Gesundheitsministerium startet Penis-Vermessung
Kampagne „Kondome für alle“ mit Maßband
Was sich zuerst wie eine lustige Zeitungsente liest, ist kein Mediengag, sondern eine sinnvolle Aktion, die vom thailändischen Gesundheitsministerium ins Leben gerufen wurde. Ziel ist, der steigenden Anzahl von HIV-Infektionen, vor allem unter Homosexuellen, entgegenzuwirken, indem die Behörde eine Empfehlung für die passende Kondomgröße herausbringt. Es wurde ein spezielles Maßband entwickelt, das landesweit im Rahmen der Kampagne „Kondome für alle“ verteilt werden soll.
Männer können dann mittels eines Wegweisers abmessen, welche Präservativgröße am besten zu ihnen passt. Sinn der Vermessungsaktion ist, die passende und damit sichere Kondomgröße für jedermann herauszufinden.
Die Regierung ist fest davon überzeugt, dass die passende Kondomgröße für einen effizienteren Schutz und angenehmes Tragegefühl unverzichtbar ist. Gemessen werden soll am steifen Penis, heißt es in der aufgedruckten Anleitung. Das Maßband aus Papier zeigt Durchmesser zwischen 49 und 56 Millimetern an. „Das ist die Thai-Standardgröße“, erklärt Doktor Somyos Kittimank- hong von der staatlichen „Anti-Aids“-Abteilung des Gesundheitsministeriums. Inwieweit Personen, deren bestes Stück dünner oder dicker als vorgegeben ausfällt, an der Vermessungsaktion teilnehmen können, ist nicht bekannt.
Hintergrund dieser außergewöhnlichen Kampagne ist der drastische Anstieg von HIV-Infektionen, vor allem unter homosexuellen Männern. Das Ministerium bewilligte bereits ein beachtliches Budget in Höhe von 200 Millionen Baht (entspricht etwa vier Millionen Euro), um Gratiskondome an Homosexuelle und Jugendliche unter 25 Jahren zu verteilen.
Der Fokus der Aktion beruht darauf, dass Männer die richtige Kondomgröße verwenden. Denn zu große Kondome können abrutschen oder den Spaß beim Sex vermindern. Zu kleine Gummis hingegen gelten als unkomfortabel. Laut Gesundheitsministerium tragen diese Fakten dazu bei, dass Paare komplett auf Präservative verzichten und damit das hohe Risiko eingehen, sich mit HIV zu infizieren.
Eine Studie aus dem Jahr 2007 besagt, dass 32 Prozent der homo- und bisexuellen Männer in Bangkok HIV-positiv sind. 2003 lag die Rate der Infizierten bei nur 17 Prozent. Die Kampagne der Regierung zielt darauf ab, die hohe HIV-Rate bis zum Jahr 2011 zu halbieren.
Björn Jahner
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