Gesünder, glücklicher, entspannter
Klöster und buddhistische Zentren bieten Meditationskurse an
Nach Wellness- und Gesundheitstourismus bewirbt die staatliche Tourismusbehörde (TAT) mit Meditation eine weitere Urlauber-Nische. Die TAT stellt bei Ausländern ein wachsendes Interesse am Buddhismus fest und lädt Westler zum Besuch von Klöstern ein. Dort sollen sie die Lehre des Buddha erfahren und die Meditation als ein Weg zu Gesundheit und Zufriedenheit erleben. Mit Broschüren und CDs macht die Tourismusbehörde auf die mehr als 1.000 Meditations-Zentren des Landes aufmerksam. Darunter sind 35, die Lehrgänge unterschiedlicher Dauer anbieten.
Es gibt weltweit verschiedene Schulen mit jeweils eigenen Lehrtraditionen. Der klassische Beginn der Meditation besteht jedoch darin, mit geradem Rücken und geschlossenen Augen im Lotussitz auf dem Boden zu sitzen. Man konzentriert sich auf den eigenen Atem und darauf, die eigenen Gedanken und Gefühle ohne Urteil oder Steuerungsversuch, vielmehr als schweigender und distanzierter Beobachter wahrzunehmen. Mit zunehmender Übung werden die Meditationen auf längere Zeiträume ausgedehnt.
Wichtig ist eine entspannte und gelassene Haltung, die zur Verlangsamung und genauen Beobachtung der Funktion des Geistes führt. Die spirituellen Ziele der Meditation sind innerer Frieden, Selbsterkenntnis und Weisheit. Weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Ausgeglichenheit und der Abwehrkräfte können Thai-Chi, Yoga, Akupunktur, Aromatherapie – ja selbst bewusstes Atmen sein. Die Praktiken müssen nur zwei wesentliche Elemente enthalten: das regelmäßige Wiederholen und das Bemühen, dabei alle störenden Gedanken auszuschalten.
Buddhistische Meditation meint Versenkung des Bewusstseins, die Vereinheitlichung der oberflächlichen, einander widerstrebenden Bewusstseinsbewegungen zu einem ruhigen Strom. Heutzutage wird die Meditation häufig auch als nichtreligiöse Methode zur Entspannung und zum Abbau von Stress eingesetzt. Die Behauptung, sie sei von gesundheitlichem Nutzen, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Neurowissenschaftler haben mit Hirnscannern ergründet, dass die Meditation die Hirnströme verändern, physiologische Veränderungen hervorrufen und langfristig zu einer psychischen Besserung führen kann. Selbstbesinnung ist also mehr als Rumsitzen und Nichtstun. Es gleicht einer Reise ins Ich.
Als einer der Ersten wagte sich 1967 ein Medizinprofessor von der Harvard Medical School an das esoterische Sujet. Herbert Benson verkabelte 36 Anhänger der Transzendentalen Meditation nach allen Regeln der Kunst und maß ihren Herzschlag, Blutdruck sowie die Haut- und Rektaltemperatur. Ergebnis: Während der Meditation verbrauchten die Probanden 17 Prozent weniger Sauerstoff, senkte sich die Herzschlagrate um drei Schläge pro Minute, und die Hirnwellen zeigten erhöhte Ausschläge im Theta-Bereich, die normalerweise nur kurz vor dem Einschlafen auftreten. Benson deutete dies als Beleg dafür, dass Meditation Stress reduziere und zu einem ruhigen, glücklicheren Geisteszustand führe.
Der entspannende Effekt der Meditation wurde inzwischen in vielen Studien nachgewiesen – und nicht nur der. Meditative Praktiken setzen auch die Hautleitfähigkeit herab, beruhigen den Stoffwechsel, senken die Herzfrequenz und stärken angeblich so das Immunsystem. Auch gegen Depressionen, Angst- und Schlafstörungen wirken die „achtsamkeitsbasierten“ Techniken. Da solche Effekte jedoch stark von der jeweiligen Disposition eines Patienten abhängen, ist der streng wissenschaftliche Beweis schwer zu führen.
