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Letzte Aktualisierung: 07.06.2010
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Luxus aus der Fälscherwerkstatt

Hochwertige Waren werden bis ins Detail hervorragend kopiert

Bei Straßenhändlern, auf Nachtmärkten und in IT-Zentren sind kopierte CDs mit Musik oder Filmen erhältlich. Die Fälscher arbeiten so schnell, dass sie bereits zum Kinostart eines Hollywood-Blockbusters Kopien anbieten. Mit einem strahlenden Lächeln geht Amelie Schober (Name von der Redaktion geändert) in der Lobby ihres Hotels auf ihre Urlaubsbekanntschaft zu. Sie setzt sich zu der neuen Freundin, greift in ihre Tragetasche und zeigt stolz eine hellbraune Ledertasche aus dem Hause Gucci. „Sie hat nur etwas mehr als 18.000 Baht gekostet. Auf der Kö in Düsseldorf hätte ich mindestens ein Drittel mehr zahlen müssen“, freut sich die Deutsche über ihren Einkauf. „Thailand ist ja so preiswert!“

Ihr Schnäppchen hatte die Düsseldorferin in einer kleinen Boutique im Bangkoker Vergnügungsviertel Patpong gemacht. Eine freundliche Verkäuferin präsentierte ihr die große Auswahl an Taschen und Lederwaren und betonte immer wieder: „Sie sparen bei unseren Designer-Waren bis zu 60 Prozent!“ Selbst wenn die Deutsche in der Lederwarenbranche tätig gewesen wäre, hätte sie die angeblich hochwertigen Artikel wohl kaum als Fälschungen erkannt. Alle im Geschäft ausgestellten Taschen und Accessoires waren bis ins Detail hervorragend kopiert. Deshalb hätte auch kein Zollbeamter die Tasche von Amelie Schober bei deren Ankunft auf dem Flughafen Düsseldorf als Kopie konfisziert.
Eine blaue Designer-Handtasche aus dem Hause Versace – hervorragend gefälscht. Produktpiraterie hat längst eine neue Dimension erreicht. In den 80er- und 90er-Jahren konnten Urlauber in Bangkok und den Touristenzentren Chiang Mai, Pattaya und Phuket aus minderwertigen Materialien gefertigte Uhren von angeblich Rolex, Gucci, Cartier oder Rado sowie T-Shirts, Polohemden, Jeans und Socken von namhaften Labels für wenige hundert Baht erstehen. Damals verbreiteten Zeitungen das Gerücht: Bekleidungsstücke könnten so preiswert angeboten werden, weil bei den Herstellern Maschinen und Personal tagsüber für den renommierten Auftraggeber, nachts hingegen für den eigenen Vertrieb im Einsatz wären.
Heute werden weltweit fast alle Produkte gefälscht: Längst nicht nur Uhren, Bekleidung und Lederwaren, ebenso Kfz-Ersatzteile wie Bremsbeläge oder Felgen, Golfschläger, Medikamente, Haushaltswaren, Handys, elektrische und elektronische Geräte… Produktpiraterie ist ein Milliardengeschäft!
Porsche-Design: Nur ein ausgesprochener Fachmann würde den rechten Zeitmesser als Fälschung erkennen. Thailands Fälscherhandel hat sich auf Lifestyle, auf Luxusartikel verlegt. Sie kommen per Container aus Südkorea, Hong Kong, Taiwan oder China. Darunter sind Designer-Brands wie Gucci, Armani, Dior, D&G, Ray Ban, Police, Guess, Cavalli, Hugo Boss. Originalgetreue Uhren von Breitling oder Lange & Söhne kosten weit über 10.000 Baht, eine Ferrari-Jacke ist für einen ähnlich hohen Preis erhältlich, und für Handtaschen muss schon mal weit über 20.000 Baht gezahlt werden. Mit diesen luxuriösen Angeboten haben sich clevere Geschäftsleute einen neuen Kundenstamm erschlossen: wohlhabende ausländische Urlauber, denen es anscheinend nicht wichtig ist, ein Original oder eine fast perfekte Kopie zu besitzen.
Gefälschte Felge (links das Original): Plagiatoren sind nicht mehr nur in den Segmenten Uhren, Lederwaren, Bekleidung, Accessoires, Kosmetik und Körperpflege aktiv. Zusehends ahmen sie auch Technik-Produkte nach. In der von Amelie Schober aufgesuchten Boutique werden Touristen in Lifestyle-Ambiente fachgerecht beraten. Sollten Ausländer in dem umfangreichen Sortiment an Handtaschen, Koffern, Geldbörsen und Gürteln nicht das Gewünschte finden, greifen die Verkäuferinnen zu einem Hochglanzkatalog mit weiteren „Brands“: „Wir besorgen Ihnen jedes Stück in wenigen Stunden, auf jeden Fall innerhalb eines Tages.“


Verlust von Geld und Arbeitsplätzen

Gefälschte Produkte ha­-ben inzwischen einen Anteil von fünf bis neun Prozent am Welthandel. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bedeutet das ein Handelsvolumen von 450 Milliarden Dollar. Pro Jahr gehen weltweit rund zwei Millionen Diese „Markenschuhe“ wur-den bis ins kleinste Detail originalgetreu kopiert. Arbeitsplätze – 70.000 davon in Deutschland – aufgrund von Markenpiraterie verloren. Es gibt andererseits Berufsgruppen, die von der Pirateriebekämpfung bzw. der Prävention leben. Doch dieser Personenkreis kann nicht die Arbeitsplätze aufwiegen, die durch die Herstellung von und den Handel mit Fälschungen verloren gehen. Europaweit werden jährlich rund 100 Millionen Fälschungen beschlagnahmt. Und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass heute etwa zehn Prozent aller weltweit gehandelten Medikamente gefälscht sind. Schlussendlich: Käufer von Fälschungen erhalten oftmals schlechte Qualität zu überhöhten Preisen. Somit werden nicht nur die Originalhersteller geschädigt, sondern auch die Kunden durch ein unausgeglichenes Preis-Leistungsverhältnis.

 

 

 
 
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