Bevölkerung soll wissen, warum sie leidet
Rayong: Behörde will Details über Schadstoffe veröffentlichen
Die von einer starken Umweltverschmutzung betroffene Provinz Rayong ist vom Pollution Control Department (PCD) für ein Pilotprojekt ausersehen worden. Nächstes Jahr soll die Bevölkerung erfahren, welche chemischen und giftigen Stoffe die Betriebe verwenden und mit welchen Substanzen sie Luft und Gewässer in welchem Umfang verseuchen. Das PCD sieht erheblichen Aufklärungsbedarf. „Die Bürger haben ein Recht, Details über die Verschmutzung zu erfahren. Wir rechnen bei der Auflistung auf die volle Unterstützung der Unternehmen“, sagt ein Sprecher der staatlichen Behörde.
In Rayong kämpfen Einwohner seit Jahren gegen die zunehmende Umweltzerstörung. Die Schäden haben ein nicht mehr vertretbares Ausmass erreicht. Durch ihre Emissionen vernichtet die Industrie den Lebensraum von Mensch und Tier. Erde, Luft und Wasser sind nicht nur in der Nähe von Industrieanlagen stark verunreinigt. Als Folge leiden viele Menschen an Hautausschlägen und Atemwegsbeschwerden.
Die Umweltorganisation Greenpeace sieht das Leben und die Gesundheit der Bewohner in höchster Gefahr. Sie fordert von der Regierung, die Provinz zu einer besonderen Schutzzone zu erklären sowie Abgase und Abwässer nachhaltig zu kontrollieren. Die Regierung verschliesst ihre Augen nicht vor diesen drängenden Problemen, geht sie aber nach Meinung von Umweltschützern zu nachsichtig an.
Nach einer aktuellen Studie des Gesundheitsministeriums sterben in Rayong 88 von 100.000 Einwohnern an Krebs. Das ist die höchste Krebs-Sterberate in ganz Thailand! Eine aussergewöhnlich hohe Zahl von Krebserkrankungen wird nicht nur aus Rayong, sondern auch aus angrenzenden Gebieten gemeldet. Die Luft-Wasser-Verschmutzung durch toxische Gase, Flüssigkeiten oder Giftmüll breitet sich aus.
In den zwölf Industriegebieten der östlichen Provinz haben sich in den letzten Jahrzehnten über 500 Unternehmen angesiedelt. Darunter sind Grossbetriebe der Petrochemie, Schwerindustrie, Kraftwerke und mehrere Autofabriken. Für die umfangreichsten und gefährlichsten Emissionen sind Chemiewerke verantwortlich.
Betriebe sollen für die im kommenden Jahr geplante Auflistung der Emissionen eine exakte Aufstellung ihrer verwendeten Stoffe sowie Details über Abgase und Abwässer liefern. Das PCD glaubt fest, dass Rayongs Industrie mit allen erforderlichen Angaben herausrückt. Zumal sie dazu nach dem Gesetz verpflichtet ist. „Wir wollen nur diese Informationen, über Produktion und deren Abläufe geht nichts an die Öffentlichkeit“, heisst es bei der Behörde. Sie will nur die für Mensch und Tier gefährlichen Chemikalien und die auf Mülldeponien angelieferten Stoffe den Bürgern bekannt machen.
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