Als 2007 die amerikanische Agency for Healthcare Research and Quality alle existierenden Studien zum medizinischen Nutzen von meditativen Methoden verglich, kam sie zu dem Schluss, bislang gebe es noch viele Unsicherheiten, methodische Schwächen und keine klare Evidenz. Und selbst meditationsbegeisterte Mediziner warnen vor überzogenen Hoffnungen: Achtsamkeitsübungen seien kein Allheilmittel. Akut kranke und schwer gestörte Patienten könnten damit auch überfordert sein. Meditative Methoden sollten andere Therapien daher eher ergänzen, nicht ersetzen.
Ein Missverständnis ist es zudem zu glauben, beim Meditieren gehe es vor allem um individuelle Glücksgefühle. Buddhistische Praktiken haben gerade nicht das Ziel, unser Ego in einen wohligen Glücksrausch zu versetzen, sondern dienen im Gegenteil dazu, unsere egoistische Struktur auf einer viel tieferen Ebene zu durchschauen.
In der buddhistischen Meditation „kultivieren wir nicht das Ego, sondern Achtsamkeit und Weisheit“, sagt der Religionswissenschaftler und praktizierende Buddhist Alan Wallace. Da sei es ja schön und gut, wenn die Forschung nachweise, dass Meditation Stress reduziere oder das Immunsystem stärke. „Aber der Buddha ist nicht im Alter von 29 Jahren aus seinem Königshaus ausgezogen, um eine Methode zu finden, Hämorrhoiden zu kurieren.“ Meditation sei nun einmal keine Therapie; auch in Tibet seien für die Kranken Ärzte zuständig und nicht die Meditationslehrer.
Echte, tief greifende Verhaltensänderungen brauchen Zeit; und ob sich jemand im Laufe einer meditativen Praxis wirklich weiterentwickelt oder ob er nur eine Art Erleuchtungsdünkel kultiviert, zeigt sich oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten.
Wir wissen nur: Meditative Praktiken beeinflussen die neuronale Aktivität des Gehirns und die psychologische und emotionale Disposition der Praktizierenden. Ob und wie sich allerdings eine meditative Praxis auswirkt, hängt sowohl von der Methode als auch von der inneren Einstellung eines Übenden ab. Wer wissen will, was meditative Praktiken tatsächlich bewirken, dem bleibt nur eines: Die Sache selbst zu erproben. Denn das beste Messgerät, um den Zustand des eigenen Geistes zu erfassen, ist immer noch der eigene Geist.
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Praktische Lehrgänge für Ausländer
Im Bangkoker Wat Mahathat und im Suan Mokkh in Surat Thani
Meditation ist so alt wie der Buddhismus. Buddha oder Siddhartha Gautama hat der Legende nach vor über 2.500 Jahren unter einem Bodhi-Baum meditiert. Und die thailändische Bevölkerung ruht in ihrem Glauben von Buddhas Lehren.
Ein Teil davon ist die Meditation, die ein Mittel darstellt, den Egoismus zu besiegen für Dinge, die über uns hinausgehen: Wahrheit, Liebe, Frieden und Mitleid. Die zwei Ebenen der Meditation sind „Samatha“ und „Vipassana“. Die erste wird wiedergegeben durch Stille oder konzentrierte Meditation. „Vipassana“ ist eine nach innen gewandte Meditation, die es nur im Buddhismus gibt.
In praktischen Kursen können Ausländer diese Meditationsarten erlernen. Ein bekanntes und bedeutendes Meditations-Zentrum in Bangkok ist das Wat Mahathat (02-222.6011 oder 02-222.4981, Sekretariat, oder 02-222-2835, Dhamma Vicaya Hall). Dort haben in den letzten Jahren Tausende Westler Kurse belegt. Weitere herausragende Schulen sind das Suan Mokkh Forest Monastery in Surat Thani (http://www.suanmokkh.org/) und das Wat Phra That in Chiang Mai (053-295.012, http://www.fivethousandyears.org/).
Weitere Informationen, auch über angebotene Kurse bei: Young Buddhist Association of Thailand (www.ybat.org); The House of Dhamma (www.houseofdhamma.com); Wat Sanghathan (www.vimokkha.com); Dhamma Kamala Meditation Centre (www.dhamma.org); Maya Cotomi Foundation (www.watpah sunan.org); Boonkanjanaram Meditation Centre (www.meditationboonkan.org); Wat Pa Nana Chat (www.watpahnanachat.org); Wat Suanmokkhaphalaram (www.suanmokkh.org), und www.dhammathai.org/e/meditation/page1.php.
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