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Letzte Aktualisierung: 26.07.2010
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Speedboot-Tragödien mit Fortsetzung

Koh Samuis neuerliches Bootsunglück wirft viele Sicherheitsfragen auf

Lucina und ihr Freund Ben aus Irland erlitten Gesichtsverletzungen. Bei Liz Luxen ließen sie die Unfall- und Krankenberichte übersetzen und holten sich Rat ein. Am 26. Januar 2005 verloren 15 Menschen verlieren ihr Leben auf dem Rückweg von der Vollmondparty nach Koh Samui. Unfallursache: Das gekenterte Schnellboot „Sawasdee Chalerm Choknava 5“ war überladen und zu schnell unterwegs. Fünf Jahre und fünf Monate später, am 26. Juni 2010 um 23.10 Uhr, ist dieses Boot neuerlich in einen schweren Unfall verwickelt. Wieder ergeben Ermittlungen, dass das Speedboot zu viele Fahrgäste an Bord hatte und trotz miserabler Wetterbedingungen flott und unbeleuchtet auf Koh Phangan zusteuerte. Beim Frontalzusammenstoß mit der „Pumphipat 59“ werden 47 Personen zum Teil schwerst verletzt. Es ist nicht dem Geschick der Kapitäne zu verdanken, dass es dieses Mal ohne Tote abging.

Prawet Supachai ist der Chef der Marine-Sicherheitsbehörde in der Region. Dieses Mal konnte er die Kollision hautnah erleben. Er befand sich an Bord der Phumphipat. In Koh Phangan hatte sich der hohe Offizier ein Bild über die Zustände bei der Vollmondparty gemacht. Auf dem Rückweg ereilte ihn mit 23 weiteren Rückkehrern das Schicksal. Prawet erlitt leichte Kopfverletzungen und eine tiefe Schnittwunde am Bein.

Ob die zufällige Anwesenheit des Chefs der Marinestation 4 Koh Samui künftig für mehr Sicherheit sorgen wird, das ist nun die Kernfrage. Tauchlehrer und Besucher der Vollmondpartys wissen, dass sich die oft machoartigen Thaikapitäne mehr ums schnelle Fortkommen und Geld scheren als um die Sicherheit ihrer Passagiere. Nach dem verheerenden Fiasko mit 15 Toten, darunter auch ein Schweizer, war im Januar 2005 vom damaligen Innenminister Thailands eine härtere Gangart angekündigt worden: Obligatorische Schwimmwesten für alle Gäste und empfindliche Strafen bei Überladung der Boote. Auch an die Vernunft wurde nach der Katastrophe appelliert. Nicht so schnell zu fahren und die Wetterbedingungen zu berücksichtigen.

Dass nun exakt dasselbe Boot wieder in einen Unfall verwickelt worden ist, mag eine Häme des Schicksals sein. Sie unterstreicht aber auch, wie lasch behördliche Kontrollen auf Koh Samui und Koh Phangan sind. Mit den Speedboot-Betreibern und Kapitänen ist im Streitfall nicht gut Kirschen essen. Sie ziehen ihr Ding durch, und das heißt: Umsatz um jeden Preis, je schneller der Transfer desto höher der Profit.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Lizenzen für die Sawasdee Chalerm Choknava 5 und die ihres Kapitäns seit drei Monaten abgelaufen waren. Dies veranschaulicht, wie durchschlagend die behördlichen Vorgaben befolgt und kontrolliert werden. Die Realität sieht bei den Transfers zur Vollmondparty anders aus. Die Anzahl der Fahrgäste erhöht den Druck auf die Reedereien und ihr Personal. Sicherheitsvorkehrungen – auch bei miserablen Wetterbedingungen – genießen dann keine Priorität mehr. Gefahren wird um jeden Preis.

Lucina Byrne (23) und ihr Verlobter Ben Glendon (25) aus Irland waren am 26. Juni an Bord der Sawasdee. „Schon vor der Abfahrt war die Lage am Pier in Bophut chaotisch“, sagt Ben. Das Wetter und die Sicht seien nach einem Sturm miserabel gewesen. Trotzdem habe das mit über 40 Personen besetzte Speedboot nach einer 20minütigen Wartezeit abgelegt und schnell Kurs auf Koh Phangan genommen. Schwimmwesten seien nicht verteilt worden, erst nach dem Zusammenstoß – dann in chaotischer Hektik.

Nach zehn Minuten Fahrtzeit hörten die beiden Iren den Schrei des Kapitäns: „Anschließend hat es einen Riesenknall gegeben“, schildert Lucina den Albtraum. „Die vorne sitzenden Leute wurden ins Wasser geschleudert. Ben und ich knallten mit voller Wucht auf eine Trennwand des Bootes.“ Während Bens Platzwunde über dem Auge keine größere Narbe hinterlassen wird, sieht es für die 23-Jährige nicht so rosig aus. Sie erlitt eine klaffende Wunde im Stirnbereich, die mit 30 Stichen genäht werden musste. „Ob ich meinen Beruf als Schönheits-Therapeutin mit so einer Narbe weiter ausüben kann, das ist nun die große Frage.“

Die Rettungsaktion der Marine und sofort herbeigeeilter Speedboote ist nach Angaben von Ben und Lucina professionell abgelaufen. Auch die Erstversorgung in den Krankenhäusern habe keinen Anlass zur Klage gegeben. Die Kosten dafür seien übernommen worden. Dass die beiden, wie viele andere, auf den Rechnungen für die mehrtägigen Nachbehandlungen sitzen blieben, das stößt ihnen sauer auf. „Wir sollten einen Tag nach dem Unfall irgend­ein Thaidokument unterschreiben, das wir nicht lesen konnten. Danach haben wir nie wieder etwas gehört.“

Bei Liz Luxen ließen viele der Opfer ihre Unfallberichte übersetzen und holten sich Rat ein. Die Düsseldorferin betreibt seit 2005 einen erfolgreichen Service für in Not geratene Ausländer auf Koh Samui (www.liz-luxen.com). Dieses Mal wurden böse Erinnerungen bei ihr wach. Als sie im Januar 2005 von Koh Phi Phi nach Koh Samui zog, dem Tsunami nur mit wenigen Habseligkeiten entronnen, da wurde sie schon mal mit einem Speedboot-Unglück konfrontiert. Sie arbeitete damals für das Thai International Spital in Chaweng. Als sie am 27. Januar 2005 zur Arbeit kam, lief sie direkt an sechs toten Ausländern vorbei. Die lagen aufgebahrt in der Notaufnahme. „Diesen Anblick werde ich nie vergessen“, sagt Liz Luxen.

Sam Gruber


 

 
 
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