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Beiträge · Erzählung über Thailand von Wilfried Stevens
Letzte Aktualisierung: 07.02.2010
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Erzählungen von Wilfried Stevens

Tag der Arbeit

In vielen Ländern der Erde ist der 1.Mai, der Tag der Arbeit, zum gesetzlichen Feiertag geworden. Der heutige Feiertag soll in den USA entstanden sein, als dort am 1.Mai 1886 einen Generalstreik gab, als die dortige Arbeiterbewegung den 8-Stundentag forderte. Der Streik dauerte an und am 3.Mai gab es jedoch erste Ausschreitungen, wobei die Polizei auf Streikende schoss und vier Menschen tötete. Dies eskalierte am 4.Mai, als bei einem Bombenattentat in den Reihen der Polizei es am 4.Mai 8 Tote und 67 Verletzte gab. Im ganzen Chaos gab es weitere gewalttätige Auseinandersetzungen und viele Demonstranten wurden getötet und mehr als 200 Menschen verletzt. Es gab danach Gerichtsverfahren mit vielen Verurteilungen und die Behörden gingen danach hart und kontrolliert gegen die organisierte Arbeiterbewegung vor. Als Reaktion auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen in den USA wurde der 1.Mai von der sozialistischen Internationalen 1889 zum Tag der Arbeiter erklärt.

Am 1.Mai 1890 gab es in Deutschland den ersten Mai-Spaziergang, und bereits im Oktober 1890 beschloss die SPD den 1.Mai als "Feiertag der Arbeiter" dauerhaft einzuführen. 1919 erklärte die Nationalversammlung den 1.Mai vorläufig zum gesetzlichen Feiertag. Nach den Wirren des 2.Weltkrieges wurde 1946 von der alliierten Verwaltung der 1.Mai als Feiertag in Deutschland bestätigt. Heute wird der 1.Mai zu Demonstrationen genutzt, um für Arbeitnehmerinteressen, gegen der weltweiten Unterdrückung und gegen einer ausbeutungsfreien Gesellschaft demonstriert.

In Thailand wurde der 1.Mai, der National Labor Day, erst 1932 übernommen, hatte jedoch in der Anfangszeit kaum Beachtung und Bedeutung in der thailändische Wirtschaft gefunden. In der Gegenwart hat der heutige gesetzliche und arbeitsfreie Feiertag schon eine größere Ansehen und es finden dazu landesweit Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen statt. Obwohl es heute in Thailand noch eine weitaus kleinere Gewerkschaftsbewegung wie z.B. in Europa gibt, wird der Zulauf neuer Mitglieder immer größer, die Demonstrationen und die Arbeitskämpfe nehmen zu. In Bangkok treffen sich so große Menschenmengen u.a. im Lumphini-Park, um über die Probleme der Arbeitnehmer, aber auch über gesellschaftliche Probleme zu diskutieren. Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen informieren dabei über ihre Arbeit und werben um neue Mitglieder.

Auch es gibt mancherorts Musik- und Theatervorführungen, insbesondere die beliebten "Krabi", Komödien, dies sind überwiegend gesprochene Possenspiele, haben an diesem Tag regen Zulauf. Hauptthema dieser Komödien sind die Auseinandersetzungen und Diskussionen zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Gewerkschaften und dazu passende Personen, und jeder bekommt anteilmäßig sein Fett weg. Mit ernsthaften Hintergrund, aber auch viel Sanuk (Spass) versucht man auch auf diesem Wege die vielfältigen Probleme in der Gesellschaft und der Arbeitnehmer offen zu legen.

Hauptstreikpunkt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und Arbeitnehmervertretungen in Thailand sind immer wieder Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Sozialeistungen sowie Einhaltung und Erhöhung der niedrigen Mindesttariflöhne. Dazu kommt es auch immer wieder zu Demonstrationen, Streiks und Auseinandersetzungen, manche am Rande der Legalität. Wie hart solche Auseinandersetzungen gehen können, belegt zum Beispiel der Fall in der Firma Thai Kriang Durable Textile in Bangkok, wo größtenteils Frauen beschäftigt sind, der im Jahr 2000 in der weltweiten Gewerkschaftsszene Aufsehen erregte.

Begonnen hatte alles 1993, als die Firma versuchte, Gewerkschaftsführerinnen und Mitglieder des Arbeiterkomitees zu entlassen. Die Arbeiterinnen antworteten mit Streik, wobei anschließend die Entlassungen zurückgestellt wurden. In der Wirtschaftskrise gab es 1997 in der Firma ein Wechsel des Management, die aufgrund der heiklen Wirtschaftslage die Löhne einfror. Nachdem nach der Wirtschaftskrise die Umsätze stetig stiegen, es der Firma gut ging und bereist 1900 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt waren, verlangte die Gewerkschaft am 12.09.1999, nachdem es 4 Jahre lang keine Lohnerhöhung gab, Verhandlungen über Lohnerhöhungen, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Sozialleistungen. Die Firma wies die Forderungen barsch zurück. Am 30.05.2000 wurde die Fabrik von rund 1000 Arbeiterinnen besetzt, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Arbeitgeber schickten Hunderte bezahlte Schläger los, um den Streik zu beenden. Die Frauen setzten sich zur Wehr, wobei 26 Frauen ins Krankenhaus mussten. Am 16.6. demonstrierten rund 200 Arbeiterinnen Arbeits- und Sozialministerium, damit das Ministerium im Sinne von Verhandlungen eingreifen sollte, was jedoch nur halbherzig geschah. Letztendlich entließ die Firma Hunderte von Frauen, um die Lohnforderungen nachzukommen und den Streik zu beenden.

Trotz einiger Erfolge von Arbeitnehmern, mehr Ausklärung, zunehmender Diskussionen und stetiger Einflussnahme der Gewerkschaften in kleinen Schritten, muss man jedoch nüchtern betrachtet sagen, das der 1.Mai als gesetzlicher Feiertag nur Einfluss als arbeitsfreier Tag im thailändischen Wirtschaftsleben hat, jedoch die Arbeitnehmerinteressen und die tariflichen Mindestlöhne weiterhin ein Streitpunkt bleiben. Dazu muss man auch bedenken, das große Teile der thailändischen Wirtschaft und deren Schlüsselfunktionen von Personen chinesischer Herkunft und Thai-Chinesen kontrolliert wird, dies betrifft ebenso viele Laden- und Fabrikbesitzer die chinesischer Herkunft sind. Diese sind nur bedingt an thailändische Feiertage interessiert, noch weniger an Arbeitnehmerforderungen und Gewerkschaftsbeschlüsse.

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