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Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Der Traum vom schnellen Geld

Auf der „Goldenen Meile“ bieten sich hellhäutige Frauen an

Prostitution ist in Pattaya ein Milliarden-Geschäft. Frauen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion wollen für sich daraus Gewinn schlagen. Nach dem dritten Lady-Drink taut Daeng auf. Die 24-jährige Tänzerin schaut sich um, ob auch niemand zuhören würde. Dann fragt sie: „Willst du das wirklich wissen? Wie es kommt, dass Farang-Frauen an der Stange stehen oder draußen auf der Walking Street auf Kunden warten?“ Ja, das möchten wir wissen: Wie blutjunge, aber auch Frauen in den Dreißigern aus den ehemaligen Staaten der UdSSR in Pattayas „goldener Meile“ anschaffen, ohne dass gleich die Polizei vorfährt und die Ausländerinnen mit auf die Wache nimmt.

„Mafia“, flüstert Daeng verächtlich. „Polizei, einflussreiche Thais, russische Banden“, nennt die bildhübsche Frau aus Udon Thani die Hintermänner. Ohne deren Unterstützung und Schutz würde nichts laufen. Natürlich seien diese Farang für die Thais Konkurrentinnen. „Aber nicht zu sehr. Die Russinnen verlangen hohe Beträge und haben einen anderen Kundenstamm als wir“, weiß die GoGo-Tänzerin. Dann trinkt sie ihr Glas in einem Zug aus und steigt auf die Bühne.

Es sind nicht nur Russinnen, für die die Walking Street in Südpattaya ein einträgliches Pflaster geworden ist. Hellhäutige Frauen kommen ebenso aus Usbekistan, sind mit einem Touristenvisum eingereist und hoffen, dass ihr Traum vom großen Geld in Erfüllung geht.

Nina lebte in Andijon. Ihre Heimatstadt ist von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt. Die 31-Jährige hatte in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet. Ihr Verdienst reichte soeben für den Lebensunterhalt. Nina sah nur einen Weg aus dem tristen Leben – die Prostitution. Jetzt kann sie sich mit dem Geld der Kunden ihre Wünsche erfüllen. In der spartanisch eingerichteten Zwei-Zimmer-Wohnung in Andijon, in der sie mit ihrem 35-jährigen Ehemann und der acht Jahre alten Tochter lebt, stehen inzwischen ein Farb-Fernseher und eine Stereo-Anlage. Finanziert vom Verdienst in Pattaya. Hier lebt Nina von der Hoffnung, weiter schicke Kleider kaufen zu können und auf ein Auto zu sparen.

Diesen Teil ihrer Lebensgeschichte erzählt sie frei und flüssig. Auch dass ihr eine ältere Bekannte in der Hauptstadt Taschkent das Geld für Visum und Flugticket vorgestreckt hatte. Als wir die Stichworte organisierte Kriminalität, Frauenhandel, Zuhälter, Zwang und Schulden ins Gespräch einbringen, steht die 31-Jährige wortlos auf und geht mit schnellen Schritten davon. Dennoch glauben wir: Nina zählt zu den Frauen aus den Staaten der ehemaligen UdSSR, die sich freiwillig auf die Ausübung der Prostitution eingelassen haben und eine relativ große Freiheit genießen. Frauen, die in ihrer Heimat nicht Prostituierte waren, auch gebildete Frauen, die es gewohnt waren, ihren Körper zu pflegen, verheiratete und unverheiratete, die eine bessere Zukunft suchten.

Professionelle Menschenhändler bzw. Schlepperbanden wissen von der Hoffnung vieler Frauen auf schnell verdientes Geld. Sobald diese in Thailand angekommen sind, werden sie gnadenlos ausgenutzt und wie Ware behandelt, berichteten mehrfach lokale Medien. Die Ausländerinnen erhalten meist nur einen Bruchteil des Verdienstes und werden durch physische Gewalt sowie durch die Drohung, man liefere sie der Immigration aus, gefügig gemacht.


Die berüchtigte Walking Street in Südpattaya: Ultimativer Treffpunkt für Nachtschwärmer, GoGo-Bar-, Pub- und Disco-Gänger sowie Schaulustige aus aller Welt. Dass Frauen aus der Sowjetunion in Pattaya anschaffen gehen, ist nicht neu. Bereits am 22. April 1998 berichtete die englischsprachige Bangkok Post unter der Überschrift „Pattaya: Murder, prostitution and tourists“, Polizei und weitere Behörden würden die zunehmende Zahl russischer Prostituierten hinnehmen, „weil sie keine Schwierigkeiten machen“. Über 60 Prozent ihrer Kunden wären führende Staatsdiener einschließlich Polizisten. Einige würden für die Spezialdienste nicht bezahlen, so wohlhabende und mächtige Thais. Damals, also vor über zehn Jahren, kosteten diese Spezialdienste bereits zwischen 3.000 und 6.000 Baht. Die Bangkok Post verschwieg nicht, dass eben diese mächtigen Thais die ausländischen Frauen schützten.

Sie waren Teil eines Schlepper-Netzwerkes und wurden in Pattaya ausgebeutet. Banden-Mitglieder nahmen ihnen bei der Ankunft auf dem Flugplatz den Pass ab und setzten sie ständig unter Druck. Die Frauen lebten in großer Angst und mussten viele Stunden arbeiten. Wenn sie nicht kooperierten, wurden sie oder ihre Familie im Heimatland mit dem Tode bedroht, schrieb die Bangkok Post weiter.

Im Laufe der Jahre, wohl auch wegen der schärferen Konkurrenz, sind die Preise für einen begleitenden Service gefallen. Heute sollen Frauen aus dem ehemaligen sowjetischen Imperium mit 1.500 bis 3.000 Baht einverstanden sein – allerdings nur für „Short time“. Bei „Long time“ müssen Männer mit 5.000 Baht rechnen. In der Spitze sollen die Preise für eine Nacht bei sehr jungen und gut aussehenden Frauen gar bei 20.000 Baht liegen. Ihre Kunden sind vermögende Männer, Thais und Farang, aber auch arabische Urlauber, die sie in einschlägigen Discos treffen.

Ausländerinnen und ihre Hintermänner partizipieren vom blühenden Sex-Geschäft. Die Stadtverwaltung gibt die jährlichen Einnahmen der lokalen Tourismusindustrie mit 60 Milliarden Baht an. Eine beträchtliche Summe wird dem Sextourismus zugeschrieben.

Razzien, bei denen Pattayas Polizei als Prostituierte arbeitende Ausländerinnen festnehmen, werden als Alibi-Veranstaltungen verstanden. Dann und wann muss diese staatliche Institution halt Flagge zeigen. Von der Walking Street werden einige Frauen aus Usbekistan oder anderen Ländern mit auf die Wache genommen. Dort angekommen, zeigen sich die Beamten überrascht, wenn ihnen einige Frauen ein Touristenvisum mit Multiple Entrys zeigen. Das entspricht einer ein Jahr gültigen Aufenthaltsgenehmigung. Entweder werden die vorüber Festgenommenen nach einer kurzen Belehrung und Zahlung eines Bakschischs wieder freigelassen oder in Abschiebehaft genommen.

 
 
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