Lohnende Abstecher in die Wildnis
Forstverwaltung will Privatunternehmen Lizenzen für Nationalparks erteilen
Die Geschichte der Nationalparks reicht weit zurück in die 50er Jahre. In eine Zeit, als Jäger und Wilddiebe mit modernen Waffen Tiger, Elefanten und Krokodile jagten, als im Dschungel Teakbäume ohne Aufforstung abgeholzt wurden. Damals war mit der Bevölkerungszahl der Bedarf an natürlichen Ressourcen stark gestiegen. Als Folge wurde Wald gerodet und als Ackerfläche genutzt. Tiere verloren ihren Lebensraum, einige Spezies standen vor der Ausrottung.
Naturfreunde um den Gründer des Wildlife Fund Thailand, Prof. Dr. Boonsong Lekakum, machten sich für den Schutz der Umwelt und die Schaffung von Nationalparks stark. Es sollten aber noch viele Jahre ins Land gehen, bis Ministerpräsident Sarit Thanart 1959 bei einer Reise in den Norden des Landes zerstörte Waldgebiete sah. Zurück in Bangkok, schlug er der Regierung ein System von Schutzgebieten vor. Es war die Geburtsstunde der Nationalparks.
Fast ein halbes Jahrhundert später gibt es landesweit 150 Nationalparks. Erst im August hatte die für die Naturschutzgebiete zuständige Behörde, das National Park, Plant and Wildlife Conservation Department, weitere 17 Gebiete unter Schutz gestellt. Damit stehen über 15 Prozent des Landes unter Naturschutz – das ist weltweit eine der höchsten Raten. Neben den Nationalparks sind es Meeresparks, Wildparks und Naturreservate mit spektakulären Naturschönheiten.
Gebirge, Pinienwälder und Grassavannen prägen die im Norden gelegenen Parks, während im Süden der tropische Regenwald überwiegt und es an den Küsten Korallen- und Wasserwelten zu entdecken gilt. Die Schutzgebiete sind bei Thais und ausländischen Touristen gleichermassen beliebt. Sie wandern auf schmalen Pfaden durch die Natur, picknicken oder baden unterhalb eines Wasserfalls. In den meisten Nationalparks können preiswerte Unterkünfte gemietet werden, auf ausgewiesenen Flächen ist das Zelten erlaubt. Im Umfeld der Schutzgebiete sind zumeist Resorts oder Hotels angesiedelt.
Die Parks werden von Rangern verwaltet. Die Mitarbeiter der Forstbehörde kümmern sich um die Pflege und den Erhalt der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Sie bewahren das kulturelle Erbe des Landes und lenken die Besucherströme auf die richtigen Wege.
Künftig sollen sich die Ranger auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Deshalb will die Aufsichtsbehörde erstmals Privatunternehmen Konzessionen für Unterkünfte, Restaurants und Geschäfte in Schutzzonen erteilen. Die Verträge sollen über 30 Jahre laufen. Das National Park, Plant and Wildlife Conservation Department erhofft sich von seiner Entscheidung erhebliche Einnahmen und bessere Dienstleistungen für Millionen Besucher. Bei Natur-, Umwelt- und Tierschutzgruppen ist die Lizenzvergabe auf schärfste Kritik gestossen. Tausende haben bereits eine Petition an das Office of Natural Resources and Environment unterzeichnet. Deshalb planen die Behörden eine öffentliche Anhörung, und die Forstverwaltung will Lizenzen nur für von Besuchern intensiv genutzte Zonen vergeben.
Geplant sind Lizenzen für zehn Parks: Khao Yai National Park in Nakhon Ratchasima, Erawan National Park in Kanchanaburi, Kaeng Krachan National Park in Phetchaburi, Phu Kradung National Park in Loei, Mo Ko Similan National Marine Park, Mo Ko Surin National Marine Park und vier Parks in Chiang Mai: Doi Inthanon, Pha Hom Pok, Huai Nam Dang und Doi Suthep-Pui.
