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Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Wenn der harmlose Chat zur Gefahr wird

Kinder werden von der virtuellen Welt angelockt und in der Realität missbraucht

Lala* war in der realen Welt eine ganz normale Schülerin, doch in der virtuellen Welt wurde sie zu einem völlig anderen Wesen. „Sie schien ein ganz normales Schulmädchen zu sein. Doch ihre Fotos, die sie ins Internet stellte, waren weit von diesem Erscheinungsbild entfernt. Völlig enthüllend, man konnte fast alles sehen“, sagt Wichitra Pansaeng von der Rechtsabteilung der nicht-staatlichen Organisation IT Watch, die zur Mirror Foundation gehört. Das Zentrum befasst sich mit Straftaten und Gefahren, die mit der Informations-Technologie in Zusammenhang stehen.

„In der realen Welt hat man vielleicht nur einige Freunde, doch in der virtuellen Online-Welt kann man Hunderte haben. Man muss nur seine Identität verfälschen und sein Profil interessant machen“, meint Kornkanok Sumnaoklang, stellvertretender Chef von IT Watch. „Wer in so einem gesellschaftlichen Internet-Kreis zum Beispiel einen Liebhaber sucht, wird eine Menge Angebote bekommen, darauf könnte ich wetten“, fügt Thitima Meepan hinzu, Leiterin des ebenfalls zur Mirror Foundation gehörenden Informationszentrums zu vermissten Personen, von denen einige durch Betrug im Internet Menschenhändlern in die Falle gingen.

Lalas Mutter erschien eines Tages bei IT Watch und bat um Hilfe, nachdem ihre 13 Jahre alte Tochter mit einem Mann durchgebrannt war, den sie von ihrer Online-Kommune her kannte. Nur wenige Tage später tauchte das Mädchen wieder auf, kehrte jedoch nach kurzer Zeit zu diesem Mann zurück. Als sie schließlich wieder zu Hause vor der Tür stand, hatte sie einige hundert Baht in der Tasche. Seitdem ging sie auch nicht mehr zur Schule.

IT Watch konnte nicht viel über den Mann in Erfahrung bringen, da das Mädchen jede Auskunft verweigerte. Noch schlimmer, auch die Mutter kooperierte nicht mehr mit der Organisation, aus Angst, ihre geliebte Tochter würde erneut davonrennen, wenn sie sich überwacht fühlte.

Doch nach den Beobachtungen von IT Watch, in Zusammenarbeit mit der Polizei, steht für Frau Wichitra fest, dass Lala von diesem Mann sexuell missbraucht wurde. Für diese „sexuellen Akte“ habe sie auch das Geld erhalten.

Lala ist nur eines von vielen Opfern der Schlupflöcher und Fallen der Online-Technologie. Nach den Statistiken von IT Watch wurden im vergangenen Jahr 20 Kinder vermisst, die allesamt von Leuten verführt wurden, die sie bei Online-Spielen oder in Internet-Foren kennengelernt hatten. Glücklicherweise wurden mehr als die Hälfte dieser Kinder gefunden, nach den restlichen wird jedoch immer noch gesucht.

Nach Meinung von Khun Kornkanok wurden Internet, Mobiltelefone und Digitalkameras entwickelt, um das Leben leichter und bequemer zu machen. Doch sie stellen auch potenzielle Gefahren dar, besonders dann, wenn sie in falsche Hände geraten. Deshalb wurde im vergangenen Jahr IT Watch gegründet. Die Hauptaufgabe des Zentrums besteht darin, sofort nach Erhalt der nötigen Informationen nach den durch Internet-Betrug vermissten oder gar entführten Kindern zu suchen, bis sie gefunden werden. Anschließend wird untersucht, was den Kindern angetan wurde, und wenn möglich werden rechtliche Schritte gegen die Täter eingeleitet.

Das Zentrum kümmert sich auch um Kinder, die krankhaft internet-abhängig geworden sind und deswegen dauerhaft die Schule schwänzen. Den Eltern dieser Kinder wird fachmännische Beratung und emotionale Unterstützung angeboten. In den Schulen werden Gruppengespräche und Kampagnen organisiert, um bei Schülern, Lehrern und Eltern das Bewusstsein für die Schattenseiten der Kommunikations-Technologie zu wecken.

Die meisten der Kinder, die auf Internet-Betrug hereinfallen, sind zwischen zwölf und 15 Jahren alt und kommen überwiegend aus armen Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind und daher ihre Sprösslinge nicht genügend beaufsichtigen können. Diese Kinder fühlen sich nach Ansicht der Experten nicht genug beachtet und suchen daher nach Liebe und Anerkennung bei anderen Personen. Das Internet ist hierfür der geeignete Treffpunkt. Hier können sie sich ihre eigene Identität nach Belieben gestalten, sie können Junge oder Mädchen sein, auch beim Alter kann man flunkern. Allerdings wissen sie nicht, dass ihr Kommunikationspartner eventuell ebenso mogelt wie sie selbst. Sie merken dann zu spät, dass ihr virtueller „Freund“ in der Realität beispielsweise ein Sexualverbrecher ist. „Viele Kinder sind nur froh darüber, etwas tun zu können, ohne dass die Eltern sich einmischen“, erklärt Khun Kornkanok. „Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie in eine gefährliche Situation geraten könnten.“

Da sich die Informations-Technologie immer schneller entwickelt, muss sich das Personal von IT Watch die größte Mühe geben, um mit dieser Entwicklung Schritt halten zu können. Das schlimmste Hindernis seien jedoch die Eltern, die zwar das Zentrum um Hilfe bitten, später aber jede Zusammenarbeit verweigern, vor allem dann, nachdem die Kinder wieder aufgetaucht sind. Sie fürchten dann, weitere Ermittlungen könnten unangenehme Dinge ans Tageslicht bringen, die dem Ansehen der Familie schaden und die Kinder für immer aus dem Haus treiben. Der berühmte thailändische Gesichtsverlust dürfte hierbei eine wesentliche Rolle spielen.

„Damit erhalten die Kinder Macht über ihre Eltern, so wie im Fall von Lala, die jetzt selbst entschieden hat, dass sie nicht mehr zur Schule geht. Ihren Eltern bleibt nichts anderes übrig, als ihren Wünschen zu entsprechen“, bedauert Frau Thitima. Heute geht Lala nach wie vor in das Haus dieses Mannes. Sie redet kein Wort darüber, was dort mit ihr geschieht oder was sie tut. Sie geht früh am Morgen und kommt erst spät abends nach Hause, manchmal auch erst am nächsten Morgen. Obwohl jetzt niemand von ihrer Familie noch zu einer Zusammenarbeit bereit ist, gibt IT Watch nach Angaben von Khun Kornkanok nicht auf und will die Wahrheit nach Möglichkeit ans Licht bringen, so wie in anderen Fällen auch.

* Lala ist nicht der richtige Name des Mädchens

 
 
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