Kritik am Königshaus ist tabu
Ausländer stolpern immer wieder in die Gesetzesfalle
Bei Majestätsbeleidigung kennen Thailands Behörden kein Pardon. Wenn Thais oder Ausländer Mitglieder der königlichen Familie kritisieren, auch nur in Andeutungen beleidigen oder verleumden, stehen sie vor Gericht. Dann setzt der Richter das Strafmass unnachgiebig fest. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren. Für jeden einzelnen Verstoss! Bei mehreren droht eine Haftzeit von 50 oder gar mehr Jahren.
König Bhumibol Adulyadej ist unantastbar und wird wie ein Halbgott verehrt. Er ist der Schirmherr der Nation, religiöses Oberhaupt und so oberster Zeremonienmeister aller buddhistischen Riten. Deshalb gebührt seinen Herrschaftssymbolen äusserster Respekt. Die Verehrung des Königs kommt im Abspielen der Königshymne morgens um 8 und noch einmal um 18 Uhr zum Ausdruck. Und in jedem Kinosaal erscheint vor dem Hauptfilm der König auf der Leinwand. Zur Hymne erheben sich die Kinobesucher von ihren Sitzen.
Thailand hat strikte Gesetze wegen Majestätsbeleidigung. Wer dagegen verstösst, kann sich nicht auf die freie Meinungsäusserung berufen. Auch deshalb halten die meisten Thais den Mund. Ausländer stolpern hingegen in die Gesetzesfalle. Als Majestätsbeleidigung gilt schon, eine Münze oder einen Geldschein mit dem Fuss zu berühren. Denn die Währung trägt das Portrait des Königs.
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Schlagzeilen der letzten Zeit:
• Der australische Autor Harry Nicolaides wurde im Januar wegen Majestätsbeleidigung zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach thailändischen Massstäben ein mildes Urteil. Der 41-Jährige hatte in 2005 einen Roman verfasst. In der Schilderung eines fiktionalen Prinzen sahen die Richter eine Verleumdung des Königshauses. Was der Schriftsteller genau beschrieb, ist unbekannt. Lokale Medien würden selbst Anklagen riskieren, wenn sie aus dem Buch zitierten. Als Nicolaides im August letzten Jahres auf dem Bangkoker Flughafen Suvarnabhumi seine Maschine verliess, wurde er festgenommen. Jetzt hofft der Australier auf die Begnadigung durch den König.
• Der Monarch hatte vor eineinhalb Jahren einem Schweizer seine Gefängnisstrafe erlassen. Der damals 57-Jährige hatte in Chiang Mai in angetrunkenem Zustand mehrere öffentliche Portraits des Königs mit schwarzer Farbe besudelt. Die Strafe fiel drakonisch aus. Ein Gericht verurteilte den Mann zunächst zu 20 Jahren Haft. Der Richter reduzierte die Strafe aber umgehend auf die Hälfte, weil der Mann seine Schuld zugegeben hatte.
• Wegen Majestätsbeleidigung soll sich weiter Giles Ji Ungpakorn verantworten. Der Professor für politische Wissenschaften an der Chulalongkorn-Universität in Bangkok gilt als schonungsloser Kritiker des Militärputsches von September 2006, von Politikern und Militärs. Ihm wird vorgeworfen, in seinem Buch „A Coup for the Rich“ und auf seiner Website die Monarchie verunglimpft zu haben. Der Dozent und bekennende Marxist beruft sich auf die Demokratie und die Meinungsfreiheit und wollte die Anklage anfechten – ein in Thailand beim Strafbestand Majestätsbeleidigung aussergewöhnlicher Schritt. Inzwischen hat er sich nach England abgesetzt, weil er keinen fairen Prozess erwartet.
• Ende Januar wurde die Ausgabe des britischen Wirtschaftsmagazins „The Economist“ zum zweiten Male innerhalb von zwei Monaten in Thailand nicht ausgeliefert. „Wegen eines Artikels über die Monarchie“, hiess es bei der Vertriebsfirma Asia Books. Das Magazin hatte ausführlich über den wegen Majestätsbeleidigung zu drei Jahren Haft verurteilten Autor Harry Nicolaides berichtet. Bereits Anfang Dezember hatte der „Economist“ selbst auf einen Verkauf des Magazins in Thailand verzichtet, weil die Ausgabe einen kritischen Beitrag über König Bhumibol Adulyadej enthielt.
Die neue Regierung hat sich den Kampf gegen die Verunglimpfung der Monarchie zu Eigen gemacht und zählt ihn zu ihren wichtigen politischen Vorhaben. Deshalb sperren Behörden zunehmend Internetseiten, die aus ihrer Sicht kritisch über das Königshaus berichten. Bisher wurden über 2.300 Webseiten geschlossen. Mehrere hundert stehen noch auf der Liste des Informationsministeriums.
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Heilige Symbole respektieren
Von Touristen wird Respekt vor den Symbolen des Glaubens erwartet. Zu den heiligen Symbolen zählen in Thailand vor allem Buddhadarstellungen in jeder Form. Ihre respektlose Behandlung gilt als schweres Sakrileg. Ausländer sollten sich nie an eine Buddhastatue lehnen oder sie erklettern. Im Extremfall könnten Urlauber in einer Gefängniszelle über ihr Vergehen nachdenken. Heilig ist ebenso der Bodhi-Baum. Unter ihm erfuhr Buddha die Erleuchtung.
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