Klagen über Taxifahrer nehmen zu
Verdrängungswettbewerb sorgt bei Betrieben und Fahrern für Stress
Geldgeil, unhöflich, rücksichtslos. So fahren Bangkoks Taxifahrer ihr Image immer tiefer in den Keller. Sie benehmen sich wie Rüpel, kennen sich nicht aus, sind nicht hilfsbereit. So werden die Taxifahrer pauschal über einen Kamm geschoren. Zweifelsohne sind nicht alle so. Tatsache ist aber, dass die Klagen der Kunden bedenklich zugenommen haben. Taxifahren ist in der Hauptstadt ein hartes Brot. Zu viele Wagen kämpfen um zu wenig Kunden. Bis zum Jahr 1992 war das Droschkengewerbe streng reguliert. Es gab nur 13.400 Taxis in den beiden Farben Gelb und Grün, und das beim Straßenverkehrsamt registrierte Nummernschild war so wertvoll wie ein Lotteriegewinn. Doch Bangkoks Bevölkerungszahl stieg rapide, und die meisten Droschken waren inzwischen uralt.
Regierung und Stadtverwaltung machten schließlich den Weg frei für einen ungehinderten Wettbewerb. Heute sind beim Land Transport Department 80.000 Taxis in unterschiedlichen Farben registriert. Die Behörde schätzt, dass ständig, Tag und Nacht, bis zu 60.000 Droschken auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs sind. Der Verdrängungswettbewerb sorgt bei Unternehmern und Fahrern für Stress und Aggressivität.
Den Männern werden nicht nur schlechte Manieren und egoistisches Verhalten im Straßenverkehr nachgesagt. Nicht wenige wurden mit Mord und Totschlag, Raub und Vergewaltigung in Verbindung gebracht, andere sollen ausländische Urlauber erpresst haben.
Beim Straßenverkehrsamt gehen im Monat durchschnittlich 1.000 Beschwerden ein. Die meisten Klagen kommen von Thais in folgender Reihenfolge: Taxifahrer lehnten eine Beförderung ab (weil das Ziel zu weit oder der Verkehr zu dicht war); unhöfliches Benehmen; der Fahrer warf den Fahrgast an einem falschen Bestimmungsort aus dem Auto; Betrug mit dem Gebührenrechner; der Taxifahrer nahm einen Umweg; rücksichtslose Fahrweise.
Den Sündern droht so gut wie keine Strafe. Nach den geltenden Bestimmungen müss-ten sie ein Bußgeld zahlen, im Wiederholungsfall auf eine schwarze Liste gesetzt werden, und Taxiunternehmen müssten nach mehreren Verwarnungen aus dem Verkehr gezogen werden. Doch das Straßenverkehrsamt sieht sich personell nicht in der Lage, allen Beschwerden nachzugehen. „Die Betriebe kümmern sich wenig um Bestimmungen und Standards ihrer Fahrer. Die Geschäftsführung will eins: Ihre Fahrzeuge sollen rund um die Uhr rollen. Stehen sie in der Garage, verlieren die Eigentümer Einnahmen“, heißt es beim Land Transport Department. Und der Manager einer Taxi-Kooperative ergänzt: „Viele Fahrzeugeigentümer fragen ihre Fahrer nicht einmal nach einer Lizenz.“
Wer sich hinter das Steuer eines dieser bunten Wagen setzen will, muss mehrere Voraussetzungen erfüllen: Der Bewerber muss 25 Jahre alt sein, einen Führerschein für den öffentlichen Transport besitzen, die Benimmregeln beherrschen und einen Trainingslehrgang absolvieren.
Die Branche kämpft um ihren Ruf. Ein neuer Gebührenzähler soll das Image verbessern. Noch in diesem Jahr soll jeder Fahrgast vom Taxifahrer eine Abrechunug ausgestellt bekommen, auf der die Gebühr, die gefahrenen Kilometer und die Fahrzeit vermerkt sind. Extra dafür sollen spezielle Geräte in den Fahrzeugen installiert werden. |