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Letzte Aktualisierung: 15.01.2011
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Von blauen Vögeln und Schweinereien

Abwechslungsreiche Impressionen aus Jakarta

„Batavia“ mit seinen alten holländischen Häusern ist ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen.

Das rundum mannshoch verspiegelte Pissoir im „Café Batavia“ ist gewöhnungsbedürftig. Mann kann nicht anders, als seinem Nachbarn wie auch sich selbst beim „Geschäft“ zuzusehen. Sich statt dessen auf die vielen Bilder zu konzentrieren, die dicht an dicht an den Wänden hängen, macht die Sache nicht besser, sind die meisten Motive doch explizit homoerotischer Natur. Das „Café Batavia“ ist aber mitnichten Jakartas hippeste Schwulenbar, sondern ein gediegenes Restaurant in einem alten, holländischen Kolonialgebäude in der Altstadt der indonesischen Hauptstadt, die zu Zeiten der Holländer als Indonesiens Kolonialmacht Batavia hieß. Aus dem Restaurant mit seinen hohen Fenstern genießt man eine perfekte Aussicht auf den von Kolonialbauten umstandenen Fatahilla-Platz.

Rote Zugbrücke über schwarzem WasserDas Stadthuis, früher der Sitz der Dutch East India Company und dann der holländischen Kolonialregierung, sowie einige andere Häuser am Fatahilla-Platz sind restauriert. Aber gleich um die Ecke, in den Gassen und entlang eines Kanals mit pechschwarzem, vollgemüllten und stinkenden Wasser sind die wunderschönen historischen Bauten in traurigem Zustand. Trotzdem lohnt sich ein Spaziergang durch „Batavia“. Auch die ramponierten, manchmal gar schon verfallenden Häuser, wie auch die knallrote holländische Zugbrücke über den Kanal, haben ihren Charme. Überraschungen bieten Besuche in jenen alten Kontorhäusern, die heute Sitz von Banken und Unternehmen sind. Wunderschönstes Art Deco Interieur bietet zum Beispiel die Bank Mandiri, die nur ein paar Schritte vom Fatahilla-Platz entfernt ist. Für die Erkundung des historischen Batavia ist das Mercure Kota Hotel im chinesisch geprägten Jakarta Kota das ideale Basislager. Das Mercure ist saugemütlich und mit schalldichten Fenstern ausgestattet, die einen davor bewahren, in aller Herrgottsfrühe durch die lauten Gebetsübertragungen per Lautsprecher aus den umliegenden Moscheen geweckt zu werden. Und vom Mercure Kota sind es per Taxi nur wenige Minuten bis nach Batavia.

Strategisch günstig zu wohnen ist wichtig in Jakarta, einer Stadt, die täglich mehrere Verkehrsinfarkte erleidet. Bei normalem Verkehr zum Beispiel wäre Jakartas Downtown mit seinen Shopping Malls, Fünfsternehotels und Bürohochhäusern vom Mercure Kota in gut 15 Minuten zu erreichen. Aber um eine Verabredung sicher einhalten zu können, ist auf der sicheren Seite, wer eine Stunde Fahrtzeit einkalkuliert. Deshalb wohnt der Autor dieser Zeilen gerne im Ibis Arcadia. Alles, was man zum Leben als reisender Expat oder Tourist braucht, ist vom Ibis Arcadia fußläufig zu erreichen. Die Bars und Kneipen, wie das legendäre „Memories“ in der nur fünf Minuten entfernten Jalan Jaksa, sind ein Stelldichein für Backpacker und Banker, Prostituierte und Freier, Schwule und Transsexuelle. Noch näher ist die Jalan Sabang, Jakartas berühmteste Garküchen-Straße. Die zu finden ist leicht: man geht immer der Nase nach. Man riecht die vielen Grillstände schon von weitem, auf denen jeden Abend leckere Satays über glühender Holzkohle gegrillt und mit Erdnusssauce serviert werden. Gut zu erreichen sind auch die beiden westlichen Shopping Malls Plaza Indonesia und gegenüber die gigantische Grand Indonesia. Die sind zwar vom Ibis Arcadia aus schon eine Taxidistanz entfernt. Aber zu verkehrsmäßigen Spitzenzeiten vor die Wahl gestellt, mindestens eine halbe Stunde im Stau zu stecken oder nach zehn Minuten zu Fuß im bequemen Hotelzimmer mit WiFi und Satellitenfernsehen zu sein, entscheide ich mich gerne für letzteres. Apropos Taxis. Der beste Taxibetrieb ist „Blue Bird“. Der „Blaue Vogel“ hat viele Nachahmer gefunden, zumindest was Logo, Farbe und Namen mit dem Zusatz „Blue“ angeht. Die hohen Standards, die „Blue Bird“ an Sicherheit und Ehrlichkeit anlegt, werden von den meisten Möchtegern-blauen-Vögeln jedoch nicht erreicht. Nicht all zu weit vom Ibis Arcadia ist die Jalan Cikini Raya mit ihren Restaurants und Cafés, in denen sich die weltoffenen Töchter und Söhne des aufgeklärten indonesischen Mittelstands treffen. Unter den Caféhäusern nimmt das „Bakoel Koffie“ eine Spitzenstellung ein. Nicht nur seiner wunderbar altmodischen Einrichtung wegen, sondern vor allem, weil im „Bakoel Koffie“ Cappuccino und Espresso ausschließlich aus frisch geröstetem Java-Kaffee gebrüht werden. Ein weiterer Ort des Genusses in der Jalan Cikini Raya liegt gleich schräg gegenüber dem „Bakoel Koffie“. Im Warung Daun wird beste indonesische Küche mit Gemüse und Reis aus organischem Anbau zu vernünftigen Preisen zelebriert. Wie sehr der Besitzer die Kultur seines Landes liebt, drückt sich auch in der Einrichtung des Warung Daun aus, die javanisches Batik und Kunsthandwerk mit modernen Elementen verbindet.

Schweinereien und 1000 InselnManchmal aber hat man auch Lust auf deutsche Küche, so lecker Satay Kambing, Nasi Goreng oder Gado Gado auch sein mögen. Die richtigen Schweinereien gibt es im „Paulaner“ im Ostflügel der Mall Grand Indonesia. Die hübschen indonesischen Kellnerinnen sehen in ihren Dirndln irgendwie putzig aus, aber trotz der Dirndln ist das Paulaner kein Hort altbackenen Bayerntums mit Hirschgeweihen. Vielmehr haben es Macher verstanden, bayerische Gasthauskultur dem urbanen Stil des 21. Jahrhunderts anzupassen, ohne dass dabei die Gasthausgemütlichkeit auf der Strecke geblieben ist.

Jakarta ist keine einfache Stadt. Es gibt keine „Zentren“ wie Silom oder Sukhumvit in Bangkok. Das macht den Zugang zu der 13-Millionen-Metropole schwierig. Aber auch spannend. Man muss die verborgenen Reize der Stadt, von chinesischen Tempeln und Museen über Batavias Geschichte und javanische Kunst sowie einem vibrierenden Nachtleben selbst „entdecken“. Es gibt sogar Strände, Tauchgründe und Naturparks draußen vor der Küste auf den „1000 Inseln“.

Michael Lenz

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