Shoppingtour mit Tuk Tuk
von Frank Rumpf
Bangkok ist ein graues, stetig wachsendes Monstrum aus ungeordnet in den Himmel strebenden Hochhäusern und verstopften Straßen. Dennoch fasziniert Thailands Hauptstadt die Besucher, vor allem seit sich die Stadt zum Positiven wandelt.
Manche Weltstädte sind auf den ersten Blick alles andere als schön. Wer behauptet, Bangkok sei eine Pracht, hat vermutlich nie aus dem Hotelfenster geblickt. Doch die Sechs-Millionen-Stadt wandelt sich: weg vom einseitigen Image eines Stopover-Ziels für Schnäppchenjäger und Sextouristen, hin zu einem selbstbewussten, Trends setzenden Zentrum des modernen Asien. Die Designer- und Modeszene der Stadt ist dabei, es aufzunehmen mit den Konkurrenten in Hongkong, Shanghai und Tokio.
"Jahrelang galt Bangkok als Dorado für Design-Imitationen und billige Massenware", sagt Rolf von Bueren. Der Künstler und Geschäftsmann aus Deutschland ist vor 40 Jahren in die "Stadt der Engel" gekommen. "Dabei gibt es hier hohe Kreativität und schon seit Jahrhunderten eine talentierte Handwerkerschaft."
Von Bueren und seine thailändische Frau Helen nutzten das handwerkliche Können und gründeten 1985 "Lotus Arts de Vivre". Ihr Mix aus Möbeln und Wohnaccessoires, Kunst, Schmuck und Mode, den sie in einem idyllischen, von einem Wäldchen umgebenen alten Haus mitten in der Stadt entwerfen, ist für das neue Bangkok beispielhaft: hochwertig Handgefertigtes aus Rohstoffen der erweiterten Region wie Bambus, Muscheln, Kokosnuss oder Silber, Gold und Smaragden.
Elefantenfiguren in der Tempelanlage Wat Phra Kaeo: Finger weg - die Skulpturen dürfen nicht berührt werden
Nicht weniger überzeugt von thailändischer Schaffenskraft ist "H" Ernest Lee, ein weiterer Zugewanderter, der in Bangkok hängen blieb, diesmal aus den USA. In einem entkernten Holzhaus im anglo-thailändischen Stil hat er eine der angesagtesten Galerien der Stadt eingerichtet. "H" zeigt in wechselnden Ausstellungen Werke zeitgenössischer einheimischer Künstler.
Ein rein thailändisches Unterfangen ist "Kit-ti's Jewelry. Der junge Verkaufschef Ittipol Rerkdee bezeichnet die Schmuckkreationen des in Asien Star-Status genießenden Kit-ti als zeitgenössische ethnische Kunst. Colliers aus spitzen Buntstiften und japanischen Spielzeugfiguren, Ketten aus Halbedelsteinen und bunten Kunstperlen sind Kit-tis Markenzeichen. Je schriller und verrückter, desto besser. Die Preise beginnen im unteren dreistelligen Euro-Bereich.
Von jeher einen guten Ruf genießt handgewebte thailändische Seide. Die größte Auswahl in Bangkok führt "Almeta". Mehr als 30.000 Farben und Muster stehen zur Verfügung, um daraus Kleider, Kissen, Decken und Einrichtungsaccessoires anfertigen zu lassen. Ein expandierendes Unternehmen für Anhänger fernöstlichen Wohnens ist "Cocoon". Porzellan, Leinendecken, Kerzen, Duftstäbchen, Vasen, Mini-Buddhas und alles, was sonst noch nötig ist, um den eigenen vier Wänden Asien-Esprit zu verleihen, ist in den Boutiquen zu finden. Gegründet wurde die Firma vor vier Jahren von einem multiethnischen Trio: einem Schweizer, einem Dänen und einem Thailänder.
Tuk Tuk on tour: Eine Fahrt verlangt Mut
"Cocoon"-Shops gibt es im Einkaufszentrum Gaysorn Plaza und im Hotel "Peninsula". "Wir verbinden traditionelle Stile und Materialien mit einem modernen Design", sagt der eidgenössische Co-Inhaber Carlo Hostettler. Das Konzept ähnelt jenem von Buerens, das Ergebnis fällt gleichwohl internationaler aus. "Cocoon" fasst deshalb auch in Europa Fuß: Im "House of Frazer" in Birmingham wurde ein Shop eröffnet.
