Lung Sen macht sich Gedanken . . .
Hat Lung Sen in der letzten Ausgabe des FARANG über die zweite Ausländer-Generation in Pattaya geschrieben, so hat er sich doch nur auf die zwei schillerndsten Personen bezogen. Kurz erwähnt wurde zwar, dass viele Deutschsprachige sich in den 1980er Jahren niederließen – aber wer waren sie? Wer kennt sie noch und was machen sie heute?
Rückblende
Das erste wirklich gute Steakhaus eröffnete seine Pforten gegenüber der heutigen Royal Garden Plaza – und da steht es immer noch, das „El Toro Steakhouse“. Die Idee hatten ein Thai-Chinese namens Tan und sein Partner „Einauge Ulli“. So genannt, weil er nur ein Auge hatte. Das Restaurant war eine Goldgrube. Ulli war befreundet mit Thomas, der ein kleines aber feines Lokal in der Soi Post Office betrieb, den „Briefkasten“. Beide waren begeisterte Rennfahrer, und als Pattayas Rennstrecke Bira Circuit eröffnet wurde, konnte man beide dort immer wieder antreffen. Thomas war auch ein leidenschaftlicher Knobler, und Lung Sen kann sich nicht mehr erinnern, wie viele Runden er im „Briefkasten“ gewann und verlor. Leider klemmte Thomas einmal nachts, nach unzähligen Bieren, Beamten die Finger zwischen die Tür. Das gab Ärger, und bald darauf schloss dieses kleine Lokal. Sein Freund Ulli hatte inzwischen in der Naklua Road ein neues Restaurant eröffnet, das „Formel Eins“, und dort wurde Thomas Manager. Nur kurz; dann musste er mit der Familie nach Deutschland zurückkehren. Heute ist er in einem Stadtteil Kölns Koch in einem feinen Restaurant. „Einauge Ulli“ hat diese Welt bereits verlassen.
Das erste europäische Restaurant in der Naklua Road war aber die „Weinlaube“, eröffnet vom Schweizer René Eugster. Heute in der Soi 33 gelegen, nennt es sich „La Grotta“. Zwischendurch nannte es sich der „Heiße Stein“ mit den feinsten Steaks vom Lavastein. Toll waren die ersten Jahre. René hatte entlang allen zum Strand führenden Gassen Wegweiser aufgestellt, wie man zu der äußerst gemütlichen „Weinlaube“ fand. Das Wahrzeichen war ein die Straße überspannender Torbogen, der nach fast 20 Jahren mehreren Neubauten weichen musste (siehe Foto). Lung Sen verbrachte hier viele lustige Abende und ist heute noch mit René in Kontakt, der mittlerweile auf die Koh Samui gezogen ist, dort den „Heißen Stein“ besitzt und das Projekt „Hot Stone Park“ vorantreibt.
Dann kam „Hühner Hugo“. Manfred eröffnete in der Naklua Road eine kleine Grillstation mit diesem Namen, der bald in aller Munde war. Die Hähnchen waren lecker und der Wirt unterhaltsam. Er zog dann in die „Tipp Plaza“, von dort aus zurück in die Naklua Road in das Lokal, das heute „Taverne“ heißt. Das hätte eigentlich von der Lage und Größe her sein bestes Lokalwerden können. Aber leider wurde Manfred ein bisschen bequem und so musste er weichen. Den letzten „legendären Hühner Hugo“ gab es dann in der Soi Petrakul, gegenüber dem Thai Garden Resort.
Von uns gegangen hingegen ist „Chicken Ede“. Der Name sagt alles: Er hatte eine Hühnerfarm und Bar gleich nach der Kreuzung Beach- und Central Road. Aber immer noch unter uns weilt „Schweine Dieter“, ein Metzger, dessen Wurstwaren im Best Supermarkt zu finden sind. Über „Chaoten Kurt“ will Lung Sen sich jetzt nicht auslassen. Viel interessanter ist der Werdegang des „Bäcker Peter“. Er kam von den Philippinen mit 3.000 Baht nach Pattaya und stieg in eine vorhandene Bäckerei ein. Bald hatte er seine eigene in einem Hinterhof, urgemütlich, und seine Backwaren waren köstlich. Hieß es früher: „Nicht leicht zu finden, wer uns aber findet, findet uns gut“, so ist die Bäckerei mit Terrasse heute leicht zu finden, kurz vor der Naklua Soi 12. All das hier Beschriebene begann in den 1980er Jahren, und es bleibt zu erwähnen, dass sich um diese Zeit auch das „Schweizer Viertel“ in der Soi Diamond mit dem ersten Restaurant etablierte. Heute sind es viele mehr.
Dritte Generation
Die begann in den 1990er Jahren unter anderem mit Wolfgang Bordt. Als Ur-Berliner eröffnete er die „Berliner Kneipe“ in der Soi 2, unter dem Sabai-Dee-Massagesalon. Es sollte der Anfang einer Legende werden, denn Wolfgang wollte Pattaya mit mehreren „Berliner Kneipen“ überziehen. Nun, es kam alles anders. Eröffnet wurde in der Soi 15 die Hinterhofkneipe „Berliner Bistro“. Es folgte das „Berliner Bistro 2“ in der Soi Pothisarn mit großem Biergarten und Blasmusik. Aus gesundheitlichen Gründen musste Wolfgang zurück nach Berlin und wird wohl, leider, auch nicht mehr nach Pattaya zurückkommen. Aus dem „Berliner Bistro 2“ wurde später „Ina’s Bistro“. Es nennt sich seit Kurzem nur noch „Das Bistro“. Immer noch gibt es das gemütliche „Berliner Bistro“ in der Soi 13, wo auch Visatrips gebucht werden können.
In diesen Jahren traten vermehrt auch die Immobilienhändler auf. Darunter sind nicht seriöse Geschäftsleute, und Gerti & Jochen hatten Pech mit genau diesen. Sie betrieben ein feines Pfälzer-Lokal in der Bavaria Arkade und leben nunmehr zurückgezogen. Auch tauchten die ersten über das Geschehen in Pattaya berichtenden deutschen („Das gelbe Blatt“ und „Pattaya Blatt“) und englischen („Pattaya Mail“) Zeitungen auf. Da gab es auch den „Eiermann“, sehr witzig geschrieben, und 1993 erschien „DER FARANG“, gegründet vom Schweizer Stefan Matter. Der ehemalige Bürgermeister Sophon Petrakul baute das neue „Alcazar Cabaret“ und gründete das noch heute existierende Sophon Cable TV. Er dürfte der einzige Bürgermeister sein, dem noch zu Lebzeiten eine Straße mit seinem Namen gewidmet wurde, direkt neben der City Hall. Nils Colov fing als Promoter für Thai-Boxen an. Heute steht er der Medien-Gruppe „Pattaya People“ vor.
Lung Sen denkt
Nach den wilden 1980er Jahren wurde es in Pattaya im gewissen Sinne seriöser. Freilich gibt es noch heute das Nachtleben, aber es ist gezügelter als damals. Rotary und Lions Club vergrößerten sich, hinzu kamen Skål und Chaîne des Rôtisseurs. Clubs in verschiedenen Sprachen wurden gegründet, in denen sich Ausländer austauschen konnten. Und mancher hat es von ganz unten nach ganz oben geschafft. Andere hingegen mussten die Segel streichen. Wieder konnte Lung Sen nicht alle nennen, die zu dieser oder jener Generation gehören. Aber er hofft, den Lesern einen kleinen Einblick in die Geschichte gegeben zu haben. |