Nachhaltige Palmölproduktion für Bioenergie
Thailand soll als Beispiel für biologische Produktionsprozesse dienen
Kaum ein nachwachsender Rohstoff war bislang derart umstritten wie Palmöl: Einerseits ist die Ölpalme eine Art Wunderbaum. Andererseits kann der Anbau zu einer großen Gefahr für das Klima werden, weil oft große Waldflächen dafür gerodet werden. Nun soll das grüne Öl jedoch klimafreundlich werden.
Die Ölpalme ist eine wahre Wunderpflanze: Ihr Öl ist nicht nur in Lebensmitteln gesund, es veredelt auch zahlreiche Kosmetika, dient der Herstellung von Reinigungs- und Waschmitteln, wird in der Strom- und Wärmeproduktion in Blockheizkraftwerken genutzt, und man kann damit in Form von Biodiesel sogar Auto fahren. Auch der Ertrag der Palme ist mit jährlich bis zu sechs Tonnen Öl pro Hektar extrem hoch. Um so viel Öl aus Sonnenblumen, Soja oder Raps pressen zu können, bräuchte man zehnmal so viel Platz an Anbaufläche. Das Geschäft boomt: Die Weltmarktführer Indonesien und Malaysia haben ihre Anbauflächen in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut, um den stetig größeren Durst nach dem grünen Öl zu stillen.
Auch Thailand zieht mit großen Pflanzprojekten nach. Diese sollen sich jedoch, mit Hilfe der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und dem Bundesumweltministerium, von den konkurrierenden Anbauprojekten erheblich unterscheiden.
Thailändisch-deutsches Projekt
Das thailändisch-deutsche Projekt „Nachhaltige Palmölproduktion für Bioenergie“, eine Initiative, gefördert durch das Bundesumweltministerium, hat sich das Ziel gesetzt, als Teil von sektorweiten Bestrebungen die Palmölproduktion in Thailand zu verbessern. Aufgrund dieser Unterstützung ist der thailändische Palmölsektor momentan dabei, Nachhaltigkeitsstandards einzuführen und eine Kleinbauernzertifizierung zu erarbeiten. Auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Produktion sowie die Wirtschaftlichkeit der Zertifizierung werden kontinuierlich überwacht. Um die Nachhaltigkeitsstandards für die Palmölproduktion in Thailand erfolgreich zu verankern, müssen die lokalen Gegebenheiten, insbesondere die Situation der vielen Kleinbauern, mit einbezogen werden. Durch neue Organisations- und Managementmethoden werden ihre Produktionstechniken optimiert. Für Thailand ist es insbesondere wichtig, dass die Produktivität pro Flächeneinheit steigt. Verbesserte Anbaumethoden und gezielter Düngereinsatz spielen dabei eine wichtige Rolle. Außerdem werden Erntepraktiken und die Zusammenarbeit mit Mühlen und Zwischenhändlern optimiert, um den Ölertag der Früchte zu erhöhen.
Gute Praxisbeispiele und Erfahrungen werden durch Schulungsmaßnahmen für Kleinbauern und durch Multiplikatoren weiterverbreitet. Auf nationaler Ebene initiiert das Projekt einen Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren aus Politik und Wirtschaft im Palmölsektor, um die angepassten Standards zu etablieren und zu institutionalisieren. Wichtige Behörden sowie private Unternehmen und Verbände der Palmölindustrie wurden bereits für das Projekt gewonnen.
Fachtagung schafft neue Perspektiven
Wie eine ökologisch nachhaltige Palmölproduktion gestaltet sein kann, die nicht nur produktiv ist, sondern kleinbäuerlichen Betrieben in Entwicklungsländern Perspektiven eröffnet, war Thema einer zweitägigen Konferenz am 18. und 19. März in Berlin, der Thailand als Beispiel galt. Auf Einladung der GTZ trafen sich zahlreiche Vertreter von Forschungsinstituten, der ölverarbeitenden Industrien, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Entwicklungsfachleute und diskutierten mit den Teilnehmern einer thailändischen Delegation, bestehend aus Palmöl-Mühlenbetreibern, Kleinbauern und Mitarbeitern des Office of Agricultural Economics.
Aufgrund scharfer Kritik an der Palmölproduktion und der politischen Förderung von Bioenergie in der Europäischen Union entstanden zahlreiche Initiativen und Regularien, die die Nachhaltigkeit von Palmöl gewährleisten sollen. Dazu zählen zum Beispiel der „Roundtable on Substainable Palm Oil (RSPO)“ und die „EU Renewable Energy Directive (EU RED)“. Diese Regeln werden über Zertifizierungen der Anbaubetriebe und der Wertschöpfungskette von Palmöl umgesetzt und stellen eine zunehmende Herausforderung für Palmölproduzenten und –verarbeiter dar. Doch die Auswirkungen von internationalen Standards und Zertifizierungssystemen auf Kleinbauern sind umstritten: Denn oft fehlen ihnen die finanziellen Mittel, um die Anforderungen umzusetzen.
Die Fachtagung in Berlin hatte daher das Ziel, Entscheidungsträger, Forschungsinstitute, ölverarbeitende Industrien und NGOs auf das Thema Nachhaltigkeit im Palmölsektor aufmerksam zu machen und zur Diskussion anzuregen. Verschiedene Gastredner gaben einen Überblick bezüglich der Thematik. Die extra zur Konferenz angereiste thailändische Delegation erläuterte die Situation im Königreich und die Herausforderungen bei der Zertifizierung von Palmölanbauern. Außerdem stellten zahlreiche private europäische Betriebe ihre Ansätze zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsstandards vor. Zum Abschluss wurde außerdem über die Marktaussichten von nachhaltig erzeugtem Palmöl diskutiert.
Björn Jahner
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