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Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Raus aus dem Teufelskreis

Am Rande von Pattaya finden Straßenkinder ein Zuhause

Welch ein Festessen: Die Freude über die kulinarische Abwechslung war bei den KindernViele von den Kindern haben Dinge erlebt, über die möchte man besser gar nicht nachdenken.“ Fredy Käser spricht diesen Satz und schaut für einen Moment sehr ernst. Schnell huscht jedoch wieder ein Lächeln über das Gesicht des großen, hageren Mannes mit dem grauen Schnauzbart. Zwei kleine Mädchen laufen vorbei, sie grüßen höflich, wirken glücklich. „Die meisten erfahren hier zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Zuwendung und Geborgenheit. Das nimmt man sehr schnell wahr.“ Tatsächlich gewinnt man beim Besuch des vom Child Protection und Development Center (CPDC) erbauten Heims für Straßenkinder am Rande Pattayas den Eindruck, als wenn den derzeit etwa 30 hier lebenden Kindern ein echtes Zuhause geschaffen wurde. Jene Zuflüchte für die Schwächsten der Gesellschaft sind besonders in Pattaya dringend notwendig. Offizielle Zahlen zu obdachlosen Kindern in der Touristenmetropole gibt es zwar nicht, aber seit Jahren in der Szene arbeitende Streetworker berichten immer wieder von einer verheerenden Dunkelziffer. Das Muster ist fast immer ähnlich: Die Kinder erfahren in ihren Familien ein hohes Maß an Gewalt, oft auch Missbrauch, und sehen ihren einzigen Ausweg im Davonlaufen. So landen sie auf den Straßen Pattayas, sind in jungem Alter bereits völlig auf sich allein gestellt. Die Wirtschaft und damit der Wohlstand sind in Pattaya in den letzten Dekaden zwar stetig gewachsen, sozial benachteiligte Gruppen spüren davon allerdings kaum etwas.
„Es wird hier jeden Tag so vielSo sucht man effektive und staatlich nachhaltig geförderte Programme zum Schutz und zur Förderung von Kindern in Not vergeblich. Für die Betroffenen geht es tagtäglich ums Überleben. Die kriminelle Karriere ist vorprogrammiert. Traurige Wahrheit ist ebenso, dass die Schwelle zur Prostitution an einem Ort wie Pattaya auch für Kinder und Jugendliche sehr leicht zu überschreiten ist. Primitive Drogen zum Vergessen und Verdrängen sind nicht selten die nächste Station in diesem Teufelskreis. Lange Zeit gab es niemanden, an den sich die Straßenkinder wenden konnten – bis der gelernte Erzieher Supagon Noja aktiv wurde. Sein erster Gedanke war simpel: Irgendwo wollte er einen geschützten Platz finden, auf dem er ein Holzhaus errichten und dort Kinder unterbringen konnte. Dieser Plan sprach sich unter den Straßenkindern Pattayas herum wie ein Lauffeuer. Die ersten Kinder folgten ihm noch bevor er überhaupt mit dem Bau des Hauses beginnen konnte. Die obdachlosen Jungen und Mädchen aber zu vertrösten kam dem Streetworker nicht in den Sinn – notdürftig wurden zwei Zelte auf einem mit Schlamm überzogenen Platz errichtet. Da nach und nach immer mehr Kinder nach Noja und seinem Projekt fragten, bat dieser seine beiden Schweizer Freunde Birgit und Egbert Scherer um Hilfe – zu Dritt stellten sie schließlich das Anfangskapital aus eigener Tasche. Dank weiterer Spenden konnten zunächst einfache Baracken, später fünf Holzblockhäuser für die Kinder errichtet werden.
Die meisten Kinder im Heim haben sehr viel Elend erlebt.Vier der Häuser dienen als Schlafplätze, im Gemein-schaftshaus wird gemeinsam gegessen und gebetet. Inzwischen ist es durch weitere private Zuwendungen, die Unterstützung der Deutschen und Schweizerischen Botschaft und des Deutschen Hilfsvereins (siehe Box) gelungen, drei weitere Betonhäuser zu errichten, die inzwischen bezugsfertig sind. Ohne private Spenden und ehrenamtliches Engagement wäre all dies nie möglich gewesen. Oder anders formuliert: Man braucht Menschen wie Fredy Käser. Der Schweizer lebt seit vielen Jahren in Thailand und unterstützt das Child Protection and Development Center wo es nur geht: „Manchmal bringe ich ein paar Säcke Reis vorbei, manchmal Kleidung oder Decken. Es wird hier jeden Tag so vieles benötigt. Schließlich läuft das gesamte Projekt ausschließlich über Spenden.“ Nebenbei ist Käser in jeder freien Minute unterwegs, um neue Unterstützer zu gewinnen, schreibt Firmen in der Schweiz an, organisiert Wohltätigkeitskonzerte und informiert auf seiner Internetseite über die Entwicklung des Projekts. Dort finden sich auf der Spendenliste sogar prominente Namen wie der des Schweizer Fußballidols Murat Yakin oder die gesamte Profimannschaft der Grashoppers Zürich, die den Kindern einmal einen kompletten Satz Fußballtrikots stiftete. Auch an diesem Tag haben Fredy Käser und seine Frau Malee eine Überraschung für die von der Schule zurück kehrenden Kinder vorbereitet.
In diesen Blockhütten lebten die Kinder bisher. InEin großer Grill wird aufgebaut und leckere Spieße vorbereitet: „Das ist ein echtes Highlight für die Kinder. Fleisch gibt es hier nicht so oft, meistens bestehen die Mahlzeiten aus Reis mit ein bisschen Gemüse.“ Nach und nach trudeln die Jungen und Mädchen ein, sie haben den Grill schon von Weitem gerochen, freuen sich, sind ausgelassen.
Es ist heiß und bevor sie den schützenden Schatten zum Essen aufsuchen, gehen sich die Kinder nacheinander waschen. Darauf hinweisen muss sie keiner der drei Betreuer, die
hier mit den Kinder leben. „Das ist in jeder Hinsicht so. Es gibt keinerlei Probleme. Man muss auch am Abend nicht kontrollieren, wann sie ins Bett gehen. Es würde auch keiner mit dem Essen beginnen bevor gebetet wurde. Hier hält sich jeder an die Regeln“, erzählt Käser.
Bei der Frage, warum er sich so sehr für die Kinder engagiert, muss er nicht lange nachdenken. Er deutet auf ein junges Mädchen. „Als sie am Anfang hierher kam, war sie sehr verstört und ließ niemanden außer Noja an sich heran. Besonders zu den anderen männlichen Betreuern und mir hielt sie große Distanz. Heute ist sie wie ausgewechselt. Wenn sie mich jetzt sieht, kommt sie auf mich zu und lächelt. Solch eine Entwicklung beobachten zu können, ist für mich ein echtes Glück.“


