Bahn und Busse stehen vor Neuanfängen
Regierung will die defizitären Verkehrsbetriebe in Fahrt bringen
Nach privatwirtschaftlichen Kriterien hätten sowohl die staatliche Eisenbahngesellschaft als auch Bangkoks Linienbusbetreiber vor vielen Jahren Konkurs anmelden müssen. Denn beide Unternehmen fahren keine Gewinne ein. Mehr noch: Sie hängen am Tropf des Staates. Ohne Steuergelder müssten sie ihren Betrieb einstellen.
Die State Railway of Thailand (SRT) weist das schlechteste operative Ergebnis aller Staatsunternehmen auf. SRT drücken zudem Pensionslasten in Milliardenhöhe. Ihre finanzielle Notlage kann die Eisenbahngesellschaft auch nicht über höhere Fahrpreise verbessern. Alle Regierungen haben eine Niedrig-Preis-Politik verfolgt und Anträge auf maßvolle Ticketpreisanhebungen abgelehnt. Deshalb stehen den Vermögenswerten in Höhe von 94,4 Milliarden Baht Außenstände in Höhe von 81,5 Milliarden Baht gegenüber.
Jetzt will die Regierung bei der im Jahr 1890 gegründeten SRT das Kommando übernehmen und in den nächsten drei Jahren 300 Milliarden Baht investieren. Mit diesem Geld sollen weite Strecken des fast ausschließlich eingleisigen Netzes zweispurig ausgebaut werden. Das Fernziel lautet: Verdopplung des derzeit 4.129 Kilometer langen Schienenstranges.
Dem Staat geht es weniger um eine schnellere, attraktivere Personenbeförderung. Mit den Investitionen soll der Gütertransport von der Straße auf die Schiene geholt werden. Die SRT kann Speditionen niedrigere Gebühren anbieten, die von Transporten abhängigen Unternehmen klagen ohnehin über verstopfte Straßen und hohe Kraftstoffausgaben.
Bei der Restruktuierung des Verkehrsbetriebes will die Regierung einen neuen Geschäftsplan, ein professionelles Management und einen zeitgemäßen Operationsplan (Logistik) durchsetzen. Nicht auszuschließen, dass bei den Beratungen erneut das Thema „Schnellverkehr“ angeschnitten wird. Industrie und Tourismusbranche der Ostküste fordern seit Jahren eine Hochgeschwindigkeitsverbindung von Bangkok über Pattaya nach Rayong.
Dass ein solcher Plan realisiert werden kann, sowohl finanziell als auch technisch, zeigt sich an Bangkoks Airport Rail Link. Vom Bahnhof Makkasan in der Innenstadt werden voraussichtlich ab Dezember Geschäftsreisende und Touristen mit Tempo 160 zum 28 Kilometer entfernten Internationalen Flughafen Suvarnabhumi gebracht.
Die Bangkok Mass Transit Authority (BMTA) steht mit ihren Verlusten der Staatsbahn in nichts nach. Das staatliche Busunternehmen weist mit 57,3 Milliarden Baht höhere Außenstände aus als seine Vermögenswerte von 42,1 Milliarden Baht. Da bleibt kaum ein Baht für Investitionen.
Um dennoch in den grünen Bereich zu fahren, wird seit mehr als einem Jahr über das Leasen neuer Busse kontrovers diskutiert. Erst sollten es 6.000 Fahrzeuge werden, inzwischen ist das Projekt auf 4.000 erdgasbetriebene und klimatisierte Busse beschnitten worden. Heftig gestritten wird im Kabinett und in der Öffentlichkeit über den Leasing-Preis: Private Firmen fordern fast 70 Milliarden Baht, Politiker sehen die Schmerzgrenze bei 62 Milliarden erreicht. Es gibt weiteren Widerstand: Nicht wenige Politiker und Experten bezweifeln, dass die BMTA den in einem Leasing-Vertrag über zehn Jahre festzulegenden Mietzins einschließlich Kosten für Wartung und Reparatur pro Fahrzeug und Tag einfahren kann. Denn mit dem Ausbau des schienengebundenen Personennahverkehrs würden mehr Hauptstädter vom Bus in die Bahn umsteigen.
Das 1976 gegründete Unternehmen sowie seine privaten Sub-Betriebe befördern in Bangkok und den angrenzenden Provinzen täglich rund drei Millionen Fahrgäste. Eingesetzt werden Tausende Busse mit und ohne Klimaanlage sowie Minibusse. Allein die BMTA bietet 112 Verbindungen an.
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