Botschaften sind keine Bank-Filialen
Hohe Erwartungshaltung prägt das Verhalten mittelloser Ausländer
Ausgebrannt, abgebrannt, gestrandet… Für viele, zu viele Ausländer wird das gelobte Land zur Endstation. Mittellos müssen sie Apartment oder Hotelzimmer räumen, übernachten am Strand, unter Brücken oder Überführungen und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Betteln, Gaunereien, Betrügereien und Diebstahl. So nahm die Polizei vor wenigen Wochen in Bangkok einen 64-jährigen Deutschen fest. Er hatte unter Bushaltestellen geschlafen und sich von Opfergaben an Schreinen ernährt. Aus Verzweiflung steckte er Telefonhäuschen in Brand.
Neben angetrunkenen und aggressiven Besuchern muss sich Österreichs Honorarkonsul Rudolf Hofer immer wieder mit in Pattaya gestrandeten Männern herumschlagen. Eine zu hohe Erwartungshaltung prägt ihr Verhalten. Sie fordern Hilfe, das heißt finanzielle Unterstützung, und glauben, sie hätten darauf Anspruch. „Wir geben nicht einmal einen geringen Bargeldbetrag. Botschaften und Konsulate sind keine Bankfilialen, erst recht keine ATMs, auch keine Reisebüros zum Ausstellen eines Flugtickets“, stellt der Konsul mit österreichischem und deutschem Pass richtig.
Jeder Auswanderer und Langzeittourist sollte vor der Ankunft in Thailand einen Plan B haben, also für eine Schieflage vorsorgen. Das kann eine schwere Krankheit oder ein Unfall sein. Unbürokratisch und schnell helfen Botschaften Staatsangehörigen bei Katastrophen, wie Ende 2004 beim Tsunami in Südthailand und 1997 beim verheerenden Hotelbrand im Royal Jomtien Resort.
Hofer bewertet seine österreichische und deutsche Klientel nach drei Kriterien:
• Legal arbeitende Frauen und Männer, Rentner und Pensionäre sowie Langzeittouristen mit einem dem lokalen Lebensstandard angemessenen Einkommen, ausreichender Krankenversicherung sowie finanziellen Rücklagen für den Notfall.
• Frauen und Männer mit einer geringen Rente oder niedrigen Überweisungen aus der Heimat, oft ohne Krankenversicherung. Schon Unregelmäßigkeiten oder Unvorhergesehenes wie Krankheit oder Unglück können eine finanzielle Katastrophe auslösen.
• Mittellose Ausländer, die sich ständig von Freunden oder Bekannten Geld leihen (und es niemals zurückzahlen), bei Landsleuten schnorren oder von kleinen Betrügereien und Diebstählen leben.
Wer unverschuldet in eine Notlage gerät, wird bei Botschaften und Konsulaten Gehör finden: nach Unfällen, Überfällen oder einem Hotelbrand, wenn der Resident oder Urlauber plötzlich ohne Geld und Dokumente dasteht. Botschaftsmitarbeiter stellen Kontakte her zu Familie, Freunden, Bekannten, Fluggesellschaften oder Reisebüros. Sobald ein Polizeireport über den Verlust des Reisepasses vorliegt, stellt die Landesvertretung einen Ersatzpass aus. Bei Vorlage eines Schreibens der Botschaft über den Verlust des alten Passes erteilt die Immigration ein neues Einreise- und Aufenthaltsvisum.
„In allen anderen Fällen haben die Hilfe-Suchenden ihre finanzielle Notlage selbst verschuldet“, sagt der Honorarkonsul. Kürzlich betrat ein Deutscher, etwa Ende 30, sein Büro. Er gab an, ihm seien Geld, Pass und Kreditkarten gestohlen worden. Hofer bot ihm an, bei seiner Bank in Deutschland einen Geldtransfer zu veranlassen. Den Betrag könne er im Konsulat abholen. Der Deutsche nörgelte, ohne Reisepass gäbe es doch keine Überweisung und wollte später wiederkommen. Hofer hat den Bittsteller seitdem nicht mehr gesehen.
In Schieflage geraten häufig Residenten, die seit vielen Jahren in Pattaya wohnen und von Zuwendungen ihrer Familie leben. Die oftmals nicht begüterten Eltern überweisen jeden Monat zwischen 300 und 700 Euro und verzichten auf Vieles. Braucht die Familie dringend ihre gesamten Einnahmen oder sterben die Eltern, bedeutet das für den Sohn: Endstation Pattaya. Er kann seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Er bettelt, betrügt oder raubt, lebt von der Hand in den Mund.
Botschaften machen beim Thema Geld eine einzige Ausnahme. Sie gilt für Staatsangehörige, die lange Zeit in Thailand im Gefängnis saßen und in der Abschiebehaft auf ihren Rückflug warten. Die Landesvertretung gewährt einen Kleinkredit, besorgt ein One-Way-Ticket, lässt sicher aber per Unterschrift beglaubigen, dass der Heimkehrer sobald wie möglich seine Schulden begleicht. |