Simon Grünke

Deutscher Hilfsverein unterstützt das Projekt

Der Deutsche Hilfsverein unterstützt den Bau von neuen Unterkünften für Straßenkinder durch das Child Protection and Development Center (Human Help Network Foundation) in Pattaya. Die Deutsche Botschaft spendete bereits eine Millionen Baht für den Bau von zwei Häusern. Das dritte Haus wurde von der Schweizerischen Botschaft gesponsert.
Ziel dieser Initiative ist es, den Kindern wieder den Einstieg in ein normales Leben zu ermöglichen, indem sie die Schule besuchen und auch für das tägliche Leben lernen, wie zum Beispiel selbst ihre Wäsche zu waschen oder Hühner und Schweine zu züchten. Später wird es auf dem großen Grundstück auch die Möglichkeit geben, Gemüse selbst anzubauen. Der Hilfsverein besichtigte vor Kurzem den Fortschritt der Bauarbeiten und Franziska Chawla überreichte dem Child Protection and
Development Center einen Scheck in Höhe von 30.000 Baht sowie 36 Kaffeepötte gespendet, von der Firma Förch. Das Projekt benötigt weitere Sach- und Geldspenden.
Beispielsweise soll noch ein Zaun oder besser eine Grenzmauer errichtet werden, ein Grundwasserbrunnen ist geplant, das nötige Geld dazu fehlt jedoch noch. Wer helfen möchte, findet weitere Informationen unter www.dhv-thailand.de.
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