity Generating Authority of Thailand (EGAT) sieht die Entscheidung für Kernkraft als einen umwelt- und kostenbewussten Umgang mit Ressourcen. Der in Kernkraftwerken erzeugte Strom sei „sauber“, weil keine Treibhausgase entstehen, auf Jahre berechnet preiswerter als der Einsatz von Gas oder Kohle und sichere langfristig die Versorgung von Industrie und Haushalten.

Nach dem AKW-Schock von Japan werden Atombefürworter das Wort „sicher“ aus ihrem Argumente-Katalog streichen müssen. Denn Japans Atommeiler galten als die sichersten der Welt. Thailands Regierung wird sich, auch auf Druck von Umweltverbänden, mit den Konsequenzen aus dem Reaktorunfall befassen müssen.

„Wir beherrschen nicht die Natur, sondern die Natur herrscht über uns“, machte sich in Deutschland die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast zum Sprecher der Antiatomkraftbewegung. Wie in Deutschland, so glauben auch thailändische Umweltaktivisten, dass Atomkraft nicht beherrschbar sei. Sie fordern ein Umdenken in der Energiepolitik und eine nachhaltige Nutzung von Wind, Sonnen­energie und Biomasse zur Gewinnung von Elektrizität.

Das Erdbeben wirft erneut die Frage auf, wie sicher Gebäude und vor allem Talsperren in diesem Land sind. Experten halten für Thailand ein Beben der Stärke über 6,9 auf der Richterskala für unwahrscheinlich. Aber auch japanische Wissenschaftler hatten für ihr stark erdbebengefährdetes Land Erschütterungen der Stärke 9 für undenkbar gehalten. Deshalb sind die 54 Kernkraftwerke Nippons für eine Erdbeben-Stärke bis maximal 8,25 ausgelegt.

In Thailand steht Kanchanaburi mit seinen zwei großen Talsperren ganz oben auf der Liste der erdbebengefährdeten Provinzen. Bereits beim Bau der weitläufigen Talsperren Si-Nakharin und Khao Laem hat es dort wegen der geologischen Verwerfungen, bekannt als „Sri Sawat Fault“, Proteste gegeben. Kritik und Fragen nach der Sicherheit hält die EGAT bei ihren Wasserkraftwerken für unangebracht. „Ein Beben wird die beiden Dämme nicht zum Bersten bringen; die unterhalb der Wasserreservoire wohnenden Menschen sind nicht gefährdet“, heißt es beim Dienstleister.

Experten sind sich dessen nicht sicher.


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