Schnittige Schlitten, sinnliche Schönheiten
- und ein stolzer Maybach in Himalaya-Grau
Durchsagen sogar auf Deutsch: Unter dem Motto „Power of Natural“ lockte die 26. Motor-Show in Bangkok 1,6 Millionen Besucher an
Text und Fotos von Volker Klinkmüller / Bangkok
Sie ist zwar längst nicht so groß und berühmt wie es die internationalen Autoshows von Detroit, Tokio, Paris, Genf oder Frankfurt sind, doch für Thailand kommt der „Bangkok International Motor-Show“ fast schon eine legendäre Bedeutung zu: Rund 1,6 Millionen Menschen besuchten die überaus populäre Auto-Ausstellung auf dem Gelände des „International Trade and Exhibition Centers“ (BITEC) im Vorort Bang Na, die nun schon zum 26. Mal ihre Tore geöffnet hatte und nicht zuletzt Zeugnis von Thailand als „Detroit Asiens“ ablegt. Denn immerhin sollen hier in diesem Jahr rund 1,1 Millionen Fahrzeuge vom Band laufen, was gegenüber 2004 einer Steigerung um fast 20 Prozent entspricht. Zu bewundern waren nicht nur schwere und schnittige Schlitten, sondern auch zahlreiche sinnliche Schönheiten, die das automobile Spektakel mit ihrem landestypischen, exotischen Charme überzogen.
Der größte Star des zweitgrößten Auto-Salons Südasiens kam allerdings aus Deutschland: ein in Himalaya-Grau-Metallic lackierter „Maybach“, der - viele Besucher zählten die Nullen immer wieder an ihren Fingern ab - in Thailand für 127 Millionen Baht (rund 2,5 Millionen Euro) zu haben sein soll, wobei je nach Ausstattung durchaus auch das Dreifache davon auf den Tisch gelegt werden kann… Von den bisher 1.400 gebauten Edelkarossen wurde rund die Hälfte durch die USA, während in Deutschland nur 62 und in Thailand sogar erst zwei über die Straßen schweben. Die gehören nicht etwa dem Alkohol- und Immobilien-Magnaten Charoen Sirivadhanabhakdi, den das Magazin „Forbes“ mit einem Vermögen von 2,3 Milliarden Euro gerade als reichsten Mann des Landes ermittelte, sondern König Bhumibol Adulyadej, der sich sonst vorwiegend in Limousinen von Rolls Royce chauffieren lässt, - aber das ungeschriebene Recht des ersten Zugriffs auf derartige Vehikel besitzt.
Doch Hersteller Mercedes-Benz verstand sich durchaus auch auf erschwingliche Freuden: Für den Eintrittspreis von umgerechnet lediglich 1,6 Euro boten sie den Besucher ihrer Ausstellungsfläche mehrmals täglich eine originelle, atemberaubende Tanz- und Artisten-Show. Schließlich können die Stuttgarter in diesem Jahr ja auch ihr 100jähriges Jubiläum in Thailand feiern, wozu sechs Oldtimer aus dem Firmen-Museum in Stuttgart und mit Jutta Benz sogar ein Nachfahre von Firmengründer Karl Benz eingeflogen worden waren. Mit Genugtuung mag sie - wie auch die Repräsentanten der deutschen Autofirmen Volkswagen, Audi oder Porsche - vernommen haben, dass die Lautsprecher-Durchsagen auf dem Messegelände außer in Thai und Englisch sogar auch in akzentfreiem Deutsch durchgeführt wurden.
Der in Thailand besonders erfolgsverwöhnte Konkurrent BMW machte - außer mit seinen flotten Mini-Cooper-Modellen sowie Straßen- und Gelände-Motorrädern (die im Vergleich zu den in peppigem Retro-Look aufgemachten Motor-Rollern in der Nachbarhalle allerdings eher bieder wirkten) - vor allem durch seine Flaggschiffe der Siebener-Reihe auf sich aufmerksam. Denn immerhin handelt es sich dabei ja auch um die bisher teuersten, in Thailand montierten Autos. Doch wurden hier erstmalig auch die neuen Dreier-Modelle präsentiert - wie immer kompakt und voll gepackt mit Technik, aber mit komplett neu konstruierten Achsen und einer Verwendung leichterer Materialien. Ab dem letzten Quartal dieses Jahres soll er - rund ein Drittel der Einzelteile kommen von thailändischen Zulieferern - sogar im ostthailändischen Rayong vom Band laufen und mit Zwei- und Drei-Liter-Maschinen zwischen 48.000 und 84.000 Euro zu haben sein. Durchschnittlich werden fast zwei Drittel - im Jahr 2004 waren es rund 626.000 - der in Thailand produzierten Fahrzeuge auch im eigenen Land verkauft, wobei die Einheimischen den größten Wert auf moderne, preiswerte Technik legen.
Angesichts der nun auch in Thailand erheblich gestiegenen, bisher von der Regierung teilweise subventionierten Kraftstoffpreise hatten die Veranstalter - der „Grand Prix Group“, der “Royal Automobile Association of Thailand” (RAAT) und der “Thai Automobile Industry Association“ (TAIA) - die zehntägige Auto-Ausstellung unter dem Motto „Power of Natural“ organisiert. Deshalb wurden besonders viele Modelle mit sparsamen oder ambivalenten Antrieb präsentiert. Noch mehr Aufmerksamkeit jedoch erregten die japanischen Hersteller mit ihren futuristisch anmutenden Konzept-Studien. Zu den Publikums-Lieblingen zählten ein giftgrüner “Redigo 4 x4” von Nissan oder auch ein einsitziges, mit Elektro-Antrieb ausgestattetes Fahrzeug von Toyota, das die Blicke und Kameras der Besucher als Mischung aus Rollstuhl und Mond-Fahrzeug auf sich zog.
Selbstverständlich wurde auch in diesem Jahr wieder eine „Miss Motor Show“ gewählt. An Kandidatinnen herrschte wahrlich kein Mangel - hatten die Hersteller ihre Karossen und Zubehör-Präsentationen - ganz nach dem Motto „Sex sells“ - wieder mit jeder Menge landestypisch lächelnder Weiblichkeit dekoriert. Das hat sich inzwischen sogar bis zu Model-Agenturen herumgesprochen, die auf der Motor-Show nach neuen Talenten suchen. Bauchfreie Tops, Mini-Röcke und Lackstiefel haben inzwischen fast schon zu einer gewissen Uniformierung geführt. Der Wirbel um die Kleiderordnung aus dem vergangenen Jahr indes - ein Aussteller hatte es gewagt, seine Autos von Models in G-Strings präsentieren zu lassen - schien vergessen. Eine Umfrage unter den Besuchern brachte übrigens zutage, dass die Models durchaus schön, sinnlich und freizügig sein dürfen, aber doch auch mit ein paar technischen Details aufwarten können sollten. Andere wiederum plädierten dafür, Pickups oder Geländewagen lieber von männlichen Schönheiten präsentieren zu lassen.
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