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Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Neue Lehrer braucht das Land

Neben Schülern verzweifeln Ausländer am thailändischen BildungssystemAn Thailands Schulen gibt`s ein auffälliges Bildungsgefälle.

Schule bedeutet in Thailand weitaus mehr Stress als in Westeuropa. Für Schüler, Eltern und Lehrer. Farang beklagen, dass sie das Bildungssystem nicht hinreichend durchschauen und nur Defizite feststellen: Lehrer seien auf ihren schweren Job nicht hinreichend vorbereitet, Pädagogik sei für sie ein Fremdwort. Schulen erwarteten von ihren Schülern bei den Prüfungen Wissen, das sie im Unterricht nicht erworben hätten, und forderten von den Eltern ständig Geld. Lehrstoff und Unterrichtsmethode seien im Vergleich zu internationalen Standards erschreckend altmodisch und für ein aufstrebendes Schwellenland ungeeignet.

Hinter Familien, deren Kinder in den letzten Monaten Vorprüfungen für die Aufnahme an Universitäten in 2009 ablegen mussten, liegt eine anstrengende Zeit. Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen reisten durchs Land, oft von ihren Eltern begleitet, um an verschiedenen Unis Tests zu bestehen. Während z.B. in Deutschland die Abi-Note für den angestrebten Studiengang ausschlaggebend ist, nehmen Thailands Universitäten Jugendliche nach einem Quotensystem auf, das Ausländer nicht verstehen. Sie wundern sich, dass Mädchen und Jungen sich gleich für ein halbes oder gar ein Dutzend unterschiedlicher Studiengänge anmelden in der Hoffnung, mindestens eine Prüfung zu bestehen.

Mit diesem Roboter gewann ein Team der Chulalongkorn-Universität den „World Rescue Robot Competition“ in China. Auf den Plätzen landeten Studenten aus Iran, Deutschland und Japan. In den beiden Jahren zuvor waren jeweils angehende Ingenieure der thailändischen King Mongkut’s University of Technology erfolgreich.Fakt ist: Die meisten Schulabgänger der Secondary School möchten studieren. Doch den Hunderttausenden stehen nur eingeschränkt Studienplätze zur Verfügung. Also wird gesiebt, nur die besten Schüler schaffen die Tests. Davon war ein Österreicher überzeugt. Sein Adoptivsohn brachte zum Halbjahresschluss von der High School die Note 3.94 mit nach Hause (in Thailand wird von 4 bis 1 bewertet, 1 ist die schlechteste Benotung). Der Vater sah den Prüfungen gelassen entgegen und verstand die Schulwelt nicht mehr, als sein Sohn mehrfach durchrasselte. In Gesprächen mit anderen ausländisch-thailändischen Familien erfuhr der Wiener: Zwischen den Landesteilen – hier Grossstädte, dort ländlich strukturierte Gebiete – gibt`s ein auffälliges Bildungsgefälle. Selbst zwischen Schulen in einer Stadt. Und unter Experten ist es kein Geheimnis: Zahlreiche Schulen „schönen“ bei der Benotung. Sie wollen ihr Gesicht bewahren und bei der Anmeldung von Lernanfängern nicht geschnitten werden.

Seit dem Jahr 2006 bewerten Kommissionen landesweit Schulen. Bisher haben die Experten 22.811 der insgesamt 35.500 Schulen der Prathom- und Mathayom-Stufe (Primary: Klassen 1 bis 6, Secondary: Klassen 7 bis 12) aufgesucht. 4.000 Lehranstalten haben von der Aufsichtsbehörde vorgegebene Tests nicht bestanden. Die Behörde sieht diese Schulen im Koma, wertet das als alarmierendes Zeichen und fordert umgehende Investitionen in eine verbesserte Ausbildung der Lehrer und in eine bessere Ausstattung der Schulen.

Am Geld allein kann`s nicht liegen, wenn die Jugend die Lernziele verfehlt. Denn in den letzten Jahren haben die Regierungen Milliarden für Erziehung und Bildung bereitgestellt. Doch die meisten Gelder kommen Lehranstalten in Grosstädten zugute, die Dorfschulen gehen leer aus. Die Bildungsschere klafft weit auseinander. Deshalb wollen Eltern ihre Kinder an renommierten Schulen unterbringen und sind gewillt, die Aufnahme durch einen stattlichen Geldbetrag zu forcieren.

Politiker sehen die Crux bei den Lehrern und erinnern an grobe Fehler der Vergangenheit. Da wurden Landschulen mit Computern ausgestattet, obwohl kein Lehrer die Technik beherrschte. Gefordert wird heute eine längere und qualitativ bessere Ausbildung der Pädagogen an Hochschulen.

Thailands Jugend ist aufnahme- und lernfähig wie Schüler westlicher Länder. Davon zeugen zahlreiche Preise, die High-School-Schüler oder Studenten, vor allem in den Naturwissenschaften, auf internationalen Wettbewerben gewannen. Und Bangkoks Prestige-Uni, die Chulalongkorn, wird unter den 200 besten Universitäten weltweit aufgeführt.

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