Die einzelnen Szene-Adressen liegen jeweils zentral und nicht weit voneinander entfernt. In Bangkok hat das allerdings nicht viel zu bedeuten: Da die Sechs-Millionen-Metropole immer noch nicht über eine U-Bahn verfügt, sind Staus auf den Straßen an der Tagesordnung. Eine nur vier oder fünf Kilometer lange Fahrt im Taxi kann leicht eine Stunde oder noch länger in Anspruch nehmen.
Die zwei Linien des "Sky Train", der die großen Hotels mit den Märkten und Einkaufszentren verbindet, sorgen mittlerweile für ein wenig Abhilfe. Hinter der Aussage mancher Einwohner, dank der Ende 1999 eröffneten Hochbahn sei der Verkehr geradezu flüssig geworden, kann dennoch nur begnadete buddhistische Geduld vermutet werden. Vergleichsweise flott voran geht es auch auf den Motorradtaxis oder den dreirädrigen "Tuk Tuks". Mut verlangen beide: Die Unfallzahlen sind hoch, und Fahrten im "Tuk Tuk" werden meist mit einem von Ruß geschwärzten Gesicht bezahlt.
Tempelanlage Wat Phra Kaeo: Stadt in der Stadt
Das bei weitem bequemste und zügigste Fortbewegungsmittel ist jedoch das Boot. Bangkok ist eine Stadt am Fluss: Der breite Chao Phraya, der sich 20 Kilometer stromabwärts in den Golf von Thailand ergießt, ist die bewegte Seele der 1782 gegründeten Metropole. Auf eine Fahrt in einem der gondelartigen Langboote sollte kein Besucher verzichten. Die identitätslosen Hochhausschluchten lassen fast vergessen, dass Bangkok in Südostasien liegt. Auf dem Wasser aber kann erahnt werden, wie die Stadt früher war.
Noch immer leben Menschen am Fluss und entlang seiner Seitenkanäle wie vor hundert Jahren. Kinder kühlen sich am frühen Abend in den trüben Fluten, ein alter Mann steht knietief im Wasser, schäumt sich die Haare mit Shampoo ein und taucht unter. Gemüse und Früchte werden auf knatternden Motorkähnen heimwärts kutschiert, eine Gruppe von Hotelfähren schaukelt in unchoreografiertem Tanz elegant gekleidete Passagiere vom einen zum anderen Ufer.
Für ein paar Baht verbinden Expressboote die Sehenswürdigkeiten am Fluss miteinander. Sie bieten sich als Abwechslung zum hektischen Shopping-Rausch an. Die Verweildauer in der Stadt beträgt immer noch häufig nur zwei Tage, dann zieht es die Touristen weiter an die Strände im Süden Thailands oder zu anderen Zielen in Fernost. Wer also eineinhalb Tage für Einkaufsbummel und Kunstszene veranschlagt, sollte wenigstens einen halben Tag für das Sightseeing reservieren. Vorgeschriebene Ladenschlusszeiten gibt es nicht, die meisten Geschäfte haben auch an Sonntagen geöffnet.
Eine Stadt am Fluss: Das Leben in Bangkok ist nicht zuletzt durch den Lauf des Chao Praya geprägt
Zwei Dinge halten die bemerkenswert stabile Thai-Gesellschaft zusammen: Das von einem großen Teil der Staatsbürger geliebte Könighaus und die Religion des Buddhismus. Beide sorgen für Glanzstücke im ansonsten äußerlich eher tristen Bangkok: den Großen Palast und die Tempel. Ersterer, in der Altstadt gelegen, ist die Hauptattraktion, auch wenn der seit inzwischen fast sechs Jahrzehnten regierende König Bhumibol gar nicht mehr darin wohnt.
Zum Palast gehört die Tempelanlage Wat Phra Kaeo mit dem berühmten Smaragd-Buddha. Das Ensemble ist umgeben von einer 1900 Meter langen Mauer und war einst eine Stadt in der Stadt. Die Architektur mit ihrem verschwenderischen Reichtum an Schmuckfiguren und Dekorationen ist Atem beraubend, trotz der Besuchermassen.
Mindestens ein weiterer Tempel sollte auf dem Besuchsprogramm stehen - der größte: Wat Pho. Hier ist der "liegende Buddha" zu besichtigen, 46 Meter lang aus vergoldetem Gips gefertigt und mit unvergleichlich entspanntem Gesichtsausdruck. Der Wat Pho empfiehlt sich nicht zuletzt wegen seiner angesehenen Massageschule. Dort haben Gäste die Möglichkeit, sich behandeln lassen und danach, an allen Gliedern gestreckt und gedehnt, zu neuerlichem Shopping zu schreiten.
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