Menschheits-Geißel Malaria
Es gibt noch keinen Impfstoff gegen die Tropenkrankheit
Viele werden es kennen: Eine Reise in tropische Regionen ist nahe, aber zuvor stehen noch lästige Impfungen und Vorbeugemaßnahmen gegen tropische Krankheiten auf dem Programm. Ganz oben auf der Liste steht die Tablettenvorsorge gegen Malaria, denn einen Impfstoff gegen diese jahrhundertealte Menschheits-Geißel gibt es noch immer nicht. Doch wie entsteht das gefährliche „Tropenfieber“ eigentlich?
Die Krankheit Malaria trieb schon im alten Ägypten ihr Unwesen – und plagte einst auch große Teile Mitteleuropas. Allerdings hatte man bis weit ins 19. Jahrhundert noch keinerlei Ahnung, wodurch die Krankheit entstand. Der gesellschaftliche Aberglaube schrieb die Krankheit einer höheren Macht zu und nannte sie „den Fluch des Pharaos“. Rationalere Gemüter führten das Fieber auf die üble Luft in den Sümpfen zurück, woher auch ihre europäische Bezeichnung stammt: „mal’aria“ kommt aus dem italienischen und bedeutet „schlechte Luft“.
Im Jahr 1880 gelang es dem französischen Forscher Alphonse Laveran, die Erreger für das Virus zu entdecken: die Plasmodien. Dies brachte ihm 27 Jahre später den Nobelpreis ein. Später fand man heraus, dass bestimmte weibliche Mücken diese einzelligen Parasiten übertragen. „Es gibt vier unterschiedliche Formen des Erregers, die den Menschen mit Malaria infizieren können“, erklärte Frank Mockenhaupt vom Tropeninstitut der Charité in Berlin kürzlich dem „Tagesspiegel“. „Außerdem scheint eine seltene fünfte Plasmodien-Art, durch die vor allem Affen erkranken, gefährlicher zu sein als bisher angenommen.“
Es gibt eine sehr schwere Malaria-Form, die beim Menschen zum Tod führen kann: die sogenannte „Malaria tropica“. Der Parasit gelangt mit dem Speichel der Mücke in den menschlichen Körper und schließlich über das Blut in die Leber, wo er sich in kürzester Zeit einnistet. Das Tückische daran ist, dass der Mensch zunächst einmal keinerlei Symptome bemerkt. Der einzelne Erreger wächst wochenlang in einer Leberzelle heran und vermehrt sich dann durch ungeschlechtliche Teilung. Irgendwann platzen jene infizierten Leberzellen und es können bis zu 30.000 Nachkommen der Parasiten austreten, die wiederum die menschlichen Blutzellen befallen und diese zum Platzen bringen. Dadurch werden mehr und mehr Blutzellen lahmgelegt und der Sauerstofftransport im Körper erheblich erschwert. Hinzu kommt, dass dabei Substanzen freigesetzt werden, auf die die menschliche Immunabwehr heftig reagiert – vor allem mit Fieber.
„Das eigentlich Gefährliche ist aber, dass sich die infizierten Blutzellen – anders als bei den anderen Plasmodienformen – an den Innenwänden der kleinsten Blutgefäße festsetzen können“, erklärte Tropenmediziner Mockenhaupt dem „Tagesspiegel“. Dies ist besonders für das Gehirn sehr gefährlich: Der Erkrankte kann ins Koma fallen oder sogar sterben. Ist die Durchblutung des Gehirns gestört, kann es auch zu Taub- und Blindheit oder Bewegungsstörungen kommen.
Das Abwehrsystem des menschlichen Körpers allein kann mit den boshaften Eindringlingen selten fertig werden. Umso wichtiger ist es, sich vor einer Reise in ein Malaria-Gebiet so gut wie möglich durch vorbeugende Medikamente zu schützen. Wirksame Cremes und Moskitonetze können verhindern, dass es überhaupt zu vermehrten Mückenstichen kommt. Einen Impfstoff gibt es noch nicht, aber in den letzten Jahren haben Forscher auf der ganzen Welt ihre Arbeit daran weiter intensiviert. Denn noch immer erkranken Jahr für Jahr 300 Millionen Menschen an Malaria, von denen über eine Million die Infektion nicht überleben. Falsch ist im Übrigen die teilweise verbreitete Meinung, dass Malaria nach einer ersten Infektion immer wieder komme. Behandelt man die Krankheit korrekt, so heilt sie vollständig aus. |