Thailändische „FBI“-Ermittler in der Kritik
Spezialeinheit fordert bessere Ausbildung und plant eine Akademie
Bei Gründung des Department of Special Investigation (DSI) am 3. Oktober 2002 stand das Federal Bureau of Investigation (FBI) Pate. Die Sonderermittlungsbehörde soll, wie ihr amerikanisches Vorbild, Verbrechen vorbeugen und bekämpfen sowie Angriffe auf die Sicherheit des Staates, auf Wirtschaft und Gesellschaft rechtzeitig unterbinden. Doch bis heute hat das DSI die in der Öffentlichkeit geweckten Erwartungen auf Gerechtigkeit und Effizienz nicht erfüllt. Kritiker führen mangelnden Sachverstand, halbherzige Ermittlungen und unzureichende Ausbildung der Beamten an, die Leitung verweist auf ständige Einmischung und Druck staatlicher Stellen und nicht staatlicher Organisationen.
Fest steht: Die dem Justizministerium unterstellte Behörde hat bereits drei Chefs verschlissen. Zwei traten zurück, ein weiterer wurde auf einen anderen Posten versetzt. Der jetzige Leiter Pol. Col. Tawee Sodsong ist seit April letzten Jahres im Amt und bei Polizeibehörden umstritten.
Angekreidet wird dem DSI vor allem seine erfolglose Ermittlung im Fall des verschwundenen Menschenrechtlers und Rechtsanwalts Somchai Neelapaijit. Der ehemalige Vorsitzende der Thailand`s Muslim Lawyers Association und Vizepräsident des Human Rights Commitee of the Lawyer`s Council of Thailand wurde zuletzt am 12. März 2004 in Bangkok gesehen. Zeugen berichten, ein Polizeimajor habe den Muslimanwalt in ein Auto gezerrt. Seine Familie und internationale Organisationen wie Amnesty International vermuten, dass der Jurist von Gegnern umgebracht worden ist.
Die Ermittler sagen, sie hätten viel Zeit und Geld investiert, aufgefundene Leichen bzw. Knochen über einen DNA-Abgleich untersucht und die forensische Abteilung des FBI um Unterstützung gebeten. Bis heute konnte das DSI keine Fortschritte vermelden. Menschenrechtsgruppen werfen dem DSI schlampige Arbeit vor. Und: In dem Fall des verschleppten Anwalts seien hohe Polizeibeamte verstrickt.
Die Ermittlungsbehörde ist nicht auf Mordfälle spezialisiert. Die Mitarbeiter verstehen sich auf Urkundenfälschung, Menschenschmuggel, Geldwäsche, Drogenhandel, Erpressung, Entführung und finanzielle Straftaten. Die inzwischen 744 Frauen und Männer kommen aus unterschiedlichen Behörden wie Zoll, Finanzamt, Staatsanwaltschaft, Polizei und Militär. Sie arbeiten im Hauptquartier an der Bangkoker Chaeng Wattana Road, aber auch „undercover“, als verdeckte Ermittler. Und weil sie höhere Gehälter als ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Königlichen Polizei beziehen, werden sie beneidet und angefeindet. Immer wieder muss der Justizminister ein Machtwort sprechen, damit dem DSI ein außergewöhnlicher Fall übertragen wird.
Jetzt will die Spezialeinheit mit ihrem Vorbild FBI gleichziehen und eine Ausbildungsstätte schaffen – ähnlich der weltweit bekannten Akademie in Quantico (Virginia). Sie soll 450 Millionen Baht kosten und auf einem 33 Rai großen staatlichen Areal im Distrikt Nong Chok errichtet werden, im Osten der Hauptstadt. Thais, aber auch ausländische Experten, sollen über Ermittlungsarbeit und Einhaltung der Gesetze dozieren. Tagungsteilnehmer werden nicht nur Polizisten sein, sondern Vertreter unterschiedlicher staatlicher Organisationen wie Justiz und Finanzverwaltung.
Die Initiative für eine hochwertige Ausbildung der Spezialkräfte geht von Pol. Col. Tawee Sodsong aus. Er plant mehrere Gebäude, für Konferenzen und zur Unterbringung von mehreren hundert Teilnehmern, weiter ein Trainings- und Sportgelände, Swimmingpool, Schießstand und reichlich Parkplätze. |