Das National Park Act aus dem Jahr 1961 schreibt den Schutz der natürlichen Ressourcen fest. Die Parks sollen in ihrem natürlichen Zustand belassen und ausschliesslich der Schulung und der Entspannung dienen. Sie sind beliebte Ziele zum Naturstudium, für Trekking, Tauchen, Wildwasser-Rafting, Kajak und Fahrradtouren.
Als erster Nationalpark wurde am 8. September 1962 Khao Yai im Nordosten des Landes eröffnet. Das 2.172 Quadratkilometer grosse Schutzgebiet liegt in den Provinzen Nakhon Ratchasima (Korat), Saraburi, Prachin Buri und Nakhon Nayok. Thailands drittgrösster Nationalpark mit der Dong-Phaya-Yen-Bergkette steht seit Juli 2005 auf der Liste des Welt- und Naturerbes der UNESCO. Mit fast 3.000 Quadratkilometern ist Kaeng Krachan in der Zentralregion, rund 50 Kilometer nordwestlich des Ferienortes Cha-am, der grösste Nationalpark. Seine Fläche macht fast die Hälfte der Provinz Petchaburi aus. Ein beliebtes Ziel ist die Talsperre mit seinem 58 Meter hohen und 760 Meter langen Staudamm.
Falls Ausländer während ihrer Ferien richtigen Dschungel erleben wollen, sind sie auf die geschützten Regenwälder in der Nähe ihres Urlaubsortes angewiesen. Hier herrscht überwiegend noch die wilde Natur mit Höhlen, felsigen Klippen, kühlenden Wasserfällen, und in den Meeresparks wie Koh Chang, Koh Similan oder Koh Ang Thong finden Besucher feinsandige, weisse Traumstrände mit türkis-farbenem Wasser - fernab von Hotels und Tourismus.
Der Artenreichtum sowohl der Tier- als auch der Pflanzenwelt Thailands gehört weltweit zu den prächtigsten und exotischsten. Unter ihnen sind Feigen, Farne, Pilze, Lianen und Rattanpalmen. Es gibt über 70 verschiedene Säugetier-Arten, darunter wilde Elefanten, Tiger, Gibbons, Hirsche, Wildschweine und Wildhunde. Vogelliebhaber kommen voll auf ihre Kosten, denn mehrere hundert verschiedene Arten können beobachtet werden.
Dass Touristen in den Schutzgebieten kaum ein wildes Tier zu Gesicht oder vor die Linse bekommen, liegt an den ausgeschilderten Pfaden. Hier konzentriert sich die Menschenmasse und sorgt dafür, dass die Tier- und Pflanzenwelt an anderen Orten verschont wird.
Bei Millionen Entspannung und Natur suchenden Besuchern kommt es immer wieder zu Interessenkonflikten zwischen der Erhaltung von Natur und Landschaft einerseits und der Nutzung durch den Menschen andererseits. Die menschlichen Eingriffe sind von unterschiedlicher Qualität und Intensität. Allein durch ihre enormen Zahlen verändern oder zerstören die Besucher von Nationalparks oft unwissentlich die Landschaft oder stören die Tier- und Pflanzenwelt, welche die eigentliche Attraktion des Parks darstellen.
Weitere Infos zu den Nationalparks, auch zu den Eintrittspreisen, und Online-Reservierungen von Unterkünften im Internet unter: www.dnp.go.th.
Die 17 neuen Schutzgebiete
- Doi Wiangpha in Chiang Mai-Chiang Rai
- Mae Wang in Chiang Mai
- Doi Jong in Lampang-Lamphun
- Phathai Cave in Lampang
- Khun Nan in Nan
- Nanthaburi in Nan
- Doi Phu Nang in Phayao
- Saken Cave in Nan-Phayao
- Pla Cave-Pha Suea-Wasserfall in Mae Hong Son
- Khun Phra Wor in Tak
- Thong Phaphum in Kanchanaburi
- Lam Klong Ngu in Kanchanaburi
- Khao Sibha Chan in Chanthaburi
- Phu Phalek in Sakon Nakhon
- Klong Kaew in Trat
- Khao Nan in Nakhon Si Thammarat
- Hat Khanom-Mo Ko Talay Tai in Nakhon Si Thammarat-Surat Thani
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